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Bad Wurzach - Die dritte Auflage der Veranstaltungsreihe unter dem Motto „Barock erlauschen“ stellte das Hören in den Mittelpunkt. Kulturelle Highlights im Rahmen der Oberschwäbischen BAROCKwoche 2020 waren Orgelkonzerte, historische Stadtführungen, kulinarische Events.

Die Bad Wurzach Info als örtlicher Veranstalter setzte dabei auf einen mystisch-besinnlichen, experimentellen Weg. Die Harfe, eines der ältesten Musikinstrumente der Menschheit, gewinnt in den letzten Jahren im Konzertbetreib wieder deutlich an Bedeutung. Da lag es nahe, den musikalischen Part der diesjährigen Barocknacht von einem Konzertharfen-Duo bestreiten zu lassen.

An diesem Abend brachte die renommierte Konzertharfenistin Ulrike Neubacher gemeinsam mit ihrer aus Seibranz stammenden Schülerin Luise Stampfer von ihr selbst arrangierte Barockstücke zur Aufführung. Die musikalische Eröffnung bestritt das Duo mit einem bekannten Kanon von Johann Pachelbel, ehe Johanne Gaipl, die Leiterin Der Bad Wurzach Info, die 35 den derzeit geltenden Hygienevorschriften gemäß vorangemeldeten Gäste begrüßte. Pater Superior Konrad Werder knüpfte in seinem zweiteiligen Vortrag über die Entstehung der Heiligkreuzkirche auf dem Gottesberg fast nahtlos an die letztjährige Barocknacht an, wo es damals um die im Schloss umher spukenden Geister unglücklicher Seelen gegangen war.

Der damalige Schlossherr, Truchsess Ernst Jakob und seine Gattin, hofften mit dem Bau einer kleinen Kapelle, wo man für den Frieden der armen Seelen beten konnte, das Problem im Schloss damit zu lösen. Die im Jahre 1709 fertiggestellte Kapelle erwies sich aber bereits drei Jahre später als viel zu klein, weil sich damals bereits 700 Pilger um das Kapellchen drängten. Die 1717 eröffnete Kirche entspricht in großen Teilen der Kirche wie wir sie heute kennen.

Der Hauptaltar und die beiden Seitenaltäre wurden von Johann Ruez geschaffen. „Nicht umsonst wurde Sterben zum zentralen Thema der Kirche erhoben, wie der Hauptaltar (Sterben Jesu) und die Seitenaltäre (Sterben Maria und Josef) zeigen, war Sterben doch im Barock ein wichtiges Thema.“ Und natürlich auch der Grund für den Kirchen Bau: „Damit die armen Seelen ihre Ruhe finden sollen.“ Auf Initiative der Schlossherren wurde bereits 1712, die „Bruderschaft zum guten Tod“ gegründet, eine Gemeinschaft, die es auch nach 300 Jahren noch gibt, wovon das Bruderschaftsbuch, das Pater Konrad an die Abend präsentierte, Zeugnis ablegt.

Solche Bruderschaften waren damals keine Seltenheit und entsprachen der Lebensphilosphie des Barock. „Man wollte nicht unvorbereitet sterben, bewusst auf den Tod zugehen.“ Viele Leute könnten heute damit nichts mehr anfangen. „Sie haben das Leben entdeckt, die Gewichte haben sich verschoben, die Philosophie des Barock sagt ihnen nichts mehr.“ Stammgäste der Barocknacht durften sich freuen: Mit Iris Bräuer und Peter Koerver sorgten alte Bekannte für geistige Impulse mit Gedichten und Versen von Johann Rist, Andreas Gryphius und Martin Opitz neben den meditativ-mystischen Harfenklängen für einen weiteren Ohrenschmaus.

Im zweiten Teil seines Vortrages ging Pater Konrad auf die Entwicklung des Gottesberges bis in die Neuzeit ein. 1763/64 bauten die Paulaner-Brüder, eigentlich ein strengerer Ableger des Franziskaner-Ordens das Wohnheim an die Kirche an. Sie lebten sehr modern, denn sie ernährten sich vegan. Und sie waren reich – reich an Reliquien. Denn sie erbten den Reliquienschatz eines verstorbenen Mitbruders mit über 1000 Reliquien, der 1763 auf den Gottesberg kam. Seit dem Mittelalter spielten Reliquien eine große Rolle im Glauben der Menschen, mit den entsprechenden Auswüchsen. Für den Reformator Luther waren Wallfahrten „Jahrmärkte des Teufels“. „Solche Bilderstürme wie die Reformation braucht es hin und wieder, “ kommentiert Pater Konrad die Geschehnisse in solchen Wallfahrtsorten.

Auf verschlungenen Wegen war die Heiligblutreliquie – als eine von vielen – auf den Gottesberg gekommen. Erst als 1921 die Salvatorianer auf den Gottesberg kamen, der nach dem Ende der Adelslinie Waldburg-Wurzach zur Kirchengemeinde St. Verena gekommen war, wurde von den Salvatorianern gemeinsam mit dem Kreuzkaplan Pius Scheel die Wallfahrt wiederbelebt und die Heilig-Blut Reliquie als großer Schatz erkannt. 1928 fand dann die erste Reiterprozession statt.

Dabei spiele es keine Rolle, ob es sich bei ihr tatsächlich um ein mit dem Blut Jesu getränktes Stück Stoff handele. „Die Reliquie kann Erinnerung wachrufen, kann Wegweiser sein.“ 1500 Reiter, 2000 - 3000 Pilger hofften alljährlich auf den Segen der Heilig-Blut-Reliquie. Mit Musik von Bach, Händel und Christoph Pampuch versetzten die Musikerinnen die Herzen der Zuhörer gemeinsam mit den beiden Rezitatoren in positive Schwingungen, zum Ohrenschmaus kam nach der Veranstaltung noch der optische Genuss, denn der Weg hinab zum Parkplatz war von farbigen Lampions gesäumt....

 

Bericht und Bilder Urich Gresser

 

 

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halloRV

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