Bad Wurzach - Mit seinem Orgelkonzert in der Schlosskapelle hat der Bad Wurzacher Organist und Dirigent des Kirchenchores von St. Verena, Robert Häusle, der mit diesem Gesprächs - und Benefizkonzert das Thema „Choral“ beleuchtete, die Fiori musicali Konzertreihe wiederbelebt.
Häusle trat damit einerseits in die Fußstapfen von Pater Paulus Blum, der die Reihe einst in das Wurzacher Kulturleben integrierte, hat aber mit seinen Gesprächskonzerten dabei seinen individuellen Konzertcharakter kreiert.
Superior Pater Konrad Werder dankte dem Musiker in seiner Begrüßung für sein Engagement, mit dem er auch die Erinnerung an Pater Paulus wachhält. Er war aber auch noch aus einem anderen Grund froh darüber: Denn durch seine regelmäßigen Besuche auf der Orgel war Häusle jemand, der „auch mal nach dem wertvollen Instrument schaut“.
Häusle eröffnete das Konzert mit der Variation desselben Themas, zunächst als Gregorianischen Choral, danach mit einem Tropus mit derselben Melodie um das Jahr 1.000 sowie dem „Kyrie Gott Vater“ von Bach. Danach eilte er nach unten, um den Zuhörern einiges über die Geschichte der Kirchenmusik und damit den Chorälen zu erklären. Etwa dass von Papst Gregor I. um 660 ein wenig Ordnung in die katholische Kirche und Kirchenmusik brachte.
Die von den Mönchen in den Klöstern gesungenen Choräle waren einstimmig, nicht von Emotionen geprägt, also sehr ruhig und dennoch beeindruckend. Mit Beispielen von Johann Sebastian Bach, Felix Mendelssohn-Bartholdy und Cesar Franck zeigte Robert Häusle die unterschiedlichen Möglichkeiten im Umgang mit geistlichen Melodien, also Chorälen, auf.
Bestimmte in der Kirchenmusik zunächst der noch heute in der evangelischen Kirche häufig übliche Posaunenchor die musikalische Begleitung, übernahm diese Funktion dann ab dem 16. Jahrhundert die Orgel. Am Beispiel der Orgelsonate Nr. 6 von Felix Mendelsohn-Bartholdy zeigte Häusle auf, wie dieser mit seiner virtuosen Komposition den Fehler der „Königin der Instrumente“ fast wettmachen konnte: Bei der Orgel erzeugt ein Tastendruck immer einen gleichlauten Ton unabhängig von der Stärke des Tastendrucks. Erst mit der Erfindung des Pianoforte, des Klaviers, bekamen die Musiker ein Instrument, bei dem dies möglich war.
Geht es manchmal in den Choralvorspielen lediglich um eine Hinführung zur Melodie und den darauf folgenden Gemeindegesang, wird bei den umfangreicheren Werken vor allem versucht, neben der Melodie auch den geistlichen Inhalt zu vermitteln, indem die Atmosphäre und Emotionen musikalisch ausgedeutet werden. Dies war in Zeiten, in denen ein Großteil der Bevölkerung weder Lesen noch Schreiben konnte, für die Gläubigen von enormer Wichtigkeit.
Ebenfalls beleuchtete Häusle das enorme Leistungspensum etwa des „Königs der Orgelkomposition“ . Denn als Johann Sebastian Bach seine Stelle als Thomas- Cantor in Leipzig antrat, hatte für jeden Sonntag im Jahreskreis einen neuen Choral zu schreiben und mit seinem Chor noch einzuüben. Solange bis er alle vier Evangelien vertont hatte. Daneben war er unter der Woche noch als Schulleiter und Vater zahlreicher Kinder gefordert.
Bei der Komposition von Caesar Franck, dem Orgelchoral Nr. 1 den dieser in seinem Todesjahr 1890 komponierte, handelt es sich ebenfalls um ein sehr interessantes Werk: Aufgrund der Säkularisierung und der Trennung von Kirche und Staat sank natürlich auch der Stellenwert der Kirchenmusik in der Gesellschaft. „Sein 15 minütiges Werk spiegelt den Lebensmut und die Lebensbejahung des Chorales wieder.“ Seine einzelnen Teile gehen fast übergangslos ineinander über. Das Stück– und damit auch das Konzert – endete mit einer „Jubilier-Orgel“.
Der Eintritt zu diesem Gesprächskonzert war frei. Die Spenden werden für Hilfsaktionen der polnischen Salvatorianer in der Ukraine und in Polen verwendet.
Bericht und Bilder Ulrich Gresser

