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Bad Wurzach - Rasant steigende Energiekosten und sinkende Auftragszahlen zwingen Illertisser Familienunternehmen zur vorübergehenden Stilllegung des Standort Bad Wurzach.

Mit Stolz Anfang 2021 eröffnet, plante die Verzinkerei Karger an ihrem vierten Standort Bad Wurzach die Veredelung von bis zu 10.000 Tonnen Stahl pro Jahr. „Der Neubau in Bad Wurzach ermöglicht uns eine noch effizientere und ökologischere Auftragsabwicklung unserer dort ansässigen Kunden“, erklärte Mitinhaber Wolfgang Karger damals die Entscheidung für den Neubau. Nach Aufnahme des Regelbetriebes waren dort bis zu 50 Mitarbeiter in zwei Schichten angedacht. Doch die rasant in die Höhe geschnellten Energiekosten, die angespannte Wirtschaftslage in Deutschland und eine teils stark sinkende Nachfrage in vielen Bereichen hat alle Planungen zunichte gemacht.

Statt weiterer Expansion, musste der Familienbetrieb – abwartend auf die weiteren Entwicklungen – deshalb die Arbeitszeiten in Bad Wurzach bereits im Sommer auf eine Schicht reduzieren, auch wenn dies nicht wirtschaftlich war. Für die Verantwortlichen war es dazu bereits absehbar, dass die fixen Energiekosten durch die signifikant rückläufige Auftragslage nicht erwirtschaftet werden können. Verteilung auf andere Werke. Doch damit nicht genug. Denn der weiter einbrechende Binnenmarkt sowie die Gewissheit, dass der Gaspreisdeckel für Unternehmen nicht vollumfänglich und frühestens ab Januar 2023 kommt, haben die unternehmerische Gesamtlage für Karger noch einmal drastisch verschärft.

Als Lösung blieb der Firmenleitung um die beiden Geschäftsführer Wolfgang und Uli Karger deshalb nur, die vorhandenen Aufträge auf weniger Werke zu verteilen, um diese bestmöglich auszulasten. Für den Standort Bad Wurzach bedeutet dies das vorübergehende Aus. „Einen Stopp der Anlage hatten wir schon vor einigen Monaten projektiert, allerdings damals noch unter Befürchtung eines Gasstopps“, verrät Uli Karger. Nun habe man die Maßnahme tatsächlich umsetzen müssen, aber eben aus einem anderen Hintergrund heraus. „Am 19. Oktober haben wir dann nach einigen Tagen Vorbereitungszeit das knapp 300 Tonnen fassende Zinkbad leer gepumpt, den Gashahn

geschlossen und die Lichter ausgemacht“, ergänzt Karger wehmütig. Nicht einmal zwei Jahre nach der ersten Tauchung schmerze dies natürlich sehr. Das in 115 Kokillen abgefüllte Zink werde nun in den anderen Werken wiederverwendet, was der Unternehmensgruppe in Sachen Liquidität helfe. Die zwölf Becken zur Vorbehandlung der Werkstücke in Bad Wurzach blieben weiter befüllt, um bei sich ändernden Rahmenbedingungen wieder schnell starten zu können.

Pendelangebot für Mitarbeitende
Diese „Ruhestellung“ ermöglicht Karger bei Bedarf die Anlage mit der Beschaffung von neuem Zink wieder innerhalb von wenigen Wochen hochzufahren und in Betrieb zu nehmen – wann dies jedoch so weit sein wird, hängt von der gesamtwirtschaftlichen Lage ab. „Wir beobachten die Situation ständig und reagieren bei einer signifikanten Verbesserung von Auftragslage und Energiekosten natürlich entsprechend“, verspricht Wolfgang Karger. Bis dahin werde man alle Kunden so bedienen, dass sie von der temporären Schließung des vierten Werkes möglichst wenig merken.

