DBSZ DBSZ BadWurzach 1200v01

Bad Wurzach - Seit 2012 ist Osman Citir mit seinem einzigartigen Comedy und Motivationsprogramm in Schulen unterwegs, konnte schon Hunderttausende Schüler begeistern und motivieren.

Nun machte er damit bei der Werkrealschule Bad Wurzach Station, übrigens sein erster Auftritt nach dem Lockdown.

Ein Comedian an der Werkrealschule, wie passt das zusammen? Sehr gut, muss die Antwort darauf lauten, wie Cornelia Lindner als Organisatorin seitens der Schulsozialarbeit, die Schüler selbst und der Comedian bestätigen können.

Lindner war es dann auch, die das Angebot von Citir entdeckte und den Vorschlag ihrer Schulleiterin Julia Kiebler unterbreitete, um den durch die Corona-Einschränkungen beeinträchtigten Schülern neue Motivation zu geben.

Richtig arbeiten musste der Comedian, der nach so langer Zeit endlich wieder auf der Bühne stehen konnte, denn wo er sonst ganze Hallen füllt, konnten die Klassenstufen 7, 8 und 9 nur in Einzelveranstaltungen die Lebensgeschichte des Comedian anhören.

Als Kind einer türkischen Gastarbeiterfamilie wurde Osman Citir 1982 in Weinheim geboren. Nach dem Hauptschulabschluss und anschließender mittlerer Reife, sowie einer Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann folgte 2009 die Entscheidung, seine Erfahrungen auf der Bühne an andere weiter zu geben.

Seine Motivation, es auf die Bühne schaffen zu wollen, schöpfte er aus der Erkenntnis seines eigenen Werdegangs. Er erkannte, wie viel man aus eigener Kraft in diesem Land erreichen kann. Durch Fleiß, Selbstmotivation, Arbeit, Respekt und Eigeninitiative gelang es Ihm seine Ziele zu erreichen – genau diese Werte möchte er an die nachfolgenden Generationen weitergeben.

Er freute sich, dass unter den Schüler*innen der Klassenstufe 8 sehr viele Nationen vertreten sind, etwa neben Deutschen und Türken auch Russen, Albaner und Italiener, um gemeinsam mit ihnen lachen zu können. Etwa darüber, warum die deutschen Männer nicht tanzen können oder was so alles in der Pubertät mit den Jungs passiert.

Zum darüber Nachdenken, „was will ich wirklich“ war die Geschichte seines Cousins, der mit 12 Jahren bereits Fernseher reparieren konnte und damals nach einem Praktikum bereits einen Ausbildungsvertrag bekommen hat und genaue Vorstellungen von seiner Zukunft hatte.

Am Veto seiner Mutter „Du musst studieren“ gescheitert, wäre er beinahe abgedriftet: Das Studium nach kurzer Zeit geschmissen, meldete er sich danach bei der Elektrofirma, die ihm als Wunderkind den Ausbildungsvertrag angeboten hatte. Er bekam die Stelle und machte später, nach Ausbildung und dem richtigen Studium wirklich Karriere. „Lebt Eure Träume! Macht das was ihr wollt, nicht was eure Eltern gern gemacht hätten.“

Die Erkenntnis dazu reifte in ihm, als er wegen seines komödiantischen Talentes „Wir waren die Comedy-Kings der Schule“ eine Klasse wiederholen musste und dafür die ganzen Ferien über in der Fabrik schuften musste. „Lasst euch nicht ablenken, etwa von falschen Freunden, setzt Euch Ziele! Und wenn es nicht so läuft wie geplant, setzt Euch neue Ziele, aber gebt nie auf.“

Statt bei Mediamarkt, wo er bei einem Praktikum erkannte was ihm lag, im Möbelmarkt machte er dann seine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann. Was er auch einem Praktikum zu verdanken hatte, bei dem er sofort zupackte und auch sofort beim Kundenkontakt zu überzeugen wusste. Und das obwohl er in diesem Jahr kurz davor war aufzugeben, weil sein Bruder schwer an Krebs erkrankt war.

Am Ende des Einstellungsgespräches beeindruckte er seinen Chef, der ihn auf seine Motivation ansprach, warum er das nicht gleich gesagt habe. Weil er den Job nicht auf der Mitleidschiene, sondern aus eigener Kraft bekommen wollte, habe er ihm geantwortet.

Sehr ergreifend war an diesem Vormittag die Schilderung, als er bemerkte, dass sein schwerkranker Bruder, mithilfe einer Videokamera seinen Abschied vorbereiten wollte. Seine Fähigkeit zu motivieren wurden für seinen Bruder zum Lebensretter. „Die besten Ärzte und Kliniken nützen nichts, wenn Du nicht bereit bist zu kämpfen!“ Aus dem „Jetzt erst recht!“ mit dem er seinem Bruder die Fähigkeit zum Kämpfen gab, wurde ein geflügeltes Wort in der Familie und in seinem Bühnenprogramm. Sein Bruder überlebte, ist gesund und jetzt 31 Jahre alt, hat vor einem Jahr eine Russin geheiratet, eine wunderschöne und süße Tochter und (an die männlichen türkischen Schüler gerichtet): „Ja, er fährt einen BMW!“

„Finde niemals Gründe aufzugeben, finde Gründe weiter zu kämpfen!“ Für Osman Citir war die Ausbildungszeit die schönste Zeit . Er riet den Schülern: „Klaut in dieser Zeit mit den Augen und Ohren!“ soll heißen: „Nehmt alles mit was ihr an Erfahrungen bekommen könnt!“

Den letzten Gag bei dieser Aufführung bekam sein Vater, der obwohl schon seit 38 Jahren in Deutschland lebend, mit der deutschen Sprache noch immer auf Kriegsfuß steht. Dieser habe vor kurzem einen Unfall gehabt, jemand war ihm hintendrauf gefahren. Osman habe ihm den Rat gegeben, sofort in die Werkstatt zufahren, „sonst rostet Dir der ganze „A...“ weg. Was dieser auch befolgte, und weil ihm wegen besagter Sprachprobleme das richtige deutsche Wort für Stoßstange nicht einfiel, er halt das türkische verwendete, das zufällig „Tampon“ lautet...

Mit Workshops wurden die bei den Auftritten angesprochenen Themen am Donnerstag in den einzelnen Klassen noch vertieft.

 

Text und Bilder Ulrich Gresser

 

 

Bild: Dank der Schulsozialarbeiterin Cornelia Lindner kam der Auftritt von Osman Citir in der Werkrealschule zustande

 

--------------------------------------------------

halloRV

­