Bad Wurzach - Nach acht Jahren in Bad Wurzach sucht Pfarrerin Barbara Vollmer in Ulm eine neue Herausforderung. Dass sie in ihrer Gemeinde in Bad Wurzach vieles auf den Weg gebracht hat, darin waren sich bei ihrer Verabschiedung alle einig.
In mehreren Gottesdiensten verabschiedete sich die Pfarrerin von ihrer Gemeinde und von ihren Bad Wurzachern Weggefährten. Am Sonntagnachmittag wurde sie nach einem Gottesdienst , der unter dem Zeichen des Evangeliumswortes „Steh auf, nimm Dein Bett und geh!“ stand, dann offiziell verabschiedet, musikalisch an der Orgel und gesanglich umrahmt von Verena Stei.
Lange habe sie gebibbert, ob diese Veranstaltung überhaupt durchgeführt werden könne, sagte die Pfarrerin am Beginn. „Es ist besser verabschiedet zu werden als sich zu verabschieden.“ Noch einmal etwas Neues wagen, wolle sie, wenige Jahre vor ihrem Ruhestand. „Jetzt stehe ich hier und gehe, auch ein wenig erschrocken über meine eigene Kühnheit.“ „Es ist schwer loszulassen, was ihr gemeinsam in den acht Jahren aufgebaut habt. Aber ich muss das Wohl der Gemeinde in Eure Hände legen.“ Darauf komme es doch an: „Dass das Evangelium verkündet und gelebt wird.“
Dekan Dr. Friedrich Langsam als Vertreter der Landeskirche versteht die Sorgen der zurückbleibenden Gemeinde sehr gut. Denn Barbara Vollmer hatte in den acht Jahren vieles zum Blühen gebracht, viele Dinge im Großen und im Kleinen angestoßen. Besonders hob er ihre Nähe zu den Menschen am Rand der Gesellschaft hervor. Insgesamt habe sie sehr vieles bewegt. Nun führe sie ein neuer Dienstauftrag nach Ulm.
Um den Corona-Vorschriften Genüge zu tun, wurden die Besucher vor dem Festakt, den Mirjana Schuster mit ihrem Harfenspiel musikalisch begleitete, auf eine Karawane um die Kirche geschickt.
Bürgermeisterin Alexandra Scherer bedauerte in ihrem Grußwort den Weggang, der ein Verlust für die Stadt und die Bürger sei. „Sie waren die erste Pfarrerin in Bad Wurzach, haben das Jubiläum der Gemeinde im vergangenen Jahr gemeistert, viele Projekte Leben gerufen und vorhandene fortgeführt.“ Ein weiteres markantes Projekt sei das Lutherjahr gewesen, das sie mit viel Einsatz vorangetrieben habe. Das Thema Armut habe sie ins Gedächtnis gerufen und „uns buchstäblich miterleben lassen. Danke für ihren großen Einsatz!“
Damit sie oft an ihre Wurzacher Zeit zurückdenke, hatte sie der scheidenden Pfarrerin eine Tasche voller Sachen mitgebracht, auf denen der Name der Stadt steht.
Der katholische Stadtpfarrer Stefan Maier hatte für sie ein ganz besonderes Geschenk parat, um sich für die großen ökumenischen Fortschritte und gute Zusammenarbeit während ihrer Bad Wurzacher Zeit zu bedanken.
Basierend auf einem Text, den Barbara Vollmer selbst einmal über den Gnadenstuhl, ein ganz besonderes Sakralkunstwerk in St. Verena, erstellt hatte, bekam Vollmer ein einzigartige Buch mit Fotos von Pater Paulus Blum als Geschenk der St. Verena Kirchengemeinde. Und zusätzlich 100 Postkarten desselben Motives.
Rainer Reschetzki, Vorstand der Neuapostolischen Kirchengemeinde in Bad Wurzach, verglich Vollmer mit einer Hirtin einer Schafherde: „Barbara war die Hirtin für alle Schafe. Aber auch und besonders für die am Rande der Herde.“ Mit viel Empathie habe sie die Schafe auch getragen. „Der Herr gebe Dir soviel Licht, dass Du den nächsten Schritt sicher gehen kannst,“ gab er ihr auf ihren neuen Lebensabschnitt mit.
In einem witzigen Telefongespräch Bad Wurzach-Ulm rollten die beiden Kirchengemeinderätinnen Astrid Greshake und Ursula Weizenegger die vergangenen acht Jahre noch einmal auf. Es sei geradezu märchenhaft gewesen, wie man damals Vollmer ins frisch renovierte Pfarrhaus gelockt habe, zu einer Gemeinde, die im Dornröschenschlaf lag. Daraus habe Vollmer sie ganz schnell geweckt und sie aufblühen lassen. Sie habe alle mit ihrer Begeisterung angesteckt. Die Konfirmandenfreizeit in Luxeuil, das Lutherjahr das 14 Monate gefeiert wurde, viele Reisen auf den Spuren Luthers. „In den acht Jahren herrschte permant Action.“ Eine besondere Gabe von Barbara Vollmer sei, auf Menschen zu zugehen. Besonders am Herzen liege ihr die Ökumene, was sich an der Gründung eines ökumenischen Männerkreises und vielen gemeinsamen Aktivitäten manifestierte. „Wir lassen Sie nur schweren Herzens gehen.“ Aber da sei es gut, dass es bis Ulm nur 70 km sind, es würden bereits Reisepläne geschmiedet.
Patricia Gragnato hatte seitens der Kirchengemeinde ein ganz besonderes Fotobuch über die Bad Wurzacher Zeit von Barbara Vollmer zusammengestellt und ließ die Festgäste in einer Diashow daran teilhaben.
Barbara Vollmer sagte in ihrem Schlusswort: „Ich habe mich entschieden mich zu verändern. Ich weiß, die Entscheidung tut mir und Euch weh.“ Wie einst Mary Poppins, die Gouvernante mit den besonderen Erziehungsmethoden und der Tasche in die vieles hineingeht – wie etwa ein Talar – so wollte Barbara Vollmer leicht wie eine Feder, und doch mit gepackter Tasche an ihrem Regenschirm, entschweben. „Danke für die schönen acht Jahre.“
Bericht und Bilder Uli Gresser

