Bad Wurzach - Bei seiner Lockdown-bedingten verschobenen Mitgliederversammlung für das Jahr 2019 hat jetzt der Partnerschaftsverein Bad Wurzach auf Vorschlag des Vorstandes den langjährigen Vorsitzenden des Popielow Komitees und des Gesamtvereines, Erich Lacher, zum Ehrenvorsitzenden ernannt.
Beinahe hätte die Mitgliederversammlung erneut verschoben werden müssen: Denn als die ersten Mitglieder zu der Versammlung eintrafen, lag der Versammlungsort Kursaal noch in tiefer Dunkelheit. Erst ein herbeigerufener Elektriker der Stadt brachte im Wortsinne „Licht ins Dunkel“ so dass die Versammlung noch pünktlich um 20.00 Uhr von der Vorsitzenden Ulrika Stützle eröffnet werden konnte. Die Vorsitzende begann die Versammlung mit einem Totengedenken für den im Frühjahr verstorbenen Mitbegründer des Vereines, Prof. Dr. Jochen Schmidt. Stützle erinnerte daran, dass er und seine Gattin, die Ehrenvorsitzende Dr. Ute Schmidt-Berger häufig Gastgeber von Treffen des Vereines auf dem Wachbühlhof gewesen sind.
Das Jahr 2019 war geprägt von vielen Begegnungen, der Vorbereitung für das Jubiläum der Partnerschaft mit Popielow und der Zusammenstellung der Daten für den Jahresflyer des Vereines. Die Vorstandschaft hatte zusätzlich die schöne Aufgabe, die vom Verein ausgelobten Sprachpreise an die besten Leistungen in den Fächern Englisch und Französisch zu überreichen. Ulrika Stützle sprach Jürgen Schumacher, der seit vielen Jahren das Archiv des Vereines ordnet und führt, ihren Dank aus. Ebenso dankte sie ihren Vorstandskollegen, die ihren Teil zur Zusammenstellung des Jahresprogrammes beitragen.
Jochen Martiny, Vorsitzender des Luxeuil-Komitees berichtete von den Aktivitäten mit und in der französischen Partnerstadt Luxeuil-les-bains. Kernstück der Partnerschaft mit Luxeuil sind die Schüleraustausche, die von Gundula Blattner sehr gut organisiert werden. Ein Highlight 2019 war aber auch der Antrittsbesuch von Bürgermeisterin Scherer bei ihrem französischen Amtskollegen. Geselliger Höhepunkt war auch in diesem Jahr das „Picknick in Weiß“ zu dem sich viele Bürger und Kurgäste gesellten. Am 21. September am Weltfriedenstag stellten Dr. Ute Schmidt-Berger und Francois Chopy-Jourdain ihr gemeinsames Buch über die Partnerschaft im Kapitelsaal bei einer Lesung vor. Ein Besonderer Dank richtete Jochen Martiny an die evangelische Pfarrerin Barbara Vollmer, die mit ihren alljährlichen Konfirmandenbesuchen die Beziehung zur Partnerstadt vorantrieb.
Stellvertretend für die Komiteeleiterin Gisela Schulze-Bonsel übernahm Ulrika Stützle den Bericht für das Wallingford-Komitee. Erfreulich war laut dem Bericht, dass von englischer Seite aus – dank engagierter Lehrer – die Zahl der Schüler, die im Rahmen des Schüleraustausches nach Bad Wurzach kamen, gestiegen sei. Aus den Austauschen seien einige Online- bzw. Brieffreundschaften entstanden.
Norbert Fesseler, Leiter des Popielow-Kommitees, eröffnete seinen Bericht mit einem Besuch eines deutsch-polnischen Nachmittages in Weingarten, in dem sehr interessante Aspekte in der politischen Entwicklung Polens beleuchtet wurden. Neben Schüleraustauschen erwähnte er lobend das Engagement von Josef Utz und Riss, Mitgliedern des Wandervereines, die das traditionelle Treffen der Wandergruppen organisierten. Beim schon traditionellen Besuch des Erntedankfestes vertrat Klaus Schütt Bürgermeisterin Scherer die zur gleichen Zeit in Luxeuil ihren Antrittsbesuch machte. Interessant war bei diesem Besuch eine Rundreise durch die Gemeinden, in denen größere Sanierungsprojekte zur Tourismusankurbelung, besichtigt wurden.
