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Bad Wurzach - Bei der 241. Ausstellung in der Städtischen Galerie war die Künstlerin Michaela Janke zwar nicht anwesend, weil sie nach einer Verzögerung von vier Wochen mitten in ihrem Umzug von Hamburg nach Heidenheim steckt, dafür aber wurde sie wunderbar durch ihre Laudatorin Beate Leggemann vertreten, die seit vielen Jahren die Familie von Michaela Janke und deren künstlerisches Schaffen kennt und somit mehr als nur deren Laudatorin für diesen Abend war.

 

Denn Leggemann organisierte für Janke gemeinsam mit Rosemarie Stäbler, der Leiterin der städtischen Galerie, diese Ausstellung in der Stadtbücherei, in der 33 Bilder vom Kleinformat bis zum Format 60x125cm zu sehen sind. Sie sei zwar keine Künstlerin, aber seit früherster Jugend Kunstinteressierte sagte Leggemann.

Wie Janke stammt sie aus Heidenheim und war mit ihrem Mann vor fünf Jahren nach Bad Wurzach gekommen, wo sie sich sehr wohlfühle, was auch an der tollen Kunst- und Kulturszene in der Region liege. Sie lobte auch die „grandiose“ Unterstützung für die Künstler durch die Stadt mit mietfreien Ausstellungsräumen, Frau Stöckle die immer hilfsbereit ist Einladungen und Plakate usw. verschickt. „Was in anderen Kommunen nicht selbstverständlich ist und eine so gute Sache!!“ Und natürlich Rosemarie Stäbler, die eine große Unterstützung bei den Vorbereitungen gewesen sei.

Ihre Wunschkandidatin für die musikalische Gestaltung der Vernissage sei Verena Stei gewesen, die mit ihrem Cello den Abend nicht nur zu einem Augen- sondern auch zu einem Ohrenschmaus machte, weil sie ebenfalls studierte Musikerin wie Michaela Janke ist.

Die Künstlerin stammt ursprünglich aus Heidenheim, studierte Orchestermusik (Violine) in Mainz. Nach Studium arbeitete sie beim Symphonieorchester Kairo unter anderem auch unter dem Gastdirigent Daniel Barenboim.

Danach beim Symphonieorchester Darmstadt, später an den staatl. Musikschulen in Überlingen und Hamburg. Ihren Lebensmittelpunkt wird sie nach ihrem Umzug jetzt wieder in Heidenheim haben, wo sie ebenfalls schon eine Ausstellung bestritten hatte.

Michaela Janke hat aber berufsbegleitend ebenfalls ein Studium „Kunst und Kommunikation-Malerei“ bei dem Kunsttherapeuten und Künstler Jens Drescher in Ulm absolviert. „Es war eine echte Schaffensphase in der Ulmer Zeit mit geballten Erfahrungen.“ Sie sei damals tief eingetaucht in die Malerei, die große Begeisterung sei Michaela Janke bei den Interviews für die Laudatio immer noch anzusehen gewesen.

Deshalb bestritt Janke auch die Ausstellung mit den Bildern aus dieser Zeit. Denn dort lernte sie Malerei von Grund auf: Sogar die Rahmen hat sie selbst hergestellt, auf welche die Leinwände aufgezogen wurden. Und: Es wurde nur mit Naturmaterialien gearbeitet.

Wie etwa als Bindemittel Reisleim „Michaela liebt den Geruch, der angeblich neutral ist, für sie aber ein echter Wohlgeruch.“ Für ihre Arbeit sei der Spachtel aber genauso wichtig wie ein Pinsel. Es werden mehrere Schichten aufgetragen - teilweise bis zu 20 und mehr, dann wieder Schichten abgenommen, dazwischen die Trocknung, dann wieder neue aufgetragen - ein langwieriger Prozess, der viel Geduld und Mut benötigt. Es entstehen neue Strukturen, die eine gewisse Durchlässigkeit in den Bildern schafft und besondere Schattierungseffekte ermöglicht.

Das Wichtigste aber: Es wird mit nur natürlichen Pigmenten gearbeitet , wie Asche, Sand, gemahlene Steine und Muscheln, aber auch Gewürze wie Zimt und Kurkuma oder Kakao mit Mondamin gemischt. Ebenfalls auf der Zutatenliste ihrer Bilder: Metallische Pulver wie Kupfer und Eisen, das durch Zugabe von Essig oxidiert und Goldpulver und Goldplättchen.

„Es war für mich faszinierend mit wie viel Geduld gearbeitet werden muss, um die unterschiedlichen Trocknungsphasen zu halten,“ sagte Beate Leggemann bei der Vernissage.„Ich bewundere dieses freilassende Denken und Schaffen, ist schon besonders und außergewöhnlich.“ Und sie berichtete von ihren Gefühlen beim Betrachten der Bilder: „Das Betrachten der Bilder öffnet einen Raum in mir, von dessen Existenz ich gar nichts wusste. Es entsteht ein innerlich zur Ruhe kommen, im freien Denken und Fühlen.

Jeder soll seine ganz eigene Interpretation eines Bildes erschaffen. Weshalb die Künstlerin auch bewusst keine Titel bei ihren Bildern verwendet. Der Betrachter soll die Freiheit haben, selbst in Dialog mit dem Bild zu kommen.“

„Wenn man etwas in der Natur anschaut, was „dem Auge gut tut“ – eine Blume, Wolken o.ä. – kann das Kopfkino ausgeschaltet werden. Es klingen Saiten in uns an, die vielleicht verborgen oder zu zart sind, um vorher schon wahrgenommen zu werden. Genauso geht es uns mit der Musik und so schließt sich für mich der Kreis bei Michaela Janke, dass sich diese beiden Künste so wundervoll in ihrer Arbeit zeigen und eine Verbindung bilden – die Malerei und die Musik.“

Die Ausstellung „Malerei“ von Michaela Janke ist noch bis 16.12. 2022 in der Stadtbücherei während deren Öffnungszeiten zu sehen.

 

Bericht und Bilder Ulrich Gresser

 

 

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halloRV

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