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Haidgau - Beim Herbstkonvent des Alemannischen Narrenrings (ANR) in der Turn- und Festhalle in Haidgau wurden neben der bei solchen Versammlungen üblichen Berichterstattung auch neugewählte Zunftmeisterinnen und Zunftmeister vorgestellt, zwei verdiente Präsidiumsmitglieder zu Ehrennarren ernannt und ein strittiges Thema ausführlich diskutiert.

Nach der Begrüßung durch den Präsidenten Markus Stark und einer kurzen Begrüßung durch Daniel Wassner, Zunftmeister der gastgebenden Chadaloh-Zunft gab Ortsvorsteherin Ernestina Frick als Hausherrin in ihrem Grußwort einen kurzen geschichtlichen Abriss von Haidgau, dessen Gründerväter als Vorlagen für die Haidgauer Narrenfiguren dienten. Sie dankte der Narrenzunft für ihre generationenübergreifende Arbeit. Und dafür, dass das Dorf nach dem Narrensprung – der alljährlich größten Veranstaltung im Dorf – immer „piccobello“ aussehe.

Nach dem obligatorischen Totengedenken und der Genehmigung der Tagesordnung stieg Markus Stark mit der Feststellung der Beschlussfähigkeit (82 der 89 Mitgliedszünfte waren bei diesem Konvent vertreten) und seinem Bericht in die Tagesordnung ein. Seit dem Frühjahrskonvent waren vier Präsidiumssitzungen und eine Klausurtagung abgehalten worden. Im Juni war das Archiv durchforstet worden, um festzustellen welche Dokumente digitalisiert werden sollten. Rund 50 Personen waren dabei, als sich im Rahmen eines Infoabends die neugewählten ZunftmeisterInnen dem Präsidium vorstellten.

Am 16.09. habe man bei der Narrenzunft Bergatreute aus Anlass von deren 50jährigem Bestehen einen tollen Jubiläumsabend gefeiert. „Ich habe versucht, mit der Landesregierung einen Termin zu bekommen, um Klarheit darüber zu erhalten, wie die kommende Fasnetssaison aussehen wird.“ Es sei ja vielleicht positiv, dass er bisher keine Antwort bekommen habe. Schön sei ja auch, dass man sich wieder gegenüber sitzen könne. „Wir wünschen uns dass das auch so bleibt. Wir bleiben dran, dass wir wieder Fasnet feiern können.“

Jugendleiter Sebastian Peter, der den Nachwuchs von 26 ANR-Zünften vertritt, musste in seinem Bericht den kurzfristigen Ausfall des Jugendzeltlagers vermelden. Bei den Jugendleitern der ANR-Zünfte habe es keine personellen Veränderungen gegeben. Für 2023 ständen erst wenige Veranstaltungstermine.
Mit einer Altersstatistik sollen die Planungen von Veranstaltungen zielgruppenorientierter werden. Die Jugend-ARGE mit anderen Verbänden soll wiederbelebt werden.

Vizepräsident Frank Spleiß verwies in seiner Funktion als Vorsitzender des Medienausschusses auf das digitale Meldegesetz und die Pflege der Homepage.

Der beim Frühjahrskonvent als Nachfolger von Gabi Pfarrherr (jetzt Zanner) an die Spitze des Brauchtumsausschusses gewählte Andreas Heine von der gastgebenden Zunft Chadaloh, bezeichnete sich bei seinem ersten Auftritt als „junger Spritzer unter lauter alten Hasen“. Er konnte vermelden, dass er zukünftig wieder mit einem komplett besetzten Ausschuss über Häsveränderungen, Maskenordnungen usw. entscheiden könne. Ziel sei es weiterhin, Kindern und Jugendlichen die Inhalte des Brauchtums Fasnet zu vermitteln, das sich mit dem Titel „immaterielles Kulturerbe“ der UNESCO schmücken darf.

Reiner Stadler, Chronist und Vorstand des Ordenskapitels, bedankte sich in seinem Bericht bei den Zünften für die pünktliche Ordensmeldungen. Insgesamt 318 Orden sollen in der anstehenden Saison vergeben werden, weil wegen Corona viele Orden bisher nicht vergeben werden konnten. Er bat die Zünfte darum, bei ihren Zunftmeisterempfängen dafür genügend Zeit einzuplanen, um der Verleihung einen den Geehrten angemessenen und schönen Rahmen zu bieten.

