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Seibranz - Der Funkmast, der im Bereich des Weilers Galgenhöfe errichtet werden soll, ist Teil eines bundesweiten, sicheren und hochverfügbaren Funknetzes (450 MHz) für die Energie- und Wasserwirtschaft, das derzeit zum Betrieb und Schutz der sogenannten „kritischen Infrastruktur“ aufgebaut wird.

Denn Betreiber kritischer Infrastrukturen sowie Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben benötigen zwingend auch dann funktionierende Kommunikationssysteme, wenn in besonderen Lagen Stromversorgung und damit Mobilfunknetze ausfallen – im sogenannten „Schwarzfall“/“Blackout“. Die Geschehnisse im Sommer 2021 unter anderem im Ahrtal sowie der im zeitlichen Zusammenhang mit dem Ukrainekrieg stehenden Ausfall der Steuerung von zahlreichen Windkraftanlagen haben diese Notwendigkeit eindrücklich unterstrichen.

Kommunikationsinfrastrukturen der kritischen Infrastruktur müssen die hohen Anforderungen nicht nur im alltäglichen Betrieb, sondern ebenso in Ausnahmesituationen erfüllen. Zu den Anforderungen an eine schwarzfallsichere Kommunikation zählt eine robuste, hochverfügbare Funktechnologie.

Mit dieser Technologie wird der drahtlose Netzzugang für Anwendungen kritischer Infrastrukturen in den Bereichen Strom, Gas, Wasser und Fernwärme sowie Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben bereitgestellt. Privatpersonen steht diese Frequenz nicht zur Verfügung

Dr. Pascal Kuhn, Leiter Strategie, Breitband- & Funkinfrastruktur bei der Netze BW erläuterte das Projekt mit der von der Bundesregierung Frequenz zugewiesenen 450 MHz-Frequenz. Die Netze BW-Beteiligung „450 connect“ hat diese Frequenzzuteilung von der Bundesnetzagentur erhalten und damit den Auftrag für den Aufbau eines bundesweiten 450 MHz-Netzes erhalten. Das 450 MHz-Netz ist Schwarzfall (Blackout)-sicher, d.h. es kann auch im Falle eines größeren Stromausfalls mindestens 72 h weiterbetrieben werden.

450 Megahertz ist eine im Vergleich zu Mobilfunkfrequenzen (zwischen 700 und 3600 Megahertz) niedrige Frequenz. Niedrige Frequenzen haben gute Ausbreitungseigenschaften – aus diesem Grund kann z.B. ganz Baden-Württemberg von nur etwa 170 Funkstandorten abgedeckt werden. Im mathematischen Durchschnitt steht so ca. alle 15 km ein 450-Megahertz-Standort.

Allerdings brauchen die einzelnen Masten praktisch „Sichtkontakt“ so dass sie ausschließlich in Höhenlagen errichtet werden. Die Netze BW möchte auf dem kommunalen Grundstück Gemarkung Seibranz Flst. Nr. 220/10 (Galgenhöfe) einen 450 Megahertz-Standort in Form eines Funkmasts realisieren. Der Mastneubau ist mit 40 m geplant und befände sich ca. 280 m von der nächsten Bebauung entfernt.

Da der Wachbühl, die höchste Erhebung des Gemeindegebietes Bad Wurzach aus Landschaftsschutzgründen nicht zur Verfügung steht, wurde nun dieser Standort an der Straße nach Schloss Zeil vorgeschlagen. Dieser biete auch noch zusätzlich im Service-Fall eine gute Verkehrsanbindung, hob Dr. Kuhn einen weiteren Vorteil des Standortes hervor.

Stadtkämmerer Stefan Kunz hob die Wichtigkeit des Projektes hervor, an dem auch bei der Stadtverwaltung in den letzten beiden Wochen intensiv gearbeitet worden war. Berthold Leupolz, zuständig für die Liegenschaften, habe beispielsweise mit dem Pächter des städtischen Grundstückes gesprochen.

Gemeinderat Wolfgang Jäger fragte, wo derzeit die nächsten Masten stehen. „Bei Memmingen und bei Krauchenwies “ bekam er von Kuhn zur Antwort. Die Befürchtungen, von Monika Ritscher, dass dann später zum Mobilfunkmasten aufgerüstet werde, konnte Dr. Kuhn zerstreuen: Das würde allein aus statischen Gründen nicht funktionieren.

Gemeinderat Klaus Schütt wollte wissen, welchen Flächenbedarf der Masten haben werde. Das Fundament des etwa 40 Meter hohen, mit einem Durchmesser von etwa 90cm schlanken Richtfunkmasten, braucht etwa 5 mal 5 Meter. „Der Flächenbedarf ist also sehr gering.“

Bürgermeisterin Alexandra Scherer sagte: „Uns ist auch wichtig, dass wir den Masten auch für die interne Kommunikation etwa vom Bauhof nutzen können.“
Ortschaftsrat Roland Eisenbarth fragte ob die Frequenz nur für die Kommunikation genutzt werde, was Kuhn bejahte. Ebenso bejahte dieser die Anfrage von Ortschaftsrat Reinhold Butscher, ob die Frequenz für die Anwohner unbedenklich sei.

Norbert Fesseler lobte das Projekt, weil es der Sicherheit diene. Und er freute sich darüber, dass „die Netze BW uns so ein Netz aufbaut, von dem wir partizipieren werden.“ Der Ortschaftsrat Seibranz stimmte bei einer Enthaltung für die Empfehlung an den Gemeinderat, dem Bau zuzustimmen.

Der Gemeinderat stimmte daraufhin per einstimmigem Votum dem Standort zu und beauftragte die Verwaltung den entsprechenden Gestattungsvertrag mit der Netze BW abzuschließen.

 

Bericht Ulrich Gresser

 

 

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halloRV

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