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Bad Wurzach - Am heutigen ersten Sonntag im Monat Mai hätte eigentlich ein Friedensgebet auf dem Klosterplatz stattgefunden. Wie so vieles muss es wegen „Corona“ ausfallen. Pfarrerin Barbara Vollmer bringt das Anliegen des ökumenischen Friedensgebets in Erinnerung: Frieden ist nur möglich, wenn wir uns miteinander und füreinander darum bemühen.

 

 

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Zum Frieden hat euch Gott berufen. (1.Kor. 7, 15)

Am heutigen ersten Sonntag im Monat Mai hätte eigentlich ein Friedensgebet auf dem Klosterplatz stattgefunden. Wie so vieles muss es wegen Corona ausfallen. Aber die Losung der Herrnhuter Brüdergemeine, die viele Evangelische lesen und bedenken, hilft uns, das Thema Frieden nicht zu vergessen, auch wenn wir gerade vor allem mit „Corona“ und seinen Auswirkungen beschäftigt sind.

In meinem Abendgebet um 19 Uhr, bitte ich jeden Abend für „die zu beten die wir in diesen Zeiten gerne vergessen“, weil uns die eigene Situation so in Beschlag nimmt. Da denke ich dann an die Menschen, die (zunächst einmal jenseits von Corona; jetzt aber auch mit, was doppelt schlimm ist) seit Jahren leiden, an die Menschen in den Krisen- und Kriegsgebieten dieser Welt. Seit neun Jahren tobt der Bürgerkrieg in Syrien und verursacht unsägliches Leid, Menschen sind Gewalt und Terror ausgesetzt, verlieren Ihre Häuser, Hab und Gut und nicht wenige sind heimatlos geworden, auch wenn sie bei uns untergekommen sind. Aber Heimat? Das sind wir wohl den Wenigsten geworden, werden es vielleicht nie.

 

Viel Krieg und Gewalt in der Welt

Weltweit gab es im Jahr 2016 18 Kriege und nahezu 200 gewaltsame Konflikte (lese ich auf der Homepage des Verteidigungsministeriums) und die überwiegende Zahl davon sind „innerstaatliche Kriege“, also Bürgerkriege. Die meisten davon finden in Afrika statt - und da wundere ich mich dann nicht mehr, warum so viel Menschen von dort sich auch auf den Weg zu uns machen. Denn wir – und ich finde, das zeigt die Corona-Krise bei allem Übel – wir leben geradezu im Paradies und sind gegenüber den meisten Menschen auf der restlichen Welt absolut privilegiert. Übrigens sind wir auch in Europa einer der Staaten, der (mit und ohne Corona) am besten dran ist – wir haben (immer noch) ein hervorragend funktionierendes Gesundheitssystem, einen hohen Hygienestandart und eine überwiegend funktionierende Administration.

 

Die nicht aus dem Blick zu verlieren für „die zu beten wir in diesen Zeiten gerne vergessen“

Das alles, finde ich, verpflichtet uns, trotz aller berechtigter Sorgen, über den Tellerrand hinaus zu schauen und auch die nicht aus dem Blick zu verlieren für „die zu beten wir in diesen Zeiten gerne vergessen“, weil uns die eigene Situation so in Beschlag nimmt.

Das alles könnte uns – in allem Sorgen und Klagen – auch dankbar machen und uns die Augen dafür öffnen, wie gut es uns doch geht – zumal uns in Oberschwaben, wo die Natur uns für viele Entbehrungen so reich und schön entschädigt.

Und aus der Dankbarkeit heraus könnte das Bewusstsein für die Verantwortung wachsen, die wir für unsere Brüder und Schwestern in der ganzen Welt haben, denn ein Privileg ist kein Freifahrschein. Ich sehe es eher als eine Verpflichtung zur Nächstenliebe – und zum Frieden.

Und da bin ich nun wieder bei der Losung und bei unserem heutigen Friedensgebet, das vielleicht zuhause stattfindet, möglicher Weise heute Abend um 19 Uhr? „Zum Frieden hat Euch Gott berufen“, schreibt Paulus an die christliche Gemeinde in Korinth. Zum Frieden sind alle Menschen, aber in ganz besonderem Maße wir Christinnen und Christen gerufen – und zu Gottes Frieden, zu Gottes Schalom gehört Gerechtigkeit und Wohlstand für alle Menschen. Für alle!

Also vergessen wir sie nicht, die Menschen in den Kriegs- und Krisengebieten dieser Welt, vergessen wir die nicht „für die zu beten wir in diesen Zeiten gerne vergessen“. Vergessen wir nicht, dass sich nach dem langen Frieden, der uns geschenkt ist, alle Menschen sehnen. Vergessen wir nicht, dass Frieden nur entsteht, wenn wir füreinander einstehen, einander Schwestern und Brüder werden. Weltweit!

 

Herzlich grüßt Sie
Ihre Barbara Vollmer, Pfarrerin

 

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halloRV

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