Bad wurzach - Zum 01.Februar erhält Pfarrerin Silke Kuczera Verstärkung: Ihr Mann Michael wird nach der Elternzeit wieder ins Berufsleben zurückkehren und die Hälfte der Aufgaben übernehmen, die seine Frau bisher alleine schulterte.
Erfahrungen mit dieser Art von Jobsharing hat das Paar schon in ihrer vorigen Pfarrstelle in Heidenheim gesammelt. Dafür musste sich Michael Kuczera dem normalen Bewerbungsverfahren unterziehen, am 16. Dezember war das Besetzungsgremium einberufen worden und am 12. Februar wird die Investitur in der evangelischen Kirche stattfinden.
Der 38jährige Theologe stammt aus Essingen/Ostalb, hat in Tübingen, Jerusalem und Berlin studiert und absolvierte sein Vikariat in Sontheim an der Brenz. Er ist praktisch in der Kirchengemeinde „aufgewachsen“. Sein Grundsatz fürs Pfarrersein lautet: „Gott ist schon da!“ Die Gemeinde sei „Heimat für die Seelenpflege.“ In Jerusalem habe er Empathie und Respekt bei der interreligiösen Ökumene kennengelernt.
Michael Kuczera arbeitet derzeit noch an seiner Doktorarbeit bei Prof. Dr. Eilert Herms (Tübingen), hat aber schon bei ihrer vorigen Pfarrstelle in Heidenheim Erfahrungen mit Elternzeit und Jobsharing sammeln können. Seit seine Frau die Pfarrstelle in Bad Wurzach angetreten hatte, war er in Elternzeit gewesen, was für ihn kein Problem darstellte, weil er Kochen und Backen – er hat sogar bei der VHS einen Bredla-Backkurs gemacht – zu seinen Hobbies zählt.
Er und seine Frau Silke wandern gerne, daher findet er die Idee, zukünftige Dienstbesprechungen bei einem Spaziergang zu machen, ganz smart. Die Aufgaben werden 50: 50 aufgeteilt, bei den Sonntagsgottesdiensten wechseln sie sich ab, ansonsten sind, aufgrund der riesigen Fläche auf der ihre rund 1.000 Gemeindemitglieder verteilt sind, die Aufgabenbereiche geografisch aufgeteilt.
Silke Kuczera findet es gut, dass ihr Mann wiedereinsteigt, denn: „Wir beide können auf diese Weise verschiedene Personengruppen ansprechen.“ Seit die Familie in Bad Wurzach lebt, habe er sehr viel Offenheit erlebt: „Beim Kirchengemeinderat, der offen für neue Ideen ist, dabei aber auch die Sensibilität hat, Bestehendes zu pflegen.“ Auch in puncto Ökumene sieht er Bad Wurzach sehr offen: Alle hätten sich darüber gefreut, als die ganze Familie Kuczera Lichterprozession und Heiligblutfest mitgefeiert hatten. Auch für die Kinder gebe es sehr viele Angebote, sie haben auch im Kindergarten sofort Anschluss Freunde gefunden. Das kulturelle Angebot in der Region sei ebenfalls sehr gut.
Heute sei es fast schon so etwas wie Normalität, dass Väter die Elternzeit übernehmen. Seine Erfahrungen mit der Elternzeit: „Ich hatte eine tolle, intensive Zeit mit den Kindern.“ Darüberhinaus habe er Kompetenzen aufgebaut: „Sich nicht provozieren zu lassen und gelassen zu bleiben, wenn der Tag einmal anders verläuft als geplant.“
Auch Silke Kuczera freut sich darauf, endlich wieder mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen zu können. Als Pfarrersehepaar könnten sie beide beruflich profitieren. Und auch für die Gemeinde selbst sehen Silke und Michael Kuczera Vorteile dieser beruflichen Partnerschaft.
Bericht und Bilder Ulrich Gresser

