Bad Wurzach - Weiß bis zart violette Blüten zieren zurzeit die nährstoffreichen Feuchtwiesen um das Wurzacher Ried. Das Wiesenschaumkraut präsentiert seine zarten Blüten, die zu mehreren in einem traubigen Blütenstand zusammenstehen.
Oft sind die Wiesen so dicht mit Schaumkraut bestanden, dass sie wie mit Schaum bedeckt zu sein scheinen. Hieraus leitet sich eine Interpretation des Pflanzennamens ab.
Die jeweils vier Blütenblätter des Wiesenschaumkrautes sind kreuzförmig angeordnet und kennzeichnen so seine Zuordnung zur Familie der Kreuzblütengewächse. Ein weiteres Merkmal sind die als Schoten ausgebildeten Fruchtstände. Bei Reife springen sie auf und verbreiten die Samen durch Wegschleudern.
Dabei handelt es sich um sogenannte Saftdruckstreuer: Beim Reifen steigt der Zellsaftdruck und die Wände der Schote schwellen an. Wird ein bestimmter Druck überschritten, reißen die Schotenwände explosionsartig auf und können dabei die Samen mehr als zwei Meter wegschleudern. Aufgrund der enthaltenen Senfölglykoside hat Wiesenschaumkraut einen leicht scharfen, kresseähnlichen Geschmack und kann in jungem Zustand in der Wildkräuterküche verwendet werden.
Auch der Einsatz in der Volksmedizin beruht insbesondere auf den Senfölglykosiden, die auf Niere und Leber anregend wirken und der Pflanze die umgangssprachlichen Namen „Bettsoicher“ oder „Griesblümel“ eingebracht hat.
Die Blüten des Wiesenschaumkrauts enthalten sehr viel Nektar und werden durch zahlreiche Insekten bestäubt. Aufgrund der Blütenform kommen dabei aber nur langrüsselige Arten wie zum Beispiel Bienen, Schmetterlinge oder Wollschweber in Frage, während Arten mit kurzem Rüssel nur den Pollen ernten können.
Ein häufiger Besucher ist der Aurorafalter, der zur Blütezeit des Wiesenschaumkrauts im zeitigen Frühjahr als einer der ersten Falter des Jahres auftritt. Besonders auffällig sind die Männchen, deren weiße Vorderflügel neben der schwarzen Spitze einen orangen Fleck besitzen, der die halbe Flügelfläche ausfüllt und den Weibchen fehlt. Die Falter naschen nicht nur vom Nektar der Pflanze, sondern legen an ihr auch ihre Eier ab, jeweils einzeln an den Blütenstielen.
Die Raupen schlüpfen somit direkt auf ihrer Futterpflanze, auf der sie perfekt getarnt sind und sich dort schließlich auch verpuppen und den Winter überdauern. Im nächsten Jahr schlüpft dann eine neue Generation. Auch die Larven der Wiesenschaumzikade leben auf dem Wiesenschaumkraut und ernähren sich von deren Pflanzensäften.
Aus dem After scheiden sie eine eiweißhaltige Flüssigkeit ab, in die sie Luftbläschen einpumpen und so einen Schaum um sich erzeugen, der sie vor Austrocknung und vor Fressfeinden schützt. Diese auffälligen Schaumnester, die auch Kuckucksspeichel genannt werden, sind eine weitere Interpretation des Namens der Pflanze.
Und sie gaben den Kuckucksklößen, einem alten Gericht aus Schlesien, ihren Namen. 500 Gramm mehlige Kartoffeln werden mit einer großen Handvoll blühender, fein gehackter Triebe des Wiesenschaumkrautes, einem Ei sowie etwas Mehl, Salz, Pfeffer und Muskat zu einer festen Masse vermengt und daraus Klöße geformt.
Im Salzwasser gekocht und mit einem Quark mit Wiesenschaumkraut-Blüten serviert, ergibt sich eine köstliche Frühlingsmahlzeit. Innerhalb des Naturschutzgebietes aber bitte nur den Anblick der Pflanze genießen.
Guten Appetit!
Farbtupfer auf der Frühlingswiese: Männlicher Aurorafalter auf Wiesenschaumkraut (Foto: pixabay)
Pressemitteilung des Naturschutzzentrums Bad Wurzach (Valeska Ulmer)