Nach der namentlichen Vorstellung der neuen ZunftmeisterInnen präsentierte Schatzmeister Fridolin Aierstock der Versammlung seinen Kassenbericht, der mit einem dreistelligen Minusbetrag abschloss. Nachdem Kassenprüferin Claudia Burkhardtmayer dem Schatzmeister eine einwandfreie Kassenprüfung bescheinigt hatte, konnte Ehrennarr Michael „Moser“ Weinmann zur Entlastung des Präsidiums schreiten, der die versammelten Zünfte auch einstimmig folgten.

Einstimmig beschloss die Versammlung auch den von Aierstock präsentierten Haushaltsplan, ebenso wie die Erhöhung der Fahrtkostenzuschüsse, die zuvor schon in den Regionenversammlungen abgesegnet worden war. Ebenfalls ohne Probleme passierte die „Eingliederung der Büttel im ANR“ die Versammlung. Anlass zu Diskussionen gab der nächste Tagesordnungspunkt, der das „Hästragen ausserhalb der Fasnet“ regeln soll und der sich, wie es Andreas Heine ausdrückte als „nicht vergnügungsteuerpflichtig“ entpuppte. Die Fasnetszeit beginnt laut ANR-Statuten am Dreikönig und endet am Aschermittwoch. Ausserhalb dieser Zeit dürfen die Häser nur ohne Maske etwa bei Hochzeitsspalieren getragen werden. Heine verwies auf eine Regelung aus dem Jahre 1994. In solchen Fällen müsse das Präsidium informiert werden, „damit wir Bescheid wissen“.

Bei vielen Narrenzünften sei es schon lange Tradition, bei entsprechenden Anlässen wie Hochzeiten, Jubiläen etc. mit Maske Spalier zu stehen, argumentierten einige Sprecher und sagten dass sie daher der neuformulierten Regelung nicht zu stimmen könnten. Heine sagte dazu: „Glaubt ihr, dass die Geste dann weniger wert ist, wenn ihr ohne Häs da steht?“ Er sagte auch, dass die präzisierte Regelung „mit Augenmaß“ umgesetzt werde, und: „Ich respektiere eure Meinung.“ Die geheime Abstimmung ergab mit 48 Ja, 30 Nein und vier ungültigen Stimmen Zustimmung für die Regelung.

Auch bei der nächsten Abstimmung „Konsequenzen bei Zuwiderhandlungen und Verstöße“ erfuhr das Präsidium und Brauchtumswart Andreas Heine bei der Abstimmung Gegenwind. Acht Zünfte sprachen sich gegen den vierstufigen Maßnahmenkatalog aus. Mit einer Gegenstimme wurde das Ringtreffen 2025 nach Ulm vergeben, während die Konvente 2024 nach Reute (Frühjahr) und Reinstetten (Herbst) einstimmig vergeben wurden.

Höhepunkt der Konvente sind immer die Ehrungen. In diesem Jahr wurde die Vorgängerin von Heine als Brauchtumswart, Gabi Zanner (vormals Pfarrherr) von der Narrenzunft Ochsenhausen zur Ehrennärrin ernannt. Gemeinsam mit ihr wurde Rene Cadouot, Mitbegründer und langjähriger Zunftmeister der NZ Mostobst Ahausen von Präsident Markus Stark die Ehrennarrenkappe samt Urkunde verliehen. In seiner Laudatio auf Gabi Zanner hob er deren Kreativität und ihr großes Fachwissen bei der Beratung der Zünfte hervor. Unter ihrer Leitung wurden auch die Aufnahmekriterien für Neuaufnahmen in den ANR neugefasst.

Der gebürtige Franzose Rene Cadouot war viele Jahre Mitglied des Brauchtumsauschusses, wo er in dieser Funktion viele Zünfte beraten hat. Bei den Ringtreffen war er maßgeblich bei der Koordination der vielen Hexen bei der Rauhnacht beteiligt. Auf seine Initiative hin wurden auch die Ausflüge der ehemaligen ZunftmeisterInnen etabliert.

Zum Abschluss des Konvents hatten noch zwei Nachwuchsnarren der Gastgeberzunft Chadaloh ihren großen Auftritt. Annalena Wassner und Antonia Kohler stellten ihre Idee eines ANR Spieles vor, das demnächst „auf den Markt“ kommen soll.

 

Bericht und Bilder Ulrich Gresser

 

 

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halloRV

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