Bad Wurzach - Seit 250 Jahren wird die Heiligblutreliquie auf dem Gottesberg verehrt. Stadtpfarrer Stefan Maier gab den zahlreichen Gläubigen bei der Lichterprozession, die seit 1933 jeweils den Auftakt für das Heiligblutfest bildet, einen theologischen Vorgeschmack auf das am Freitag folgende Heilig-Blut-Fest.
Es waren wieder sehr viele Gläubige, die am Sonntagabend der Stadtkapelle und dem Kirchenchor hinauf zum Gottesberg folgten, um sich auf das große Glaubensfest am Freitag einzustimmen und vorzubereiten.
Und genau das tat Pfarrer Stefan Maier dann in seiner Ansprache: Er nahm die Gläubigen mit auf den Prozessionsweg, auf den Gottesdienst der Blutreiterinnen und Blutreiter auf dem Rücken der Pferde – in Bewegung. Denn kaum jemand außer Großem Handwerk und Fetter Zunft kennt das, was an den vier Stationsaltären erbeten wird. Also spielte Pfarrer Maier das Geschehen vom Freitag im Rahmen seiner Festansprache samt Lesungen und Fürbitten durch.
Wenn die Reliquie um 7.00 Uhr von den Geistlichen, die vom Blutwagen später aus den Segen spenden werden (in diesem Jahr werden dies Pfarrer Hagenauer und Pater Mariusz sein), übernommen wird und anschließend beim ersten Stationsaltar bei den Wachhäuschen vor dem Schloss an den Segensspender der ersten Reiterabteilung übergeben wird, wird die Lesung nach LK 22, 39-44, „Jesus auf dem Ölberg“ gelesen. „Immer werden es Stellen aus der Passion Jesus sein. Und immer Stellen, in denen der Herr sein Blut für uns vergießt. An der zweiten Station beim Josenhof wird die Lesung aus dem Evangelium nach Johannes 19, 1-5 sein, wenn die Soldaten Jesus geißeln und ihm die Dornenkrone aufsetzen."
Sein wirkliches Königtum
„Jesus wird verhöhnt und gedemütigt. Und ungewollt geben die Soldaten so den Blick frei auf die tiefe Wahrheit seines wirklichen Königtums und das Wesen Gottes selbst", erklärte Pfarrer Maier dazu. Beim Altar in Truschwende wird eine weitere Stelle aus dem Johannes-Evangelium verlesen: Johannes 19, 28-34.
Der gekreuzigte Jesus erhielt, als er wusste, dass nun alles vollbracht war, und er gesagt hatte: „Mich dürstet“, einen Schwamm mit Essig und starb danach. Als die Soldaten sahen, dass Jesus schon tot war, stach einer von ihnen ihm mit einer Lanze in seine Seite „und sogleich floss Blut und Wasser heraus.“ Bereits die Kirchenväter deuteten jenes Blut, das aus der Seitenwunde Christi austritt, auf das Sakrament der Eucharistie und das Wasser auf das Sakrament der Taufe. Aus dem geöffneten Herzen Jesu fließt uns die Liebe Gottes zu, die uns in den Sakramenten vermittelt wird.“
Am vierten Stationsaltar in Reinstein wird dann die Lesung nach Markus 15, 42-46 erfolgen, über die Grablegung Jesu durch Josef von Arimathäa. „Josef kaufte ein Leinentuch, nahm Jesus vom Kreuz, wickelte ihn in das Tuch und legte ihn in ein Grab, das in einen Felsen gehauen war. Dann wälzte er einen Stein vor den Eingang des Grabes.“ Diese Lesung samt Fürbitten wurde bei der Lichterprozession am Marienbrunnen verlesen.
Nachdem Pfarrer Maier die Gläubigen zum ersten Mal an diesem Abend mit der Reliquienmonstranz gesegnet hatte und diese ihre Kerzen entzündet hatten, trug er die Reliquie in einer beeindruckend langen Prozession in die Stadt hinab. Am Marienbrunnen spendete Pfarrer Patrick Meschenmoser, der dann die Reliquie zurück in die St. Verenakirche trug, den Segen. Für einen kurzen Augenblick verwandelten die vielen Kerzenlichter beim Aufbruch der Prozession den Platz um den Brunnen in ein Lichtermeer.
Zum Abschluss in St. Verena spielte die Stadtkapelle nach dem obligatorischen „Großer Gott wir loben Dich“ noch zwei weitere Stücke, mit der Konsequenz, dass die Kirche bis zum Verklingen des letzten Tones noch voll besetzt blieb und es danach prasselnden Beifall gab.
Bericht und Bilder: Ulrich Gresser