Auch die verbliebenen 20 Mitarbeiter aus Bad Wurzach werden gehalten, diese pendeln derzeit schon mit den firmeneigenen Fahrzeugen in die anderen Werke nach Illertissen, Hüttlingen oder Mertingen. Die Fahrtkosten und eventuelle Übernachtungen werden von der Firma getragen.

Auch dies gewährleistet 2023 ein rasches Wiederhochfahren der Anlage in Bad Wurzach, da die Mitarbeitenden bis dahin weiter im Beruf sind und geschult werden können. Optimierung und Umnutzung angedacht Was mit dem Gebäude in Bad Wurzach bis dahin geschieht, ist indes noch nicht in trockenen Tüchern. „Es laufen aktuell Gespräche mit mehreren Interessenten, die die Hallen während der Ruhepause als Lager- oder Stellplatzflächen anmieten wollen“, sagt Uli Karger. Ebenso denke man an die Energietransformation weiter voranzutreiben, um für den Neustart gut gerüstet zu sein. „Dazu gehört unter anderem eine Um- bzw. Nachrüstung der Befeuerungsanlage des Zinkofens, um auch bei einem eventuellen Gasstopp für die Industrie weiter produzieren zu können“, lässt Uli Karger wissen.

Auch die Beimischung von Wasserstoff sei mit den bestehenden Brennern machbar. Darüber hinaus prüfe man den Bezug oder eigene Herstellung von Biogas. „Wir werden die Anlage in der Zwischenzeit bestmöglich optimieren, da wir sie definitiv wieder hochfahren werden“, versichern die beiden Geschäftsführer, und egal was komme, werde die Firmengruppe aus dieser Situation in jedem Fall gestärkt hervorgehen.

 

die Firmengruppe Karger
Seit der Gründung im Jahre 1961, hat sich die anfängliche Einmannfirma von Franz Karger kontinuierlich zu einem modernen Industriebetrieb für Feuerverzinkung und Herstellung von Sondergitterrosten entwickelt. Aktiv an vier Standorten in Süddeutschland, beschäftigt das in zweiter Generation von Wolfgang und Uli Karger geführte Familienunternehmen mit Stammsitz in Illertissen aktuell rund 240 Menschen, der Jahresumsatz beträgt 22 Millionen Euro. Das Leistungsspektrum im Bereich Feuerverzinkung reicht dabei von klassischen Schlosserartikeln wie zum Beispiel Zäune, Treppen oder Podestanlagen über Serienteile für den Fahrzeug-, Gerüst- oder Systembau bis hin zu großen Stahl- und Fassadenkonstruktionen sowie Parksystemen. Eine Besonderheit von Karger ist die hauseigene Schleuderverzinkungsanlage für Kleinteile, die als separate Produktionslinie eine hohe Kapazität ermöglicht. Ebenso unterstreichen die selbst produzierten Gitterroste die Vielfalt und Qualität des Familienbetriebs – vom begehbaren Sonderrost bis hin zu LKW-befahrbaren Sonderkonstruktionen wird hier alles individuell nach Kundenwunsch gefertigt. Den pünktlichen An- und Abtransport aller Waren vom und bis zum Kunden stellt die hauseigene LKW-Flotte mit über 20 Fahrzeugen sicher.

 

Mehr unter www.karger.net

26Karger Kokillen

Karger-Kokillen: Wo bis vor kurzem die Werkstücke der Kunden für die Veredelung vorbereitet wurden, standen für das Leerpumpen des Zinkbades 115 Kokillen bereit. Das Zink wird nun in den drei anderen Werken verwendet, die Vorbehandlungsbecken in Bad Wurzach bleiben für eine möglichst schnelle Reaktivierung des Werkes weiter befüllt. 

26Karger Firmenleitung

 Die beiden Geschäftsführer Wolfgang Karger (links) und Uli Karger (Mitte) sowie Gerald Linder, Bereichsleiter Feuerverzinken, schauen trotz der vorübergehenden Schließung des Standort Bad Wurzach optimistisch in die Zukunft.

Pressemitteilung der Firma Karger

 

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halloRV

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