Bad wurzach - Beim ersten „Nach-Corona“- Neujahrsempfang hielt Bürgermeisterin Alexandra Scherer einen Rückblick auf diese schwierige Zeit, warf aber auch einen Blick auf die anstehenden Großprojekte der nächsten Zeit. Die Stadtkapelle spielte an diesem Abend ausschließlich die Werke des „Feel-More-Music Zyklus“, zwei der Komponisten erläuterten ihre Gedanken zu den Stücken.
Den Auftakt machte der Berkheimer Komponist Victor Schätzle, der seine Gedanken zu seinem Werk „Wallingford“ vortrug, mit dem die Stadtkapelle den Neujahrsempfang eröffnet hatte. „Gerade in der heutigen Zeit kann man leider erkennen, wie zeitlos und aktuell diese Thematik ist. Musik kennt keine Grenzen zwischen Rassen und Nationen, keine Verständigungsprobleme zwischen Sprachen, keine Barrieren zwischen Behinderung und Nichtbehinderung und auch kein Arm und Reich.
Musik ist wortwörtlich gesprochen ein Instrument, um all das zu vergessen und Brücken zu bauen.“ Bei einem berührend schönen Musikstück empfänden alle Menschen, egal wo dasselbe: „Es lässt Menschen eintauchen in ein andere Welt, die so viel schöner ist, als all das was, was wir leider gerade erleben müssen.“ Er dachte da an 1914, als deutsche und englische Soldaten für ein paar Minuten den Krieg vergaßen und in ihrer jeweiligen Sprache „Stille Nacht“ gesungen haben. „Ein paar Minuten für den Frieden...“
Ein Novum stellte auch die musikalische Unterbrechung der Rede eines Stadtoberhauptes während eines Neujahrsempfanges dar. Nach einer kurzen Einführung durch die bewährte Konzertansagerin der Stadtkapelle, Andrea Mall, konnten sich die Besucher bei den drei Sätzen der „Wurzunimpressions“ des jungen Komponisten Dominik Wagner für einige Zeit entspannen. Diese waren, wie auch das Werk von Victor Schätzle im Rahmen des Feel-More-Music Projektes während der Pandemie als Auftragsarbeit zum Thema „Bad Wurzach“ entstanden.
Den Abschluss der Komponistengedanken markierte der bekannte Bad Wurzacher Musiker und Komponist mit seiner Komposition „Auf dem Klosterplatz“.
„Es ist schon einigermaßen verwunderlich, das in Bad Wurzach Kloster und Kirche außerhalb der Stadtmauer befinden,“ so begann Peter Schad seine Ausführungen zu seinem Werk. Denn während in anderen Städten die Kirchen das Zentrum bildeten, sei es bei uns das Schloss. Es sei anzunehmen dass er längst nicht diese Ausmaße hätte, wenn er in der Enge der Stadt angelegt worden wäre. Zum Platz dazu gehört auch die Ach mit seiner Pflanzen und Tierwelt, die das Areal in verschiedene Dimensionen erweitere.
„Diese Szenerie bildet den Anfang der Komposition“ führte Schad aus, „unterbrochen von den Eindrücken vom Platz vor dem Kloster Maria Rosengarten. Blechbläserklänge im Pavanenrhythmus künden vom unaufhörlichen, permanenten Fortschreiten der Zeit.“ Spätestens beim Blick auf die St. Verena Kirche bekomme der Klosterplatz dann eine religiöse bzw. sakrale Dimension.
Wie eine überlebensgroße Madonna überrage sie majestätisch das gesamte Areal, nicht nur Platz und Achidylle sondern auch große Teile der Stadt. „Pauken und Trompeten vermitteln festliche Größe und Glanz.“ Eine Paraphrase über das Kirchenlied „Lobt froh den Herrn“ bilde den Hauptteil der Komposition. „Lobt froh den Herrn“ - eine Botschaft, die seit Jahrhunderten von unserem Klosterplatz ausgeht.
Auch wenn die Meinungen seit seiner Neugestaltung auseinandergingen, sagt Peter Schad: „Mir gfällt´r!“
Und den Gästen des Neujahrsempfang ebenfalls dessen musikalische Umsetzung durch die Stadtkapelle, wie der langanhaltende Applaus bewies.
Bericht und Bilder Ulrich Gresser

