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Bad Wurzach - Nach und nach kehren die verschiedenen Vogelarten aus ihren Winterquartieren zurück. Sogleich beginnen die Vogelmännchen mit ihrer Werbung um ein Weibchen.

Häufig wird der Balzgesang dabei durch ein prächtiges Federkleid mit bunten Farben ergänzt. Nicht so bei unseren Störchen. Hier wird weiß mit etwas schwarz kombiniert, im Falle des Weißstorches, und schwarz mit etwas weiß, im Falle des Schwarzstorches. Farbe wird hier nur an Schnabel und Beinen aufgetragen, die bei beiden Arten leuchtend rot sind.

Vier Paare des Weißstorches brüten aktuell im Einzugsbereich des Wurzacher Rieds: Zwei im Stadtgebiet von Bad Wurzach, auf dem Dach der Grundschule und auf dem Dach eines Hotels gegenüber dem Klosterplatz, ein Paar in Dietmanns und eines in Ziegelbach.

Sie alle haben bereits begonnen, ihre Nester zu beziehen und auszubessern. Auch das einzige Schwarzstorchpaar ist bereits am Brutplatz eingetroffen. Doch im Gegensatz zum Weißstorch brüten Schwarzstörche nicht im Siedlungsbereich, sondern versteckt im Wald.

Woher aber kommt die Vorliebe des Weißstorches, auf Gebäuden zu brüten? Ersatz für den Verlust großer, alter Bäume als ursprüngliche Brutplätze ist als alleinige Erklärung ebenso wenig zufriedenstellend wie ein besserer Schutz vor Nesträubern. Zumal die Nester auf Gebäuden nahezu ungeschützt sind gegen Wind und Wetter, was dem Storchennachwuchs bisweilen schwer zu schaffen macht.

Der Volksmund liefert einen anderen Erklärungsansatz und bedient sich der mythologischen Vorstellung, Störche seien verwandelte Menschen. Ihre charakteristische Bewegungsweise im Schreitgang trug sicherlich zu dieser Einschätzung bei. Kulturgeschichtlich gesehen wäre dies dann die Erklärung für ihre Neigung, bevorzugt auf Hausdächern zu brüten.

Überhaupt boten Störche durch ihre Größe und auffällige Nistplatzwahl schon jeher reichlich Gelegenheit für Beobachtungen und entsprechende Deutungen: So zeigte ein fliegender Storch eine bevorstehende Reise an, ein klappernder Storch prophezeite, dass viel Geschirr zerschlagen wird, und legte der Vogel gar den Kopf ins Gefieder, so wusste man, dass ein faules, müdes Jahr bevorstünde.

Während man Störchen früher Gattentreue nachsagte, weiß man heute, dass sie „horsttreu“ sind und somit primär zu ihrem Nest, Horst genannt, zurückkehren, also nicht zu ihrem Partner. Und da Jungvögel bisweilen scheinbar grundlos aus dem Nest geworfen werden, ist es mit der sprichwörtlichen Kinderliebe wohl auch nicht so weit her. Dessen ungeachtet galt die Storchenfamilie seit jeher als vorbildlich und intakt. Und ist darüber hinaus auch noch verantwortlich für den menschlichen Kindersegen.

Wobei es hierzu schon im Grimmschen Wörterbuch kritische Stimmen gab: „Meine Schwester sagt zwar, dass der Storch die Kinder bringt. Wie verständig es auch klingt, ist es aber doch nicht wahr.“ Ausgerechnet der so bekannte Babybringer-Mythos scheint volkskundlich vergleichsweise schwach belegt zu sein. In der christlichen Mythologie ist der Storch anders dargestellt: Mit seiner Zweifarbigkeit symbolisiert er die zwei Naturen von Jesus Christus – Göttlichkeit und Menschlichkeit.

Und Fortziehen und Wiederkehren sind zusätzliche Hinweise auf Christi Wiederkunft. Diese Interpretationen würden für beide Storchen-Arten gelten. Wobei Weißstörche zunehmend nahe ihrer Brutgebiete überwintern. Doch auch wenn die bereits im 17. Jahrhundert weit verbreitete Ansicht, dass die Rückkehr des Weißstorches das definitive Startsignal für den Sommer sei, nicht mehr ganz zutreffend sein mag, so können uns die nun ansteigenden Temperaturen dennoch optimistisch stimmen. In diesem Sinne: Genießen Sie die Frühlingstage!

 

Pressemitteilung: Naturschutzzentrum Wurzacher Ried (Valeska Ulmer)

 

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halloRV

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