Bad Wurzach - Mit einer Feierstunde im Foyer der Schule – selbstverständlich unter Einhaltung der geltenden Hygienevorschriften– wurde Dr. Pater Friedrich Emde, der seit dem Schuljahr 2008/2009 die Geschicke des Salvatorkollegs als Rektor bestimmte durch Schulträger, Ordensgemeinschaft und Stadt in sein von ihm gewünschtes Sabbatjahr verabschiedet.
Etwas ganz Besonderes war bei dieser Feierstunde die musikalische Gestaltung: Die besondere Wertschätzung für ihren Schulleiter zeigten die Musikerinnen und Musiker des Neigungskurses Musik der diesjährigen Abiturienten, die eigentlich seit dem vergangenen Wochenende gar nicht mehr Schüler des Salvatorkollegs sind. Hans-Peter Staiber, Geschäftsführer der Salvatorkolleg gGmbH zeichnete in seiner Rede „aus der Sicht unserer Begegnungen“ ein Bild von Pater Friedrich als Schulleiter in Bad Wurzach. Pater Friedrich habe damals bei der Nachfolge als Schulleiter bewusst Verantwortung übernommen und nie nachgelassen, die Schule voranzubringen. Mit viel persönlichem Engagement habe er zahlreiche Projekte angestoßen das Schulprofil mit seinen vier Säulen Personalität, Spiritualität, Solidarität und Universalität klar positioniert. Er habe für Klarheit, Verlässlichkeit und Struktur für Schüler, Eltern aber auch Lehrer gesorgt. Der Begriff Weltoffenheit sei bei ihm keine Floskel gewesen. Akzente habe er etwa mit dem Global Day zum 90. Geburtstag der Schule 2015 gesetzt, oder dem Europatag 2019. Oder auch die zahlreichen Auslandsaufenthalte von Schülern, Pater Friedrich sei immer der Sache treu geblieben und habe gemeinsam mit Karin und Josef Heine sehr viel bewirkt. „Er hat den Glauben für Schüler erfahrbar gemacht.“ Für ihn gebe es keine Alternative zum offenen Dialog.
Alexandra Scherer, die Bürgermeisterin der Stadt Bad Wurzach, beschrieb in ihrem Grußwort den scheidenden Schulleiter als „angenehmen Verhandlungspartner“. Seine ruhige und besonnene Art habe sich positiv und konstruktiv auf Verhandlungen, etwa bei der achtjährigen Umbauphase des Schlosses, ausgewirkt. Als zuverlässiger Partner war er geschätzt bei Kollegen bei den Rektorenkonferenzen und bei Verhandlungen mit der Stadt.
„Zum Abschied“ hatte Pater Friedrich Emde seine Abschiedsrede genannt, in der er seine 22 Jahre am Salvatorkolleg Bad Wurzach, davon 12 als Schulleiter noch einmal Reviue passieren ließ. Eine Erkenntnis: „Ich bin fast jeden Tag gerne in die Schule gegangen.“ Das Streben nach Harmonie sei ihm sehr wichtig gewesen, daher hätten ihn die seltenen Situationen, „wo kein Ausgleich möglich war“, besonders belastet. Das eigenständige Profil der Schule zu stärken sei sein stetes Bemühen gewesen. Dass die vier Säulen des Profils „Personalität. Spiritualität. Solidarität. Universalität.“ nicht nur bloß Worte seien, sondern an der Schule tatsächlich gelebt werden, erfülle ihn mit Freude und Dankbarkeit. Als er vor 12 Jahren die Idee gehabt habe, Schulleiter zu werden, habe die Gemeinschaft ihn gefördert und gefordert. Sein Dank galt in dieser Stunde auch seinem Nachfolger Klaus Amann: Mit Zuversicht und Hartnäckigkeit hätten sie vieles gemeinsam entschieden. Aber auch den Schülern dankte er: Sie hätten ihm geholfen, die Bodenhaftung zu behalten.
Die Feier war aber nicht nur eine Stunde des Abschieds: Gleichzeitig wurde auch das neue Führungsteam in sein Amt eingeführt. Der bisherige Konrektor Klaus Amann wird die Schule im Sinne von Pater Friedrich weiterführen, zumal er ja schon Jahrzehnte an der Schulentwicklung beteiligt war, da waren sich alle Redner einig. Frank Schmuck, selbst ein ehemaliger Schüler des Salvatorkollegs wird als Konrektor gemeinsam mit Klaus Amann zum 01.08. sein neues Amt antreten. Hans-Peter Staiber beschrieb mit dem treffenden Bild eines Künstlers die Aufgaben, die auf die Beiden zukommen. Einerseits müsse ein Schulleiter wie ein jonglierender Artist sein, der stets eine Vielzahl von Bällen in der Luft halte. Andererseits wie ein Maler, der mit viel Sorgfalt und Virtuosität ein Bild plant, Vorzeichnungen und Studien erstellt und schließlich sein tiefgründiges Werk fertigstelle. Der stressige Alltag dürfe ihn dabei aber nicht so vereinnahmen, dass er nicht mehr aus dem Stadium des Jonglierens herausfinde. Pater Hubert Veeser, Provinzial der deutschen Provinz der Salvatorianer, sprach in seiner Rede beide sowohl Pater Friedrich als auch Klaus Amann an. Er erinnerte an das viele Herzblut und Engagement, das Pater Friedrich in die Schule einbrachte. Und daran, wie gut im Gegenzug die Atmosphäre am Salvatorkolleg stets gewesen sei. Pater Friedrichs Ankündigung zu Beginn des Schuljahres 2019/20, zum Schuljahresende seinen Hut zu nehmen, hatte im Kollegium zu vielen erschrockenen Blicken geführt. Das habe sich aber inzwischen geändert: „Schade dass er geht, aber wir sind dankbar, dass er da war.“ Er freue er sich aber auch, dass „die Nachfolge geklärt“ sei. Mit dem neuen Schulleiter Klaus Amann werde die positive Entwicklung der vergangenen Jahre fortgesetzt. Und auch der neue Konrektor, Frank Schmuck, sei ihm wohlbekannt: Diesen habe er als Sechstklässler bereits in Religion unterrichtet. Klaus Amann, der designierte Nachfolger von Pater Friedrich, der das 30. Jahr seiner Tätigkeit am Salvatorkolleg erstmals als Schulleiter angehen wird, sagte in seiner kleinen Ansprache, als zehnter Rektor der Schule sei es für ihn eine große Herausforderung, die viel Kraft und Motivation erfordere. Aber er sehe sich durch seine langjährige Erfahrung gut dafür gerüstet, habe ein Kollegium das diese Veränderung mittrage und mit Sekretärinnen und Hausmeister ein hervorragendes Team, um die Herausforderungen zu meistern. „Dass der Schulleiter die unbestrittene gute Seele seiner Schule ist, spricht, denke ich, Bände.“ Genau dieses Zitat des Abiturientensprechers Lukas Bettrich bei der Zeugnisübergabe, zitierte Amann bei seiner Antrittsrede, um die Wertschätzung seinem Vorgänger gegenüber zum Ausdruck zu bringen. Es sei seine Aufgabe, frei nach dem Motto des Abiturgottesdienstes „Nicht der Wind sondern das Segel bestimmt die Richtung“ den Rückenwind zu nutzen.
Bericht und Bilder: Ulrich Gresser

