Bad Wurzach - Pssst, hören Sie mal – Sie müssen aber ganz genau hinhören. Dann können Sie bei Ihrem nächsten Spaziergang durch die Wälder im Wurzacher Ried vielleicht ein ganz feines, sehr hohes „sri-sri-sri“ hören. Die Laute stammen vom Wintergoldhähnchen, das da mit zarter Stimme aus den Nadelbäumen ruft.
Das Wintergoldhähnchen ist, zusammen mit einer weiteren Vogelart, dem Sommergoldhähnchen, unser kleinster einheimischer Vogel. Es wiegt nur vier Gramm, gerade einmal so viel, wie ein Quadrat Schokolade. Ganze fünf Goldhähnchen könnte man mit einem Standard-Brief verschicken. Die kleinen Hähnchen haben einen goldenen Streif auf dem Scheitel, der bei den Männchen orange und bei den Weibchen gelb gefärbt ist. Während das Sommergoldhähnchen nur im Sommer in unseren Wäldern und Parks zu finden ist und sich im Herbst auf den Weg Richtung Süden macht, ist das Wintergoldhähnchen auch im Winter bei uns anwesend.
Diese Tatsache stellt es vor gewisse Probleme, denn so ein kleiner Vogel mit einer, im Vergleich zum Körpervolumen, großen Oberfläche kühlt sehr schnell aus. Daher muss das Wintergoldhähnchen fast den ganzen Tag Nahrung aufnehmen, um sich warm zu halten. Sein Vorkommen in Nadelbäumen ist eine Anpassung daran. Denn hier findet das Vögelchen das ganze Jahr kleine Tiere, die es mit seinem feinen Schnabel aufnehmen und somit auch als Insektenfresser im Winter bei uns ausharren kann.
Nahe am Stamm und zwischen den dicht benadelten Zweigen ist das Wintergoldhähnchen zudem vor starker Kälte geschützt. In ganz eisigen Nächten können sich auch mehrere Wintergoldhähnchen an einem geschützten Ort zusammenkuscheln und gegenseitig warm halten. Und schließlich hilft auch noch eines bei Kälte: viel bewegen. Dies tut das Wintergoldhähnchen. Rastlos hüpfend und rüttelnd bewegt es sich zwischen den Nadelzweigen und ist dadurch gar nicht so leicht zu beobachten. Aber versuchen Sie es mal, es lohnt sich. Die Kleinen sind echt goldig.
Das Naturschutzzentrum präsentiert unter der Rubrik „Moor-Momente“ regelmäßig Spannendes und Unterhaltsames aus der vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt des Wurzacher Rieds. Dabei werden Arten vorgestellt, die die Besucher aktuell im Ried antreffen können.
Pressemitteilung des Naturschutzzentrums Wurzacher Ried

