Bad Wurzach - Arnach - Er ist seit Januar 2020 Dirigent beim Musikverein Arnach, nun endlich konnte Berthold Hiemer am Palmsonntag beim Frühlingskonzert des Musikvereins seine Jahreskonzertpremiere im Kurhaus feiern.
Die Planungen für das Konzert 2020 liefen bereits auf Hochtouren, doch zwei Wochen vor dem geplanten Termin mussten die Musiker und Berthold Hiemer das Konzert absagen, berichtete Vorständin Stefanie Jöchle bei ihrer Begrüßung im vollbesetzten Kursaal.
Hiemer und seine Musiker eröffneten das Konzert mit einem Oberstufenstück der „Festive Overtüre“ von Satoshi Yagisawa. Es war eine Auftragsarbeit zum 10jährigen Bestehen des städtischen Blasorchesters von Shimizu, bei dem die für die Stadt typische Freundlichkeit beschrieben wird, die Stadt als ein Ort, der für seine Wärme und Liebenswürdigkeit bekannt ist.
Mit der Tondichtung „Schmelzende Riesen“ des Südtirolers Armin Kofler, der als solcher das Gletschersterben fast „hautnah“ miterlebt, hatte bei seiner Komposition – wie in seiner Heimat üblich – den Schwerpunkt aufs Tenor- und Flügelhornregister gelegt.
Der Vorschlag das schwierigkeitsmäßig in der Oberstufe angesiedelte Klarinetten-Solostück „Concertino“ von Hans Blank ins Konzertprogramm aufzunehmen sei von der Solistin Sophia Längst selbst gekommen, erzählte Berthold Hiemer, der selbst durch das Konzertprogramm führte. Dass die Klarinettistin eine außergewöhnlich großes Talent sei, das war ihm schon länger bewusst. Das bestätigte die junge Musikerin, die seit 2015 bei Georg Stankalla Klarinette lernt, nun bei ihrem fulminanten Auftritt im Kursaal eindrücklich.
„Carrickfergus“ war ursprünglich ein irisches Volkslied, das beinahe in Vergessenheit geraten wäre, wenn es der irisch-stämmige Schauspieler Peter O’Toole (u.a. „Lawrence von Arabien) nicht seinem Freund, dem Musiker Dominic Behan, vorgesungen hätte, der es dann Mitte der 60er Jahre in seinem Tonstudio aufnahm. Der Folksong wurde danach rasend schnell berühmt und von vielen Künstlern gecovert. „Mit dieser sinfonischen Tondichtung „Carrickfergus Posy“ im Stile des unsterblichen Percy Aldridge Grainger wollte ich sowohl diesem einzigartigen Komponisten Tribut zollen als auch eine sinfonische Fassung dieses zeitlosen Volksliedes schaffen,“ schrieb der amerikanische Komponist James L. Hosay über sein Werk, bei dem mehrere Instrumente miteinander Zwiesprache halten.
Mit „Curtain Up!“ von Alfred Reed kehrten die Musiker nach der Pause auf die Bühne zurück. „Vorhang auf!“ schrieb Reed zum 60jährigen Jubiläum der „Wheaton, Illinois Municipal Band“. Das sechsteilige Stück umfasst Elemente verschiedenster Musikrichtungen und Tempi und gipfelt am Ende in einem Jazz/Rock Finale.
Im 2006 erschienen „Trimbeka“ zeichnet der holländische Komponist Carl Wittrock musikalisch das Bild eines von drei Bächen umflossenen Dorfes. In diesem beschreibt der Komponist verschieden Szenen wie eine mystische Moorlandschaft oder aber auch das Treiben auf dem Dorfmarkt.
Mit „Symphonic Rock“ von Gilbert Tinner nahmen die Arnacher Musiker noch einen einen richtigen Kracher ins Programm. In dem Medley kombinierte Tinner mit den Hits Innuendo – A kind of magic – Radio Gaga – We are the Champions – That´s all die Musik der beiden wo legendärsten Bands der 70er und 80er Jahre, Queen und Genesis, zu einem wahrhaft symphonischen Cocktail.„
Als unsterblich bezeichnete der Dirigent Berthold Hiemer in seiner Ansage den „Graf-Zeppelin-Marsch“ von Carl Teike, mit dem die Arnacher Musiker das offizielle Programm beendeten. Stefanie Jöchle bedankte sich davor noch bei allen Musikern und stellte fest, dass der Musikverein während Corona „in die Breite gewachsen“ sei, (was mit den 69 Musikern auf der Bühne unschwer zu erkennen war). Was heißen sollte: es gab keine Verluste in dieser Zeit, im Gegenteil, es waren viele Jungmusikanten dazugekommen, die an diesem Abend ihr erstes Konzert spielten.
Hiemer hatte sich etwas für die Zugabe überlegt, was am besten zum Graf Zeppelin-Marsch passen könnte, um die Stimmungskurve nicht abflachen zu lassen. Und da sei ihm nur der „Florentiner Marsch“ von Julius Fucik eingefallen.
Bericht und Bilder Uli Gresser

