Bad wurzach - Selbstbewusstsein entwickeln, Selbstvertrauen sammeln, Selbstwirksamkeit erfahren, für sich und seine Bedürfnisse einstehen, Konflikte aushalten und lösen – all das durften im Februar einige unserer 8. Klässler*innen der Realschule Bad Waldsee im Rahmen des systemischen Anti-Gewalt-Trainings lernen.
Hierzu initiierte die Schulsozialarbeit eine Zusammenarbeit mit Nova Facultas, einem Programm von Kenan Skenderovic und Juan Carlos Fischer. Gefördert wurde das Projekt im Rahmen des Programms Demokratie leben!. Herr Skenderovic, der früher selbst Schüler an der Realschule Bad Waldsee war, lernte Herrn Fischer über ihren gemeinsamen Beruf als Jugend- und Heimerzieher im ZfP Weissenau kennen.
So entstand die Idee 2022, die Anti-Gewalt-Trainer-Ausbildung in Bonn bei Krämer Trainings zu machen. Hier wird ein systemischer Ansatz vertreten, bei dem die Schüler*innen ganzheitlich, mit all den guten und schlechten Erfahrungen, die sie im Leben schon gemacht haben, betrachtet werden. Durch einen wertschätzenden und positiven Umgang sollen sie dann durch das Training ihrem Leben einen positiven Schubs geben.
Das Programm fand an vier Tagen innerhalb von zwei Wochen statt und beinhaltet Teambuildingmaßnahmen und Werkzeuge, die das Selbstbewusstsein und das Selbstvertrauen der Schülerinnen stärken. Mögliche Täterinnen sollen durch das Projekt sensibilisiert werden, Opfer und Unbeteiligte werden gestärkt. Zivilcourage wird anhand von Rollenspielen erfahren und der Unterschied zwischen „petzen“ und „Hilfe holen“ erarbeitet. Auch das Aussprechen von Gefühlen spielt eine große Rolle, da diese im Alltag oft übergangen werden.
Die Trainer sind bei allen Aufgaben dabei und führen diese auch selbst durch, sodass auch bei den skeptischsten Schülerinnen bald die Freude am Projekt überwiegt und sich alle auf die Übungen einlassen können. Die Schülerinnen lernen so, eigene Emotionen zuzulassen und die der anderen anzunehmen und auszuhalten. Dabei ist den Schüler*innen immer bewusst, dass zwar alles gesagt werden darf und dass Konflikte zum Zusammenleben gehören, dass es aber Grenzen gibt, in dem, wie ich meine Meinung äußere. Bei Regelverstößen gibt es keine Strafen, aber die Schüler werden mit ihren Regelverstößen konfrontiert und es wird gemeinsam überlegt, wie man das zukünftig vermeiden kann. Somit begegnen sich alle im Team stets auf Augenhöhe, was entscheidend zu der entspannten Situation bei den Schülern beiträgt.
Unsere Achtklässler*innen waren begeistert vom Programm und haben viele der Inhalte verinnerlicht. Dies bedeutet für den Alltag, dass sie sich weiterhin auf Regelverstöße aufmerksam machen und gemeinsam an einer guten Klassengemeinschaft arbeiten. Somit wird unsere Schule noch mehr zu einem Umfeld, in dem sich alle wohlfühlen und eine gute Gemeinschaft entstehen kann.
Deshalb freuen wir uns natürlich besonders, dass wir auch weiterhin mit Nova Facultas zusammenarbeiten dürfen und noch viele weitere Schüler in den Genuss des Programms kommen werden. Unser besonderer Dank gilt „Demokratie leben!“ für die Finanzierung des Projekts.
Bericht und Bild A. Oberdörfer

