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Bad Wurzach - Mit Pfarrer Anton Hagenauer durfte ein Mann Gottes mit der Heilig-Blut-Reliquie vom Heiligblutwagen aus in den Fluren den Segen erteilen, der ziemlich genauso alt wie die Reiterprozession in Bad Wurzach selbst ist. Er tat dies gemeinsam mit Pater Mariusz vom Gottesberg.

1928
Ganz genau betrachtet, ist Pfarrer Hagenauer ein knappes Jahr jünger als das 1928 von den Salvatorianern in der heutigen Form geschaffene Heiligblutfest. Als Anton Hagenauer am 30. Juni 1929 das Licht der Welt erblickt, war Wurzach in den Vorbereitungen zum zweiten Heiligblutfest.

2023
Nachdem der letzte Glockenschlag des Sieben-Uhr-Läutens der St. Verena-Glocken verklungen war, setzte sich der Heilig-Blut-Wagen mit Pfarrer Anton Hagenauer, dem wohl ältesten Priester, dem diese Ehre je zuteil wurde, und Pater Mariusz in Bewegung.

Altar am Schloss-Portal
Der erste Weg führte den vierspännigen Wagen und die Reliquie die wenigen Meter bis zum Segnungsaltar beim Schloss, wo Pater Mariusz die Reliquie, die Papst Innozenz XII, im Jahre 1693 dem Rompilger Martin Denzer aus der Nähe von Obergünzburg überlassen hatte, an Weibischof Dr. Peter Birkhofer aus der Erzdiözese Freiburg übergab. Paulanerbrüder hatten die Reliquie 1764 auf den Gottesberg gebracht, wo sie seit gut 250 Jahren verehrt wird;.

Die Säkularisation Anfang des 19. Jahrhunderts führte zu einer Unterbrechung der Wallfahrten. Mit dem Einzug der Salvatorianer 1924 auf dem Gottesberg wurde die Verehrung des Heiligen Blutes wieder aufgenommen und der Gottesberg zu einem der bekanntesten Wallfahrtsorte in Oberschwaben. Wenige Jahre später – 1928 – wurde von den Salvatorianern gemeinsam mit den Stadtoberen das erste Heiligblutfest in Bad Wurzach gefeiert.

Mit einer Lesung aus dem Evangelium nach Lukas, „Jesus auf dem Ölberg“, wurde die Reiterprozession in diesem Jahr durch Weihbischof Dr. Birkhofer nach einem ersten Segen der Pilger mit der Reliquienmonstranz eröffnet. Vor der prächtigen Kulisse des Schlosses gab der Weihbischof mit der Reliquienmonstranz Pferd und Reitern der ersten Abteilung mit 25 Reitergruppen den Segen

Ehrentribüne
Die Ehrentribüne war in diesem Jahr unter anderem mit Staatsekretär Rapp aus Stuttgart, MdB Josef Rief, seinem Vorgänger Franz Romer, der einst selbst ein passionierter Blutreiter war, MdL Petra Krebs, Landrat Sievers, zahlreichen Bürgermeistern, Unternehmern und Bankern, der Bad Wurzacher Verwaltungsspitze sowie vielen Gemeinderäten, Ortsvorstehern wie jedes Jahr üppig besetzt (MdL Raimund Haser war als Mitglied der Blutreitergruppe Immenried unter den Reitern). Auch eine kleine Delegation aus der polnischen Partnerstadt Popielow um Bürgermeisterin Stellmach gab sich dort die Ehre. Und – Ökumene auch am Heilig-Blut-Fest – das evangelische Pfarrerehepaar Kuczera mit seinen Töchtern.

Die Blutreiter-Veteranen
Den Promis gegenüber hatten die Blutreiter-Veteranen auf ihrer eigenen Tribüne Platz genommen, und so mancher ehemaliger Bluttreiter wird dabei angesichts des Defilees „seiner“ Gruppe vielleicht ein wenig mit Wehmut an seine aktive Zeit zurückgedacht haben.

Nachdem der Heiligblutwagen etwa in der Mitte der Prozession mit den zwei Priestern wieder vom Weihbischof die Reliquie übernommen hatte, wurden von ihnen die zahlreichen Gläubigen und Ehrengäste, die in der Stadt den  Prozessionsweg säumten, ehe der vierspännige Landauer beim Wohnheim St. Hedwig in Richtung der Fluren abbog.

Beim Josenhof
Rund acht Kilometer lang ist die Gesamtstrecke; der nächste Stopp war beim Josenhof, wo beim schön geschmückten Stationsaltar die Stelle aus dem Johannes-Evangelium gelesen wurde, wo Jesus gegeißelt und ihm die Dornenkrone aufgesetzt wurde.

In Truschwende
Die Lesung am dritten Altar in Truschwende ebenfalls aus dem Johannesevangelium handelte vom Tod Jesu und dem Lanzenstich.

In Reinstein
Die Lesung am Reinstein-Altar aus dem Markus-Evangelium schließlich handelte von der Grablegung Jesu.

Nach der Rückkehr über das „Pappelkreuz“  – vom Gottesberg aus gesehen ein beeindruckendes Bild, wie sich die lange Reiterprozessionmit die kurvige Straße herabschlängelte – übernahm Weihbischof Dr. Peter Birkhofer wieder die Reliquie, um auf dem Podest an der Straße der zweiten Abteilung vor Rückkehr in die Stadt den Segen zu spenden. Insgesamt wirkten 66 Blutreitergruppen und 24 Musikkapellen mit.

Bericht und Bilder: Ulrich Gresser

 

 

 

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halloRV

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