Bad Wurzach - „Klangvoll.orthodox.anders – Liturgische Gesänge mit dem Rachmaninow-A-Capella-Ensemble“ so hatte Kurseelsorger und Pastoralreferent Raimund Miller das Konzert überschrieben – und die vier jungen Sänger aus der Ukraine bestätigten diese Überschrift mit überragender Musikalität.
Diakon André, Profisänger Alexander, Ensemble-Leiter Gregori und Erzpriester Dionysios kamen aus der Schweiz, als sie auf dem Weg nach Hamburg und Dänemark in der St. Verena-Kirche einen Zwischenstopp einlegten. Was tatsächlich wörtlich zu verstehen ist, weil sich für die vier Sänger trotz intensiver Suche durch Raimund Miller keine „Herberge“ in Bad Wurzach fand. Aus diesem Grunde musste das Konzert auch eine halbe Stunde vorverlegt werden, damit die Sänger noch rechtzeitig ihren Zug in Bad Waldsee erreichen konnten...
Nachdem auch der Chronist ein wenig ein Opfer dieser Vorverlegung geworden war, bekam er bereits auf dem Weg vom Parkplatz in die Kirche eine Kostprobe von der Stimmgewalt des Ensembles geboten. Wie viele Sänger würden ihn wohl erwarten: 10 oder 20 Sänger? schoss es ihm in diesem Augenblick durch den Kopf. Wie groß war dann die Überraschung, als dort im Chorraum nur vier in Priester-Soutanen gekleidete Sänger den rund sechzig Besuchern dieses kirchenraumfüllende Konzert entboten.
Gemeinsam mit ihrem Sprecher Wjatscheslav, der, weil – schon viele Jahre in der Schweiz lebend – in sehr gutem Deutsch die einzelnen Stücke und ihren geschichtlichen und liturgischen Hintergrund erläutern konnte, entführten die vier Sänger die Zuhörer tief in die gesungene Liturgie der orthodoxen Kirche.
Ein Name fiel bei den Erklärung zu den Gesängen dabei sehr häufig: Johannes Chrysostomos (eigentlich Johannes von Antiocha) der im vierten und fünften Jahrhundert nach Christus lebte und einer der größten christlichen Prediger war. Viele der von dem Ensemble an diesem Abend vorgetragenen liturgischen Gesänge gehen auf ihn zurück. Es sei auch kein Zufall, dass in der ukrainischen orthodoxen Kirche die griechischen Gesänge dominierten. Denn der Lobpreis des Herrn gelte dort allein mit der menschlichen Stimme als Lobpreis. Daher gebe es in der orthodoxen Kirche bis heute keine Orgelbegleitung.
Was jedoch ähnlich wie in der römisch-katholischen Kirche hoch im Kurs stehe sei die Marienverehrung. Dies untermauerten die mit überragenden stimmlichen Qualitäten gesegneten Sänger mit einem Marien Lobpreis eines unbekannten bulgarischen Meisters.
Ebenso gilt das Osterfest ähnlich wie in der römisch-katholischen Kirche als eines der wichtigsten Kirchenfeste. Mit zwei wunderschönen Ostergesängen brachten dies die Sänger auch wunderbar zum Ausdruck.
Ob bei ihrem vierstimmigen Gesang oder im Wechsel zwischen Sprechgesang und Chor, mit jedem musikalischen Meisterwerk, das die Sänger intonierten brachten sie den Zuhörern die orthodoxe Liturgie ein Stück näher. Warum man in der orthodoxen Kirche die Lobpreisgesänge im Stehen singt (= wegen der besseren Resonanz ) war auch dem (sitzenden) Publikum rasch klar, weil die Sänger es verstanden, die Zuhörer sofort in die Tiefen dieser religiösen Atmosphäre mitzunehmen.
Bericht und Bild Uli Gresser