Falls es in der nächsten Zeit die Umstände nicht zulassen, das aus bekannten Gründen abgesagte 20jährige Jubiläum der Partnerschaft zu feiern, werde man direkt die Feier zum 25jährigen ins Auge fassen. Ein besonderer Dank ging an Erich Lacher, der die Partnerschaft mit Popielow mit auf den Weg gebracht hatte und das Komitee so lange geleitet hatte.
Für Gisela Rothenhäusler war das 2019 „ein relativ ereignisloses Jahr“ . Neben dem Schüleraustausch gab es auf Jersey aber im September mit der Enthüllung einer Gedenktafel zur Erinnerung an die Deportation und Internierung in Bad Wurzach ein echtes Highlight. Obwohl fast alle Veranstaltungen für 2020 abgesagt wurden, hatte Rothenhäusler dennoch einiges zu berichten. Einige der Internierten sind in dem Jubiläumsjahr zur Befreiung verstorben, darunter einer der sogar gerne in Bad Wurzach begraben werden wollte. Dank des SWR-Fernsehens kam es doch zur ursprünglich im Rahmen des Besuchsprogrammes der Jersey-Delegation geplanten Ehrbezeugung an den Gräbern der in Bad Wurzach verstorbenen Internierten. Die auch in den Medien von Jersey mit einem Interview von Altbürgermeister Helmuth Morczinietz ihren Niederschlag fand. Nebenbei fand das Wurzacher Schloss in einem Buch einer Jersianerin über die Schlösser Baden-Württembergs Erwähnung. Im August besuchte eine Motorradfahrergruppe aus Jersey Bad Wurzach, unter ihnen Sohn und Enkel eines Internierten. Der Sohn war 2005 aus Neugierde erstmals nach Bad Wurzach gekommen und vom herzlichen Empfang sehr beeindruckt gewesen. „Kann es ein größeres Kompliment für die Freundschaft geben?“ stellte Rothenhäusler der Versammlung die rhetorische Frage zum Abschluss ihres Vortrages.
Kassiererin Charlotte Schick konnte der Versammlung von einem ordentlichen Überschuss zum Ende des Jahres 2019 berichten. Und weil für 2020 die meisten Veranstaltungen abgesagt wurden, sprach sie ironisch vom Partnerschaftsverein „als sehr reichen Verein.“ Kassenprüfer Rudolf Ebel bescheinigte ihr eine hervorragend geführte Kasse. Positiv merkte er an, dass jetzt „für jedes Kommitee die Ausgaben sehr übersichtlich aufgeführt sind.“ Damit war der weg frei für die Vorstandsentlastung, die von Peter Dewor geleitet wurde. Diese erfolgte wie die anschließend durchgeführte Wahl der Ersten Vorsitzenden Ulrika Stützle per einstimmigen Votum durch die Versammlung.
Die frisch wiedergewählte Vorsitzende freute sich im Anschluss daran darüber, Erich Lacher die Ernennungsurkunde zum Ehrenvorsitzenden zukommen zu lassen. Lacher hatte schon lange vor der Partnerschaft mit Popielow gemeinsam mit Jürgen Schumacher über die TSG eine Art Partenrschaft mit einem Verein in Lodz organisiert. Er war Mitbegründer der Partnerschaft und lange Jahre Vorsitzender des Komitees und des Gesamtvereines.
Unter Verschiedenes gab Schriftführerin Beate Ebel bekannt, dass der Verein die finanzielle Seite bei der Erneuerung der Ortseingangstafeln zu den Partnerstädten, die z.T. verblasst sind, übernehmen werde. Das sei normalerweise zwar Sache der Stadt, aber da man 2020 so gut wie keine Ausgaben habe, sehe man sich ein wenig in der Pflicht. Bürgermeisterin Alexandra Scherer bedankte sich dafür. Sie bedauerte sehr, dass nichts von den geplanten Feiern habe stattfinden können. „Dass ich meinen Antrittsbesuch in Popielow nicht habe machen können, hat mir sehr leid getan.“ Sie lobte die Art, wie die Partnerschaften geführt würden, als „sehr professionell“. Sie dankte dem Vorstand und den Mitgliedern dafür im Namen der Stadt.
Bericht und Bilder: Ulrich Gresser

