Bad Wurzach - Im Rahmen der Festwoche „70 Jahre Bad Wurzach“ feierte zusätzlich die ökumenische Kurseelsorge ihr 40jähriges Jubiläum. Pfarrerin Verena Engels-Reiniger und Pastoralreferent Raimund Miller luden aus diesem Anlass zu einer ganz besonderen Feier in die katholische Pfarrkirche St. Verena ein.
„Der lieben Sonne Licht und Pracht“ Georg Philipp Telemann; „Uti vor hage“, einem schwedischen Volkslied und „Tanterelle“, einer altfranzösischen Tanzweise eröffnete Verena Engels-Reiniger mit ihrer Flöte die Feier musikalisch.
70 Jahre Bad, Bad Wurzach sei ein besonderer Ort, sagte Raimund Miller in seiner Begrüßung: „Die Menschen kommen mit dem Wunsch zur Wiederherstellung ihrer Gesundheit (Rehabilitation) in die Rehaklinik oder um dem Krankwerden mit Wellness und ähnlichem im Kurhotel zuvorzukommen (Prävention). Dabei liege der Focus auf der körperlichen Wiederherstellung. Seit nunmehr vierzig Jahren ergänzen die beiden Kirchen mit der Kurseelsorge das Angebot um einen geistig-geistlichen Schwerpunkt zur Gesundung, ist der Mensch doch Beides: Körper und Seele. „Wir sind dankbar, wie viele Menschen das über all die Jahre getan haben und hoffentlich weiterhin tun werden: Die Angebote der Kur- und Rehaseelsorge Bad Wurzach wahr- und annehmen. Und Sie und wir sind damit mittendrin, in dem was und wer uns heute Abend begegnen will.“ Jemandem, der sage „Leg Deine Sorgen ab“. In „Lay your worry down“ des Sängers Milow aus dem Jahr 2018 werd en diese Situationen sehr treffend beschrieben: „Lehne dich an mich mit deinem Rücken und deiner Seele, lehne dich an mich, wenn Du innerlich gebrochen bist.“
Danach ging Verena Engels-Reiniger mit einem kurzen Text des französischen Schriftstellers Andre Gide „Krankheit als Schlüssel – zur Wirklichkeit“ auf dessen Vorstellungen von Krankheiten ein: „Ich glaube, es gibt gewisse Tore,
die einzig die Krankheit öffnen kann. Vielleicht verschließt uns die Krankheit einige Wahrheiten; ebenso aber verschließt uns die Gesundheit andere oder führt uns davon weg, so dass wir uns nicht mehr darum kümmern.“ Aber er habe unter denen, die sich bester Gesundheit erfreuten, noch keinen getroffen, der nicht nach irgendeiner Seite hin ein bisschen beschränkt gewesen wäre,
„- wie solche, die nie gereist sind.“
„Willst Du gesund werden?“ diese Frage stellen nicht nur die Ärzte und Therapeuten ihren Patienten heute, sondern diese Frage stellte bereits Jesus den Kranken und Verletzten (Joh,5,6). In einem Zwiegespräch zwischen Anton, dem an „Rücken“ leidenden – kirchlich engagierten – Schlosser (Raimund Miller) und seiner Pfarrerin (Verena Engels-Reiniger) klärten die beiden, wie eine „heilsame Mobilisierung“ bereits in der Bibel vorkam. Wie Jesus in dem Heilbad Betesda einem seit 38 Jahren bettlägerigen eben diese Frage stellte: „Willst Du gesund werden?“ und keine Ausflüchte gelten lassend, sagte er zu ihm: „Steh auf, nimm deine Bahre und geh!“ Sofort wurde der Mann gesund, nahm seine Bahre und ging. „Die Bibel sagt das Wesentliche oft verschlüsselt.“ Das Psychosoziale, also die Beziehungen zu seinen Mitmenschen sei ebenso aufschluss-reich, wie etwa die Zahl 38 : „Die 30 steht für Erwartung und für Jesus selbst: mit ca. 30 Jahren hat er sein öffentliches Wirken begonnen Und die 8 steht für den göttlichen Neubeginn! Also: „7“ signalisiert im Alten Testament die Vollendung; 7 + 1 signalisiert, dass Gott mit Jesus einen Neuanfang für das Heil der Welt gemacht hat.“ Grundlegend und wichtig sei, einen kranken Menschen anzuschauen und ihm zu zu hören, denn nur dann könne man einem Arzt glauben und vertrauen, damit dieser die richtige Diagnose stelle. Die manchmal eine Zumutung oder Enttäuschung sein könne. Aber anstatt dem so lange Bettlägerigen, der sich auch schon aufgegeben hatte, Mitleid entgegen zu bringen, fragt Jesus ihn einfach provozierend: „Willst Du gesund werden?“
Mit Fürbitten „Wie lange ich auch an meiner Krankheit trage: Heile du mich, HERR, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen und dem gemeinsam gebeteten „Vater Unser“ bog die Jubiläumsfeier auf die Zielgerade ein. Doch nach vielen (Dankes-) Worten gab es zum Abschluss noch einmal Musik.
Das von Raimund Miller gesungene Lied „Turn, Turn, Turn“ geschrieben von Pete Seeger und von der Band The Byrds im Jahre 1965 weltbekannt gemacht, fußt auf dem 2000 Jahre alten alttestamentlichen Bibeltext aus dem Buch Kohelet (Prediger), Kapitel 3, Verse 1–8 und ist nach wie vor topaktuell: „Eine Zeit der Liebe und Zeit des Hasses, eine Zeit des Krieges und eine des Friedens, eine Zeit in der du umarmen kannst und eine Zeit es zu unterlassen. Ich schwöre: Es ist nicht zu spät!“
Und nocheinmal als rein instrumentalen, aber nicht minder inspirierenden Vortrag spielte Verena Engels-Reiniger noch auf ihrer Flöte zum Abschluss „Wie ein Wind, der leise weht“ von Wolfgang Vorländer; „Gehe ein in deinen Frieden“ ein Lied aus aus Israel und „Möge sich die Straße vor deinen Füßen ebnen“. Dafür und für die ganze Veranstaltung bekamen die beiden Akteure begeisterten Applaus.
Bericht und Bilder Uli Gresser

