Bad Wurzach - Was lange währt wird endlich gut: Nachdem bereits vor zwei Jahren alles vorbereitet war, mussten die Verantwortlichen wegen Corona die Ausstellung auf unbestimmte Zeit verschieben. Nun laden die Werke von Pfarrer i. R. Otto Schmid und der pensionierten Finanzbeamtin Hannelore Schwarz endlich in der Kapelle des Leprosenhauses für die nächsten vier Wochen jeweils am Sonntagnachmittag zum Betrachten und inne halten ein.
Bernhard Maier, pensionierter Gymnasiallehrer und jetzt Vorsitzender des Leprosenhausvereines oblag es, die Gäste zu begrüßen, nachdem Martin Schad mit seiner Trompete für die musikalische Eröffnung der Ausstellung gesorgt hatte.
„Der Begriff Ikone ist ja vielschichtig: Neben der Bedeutung als Andachts- und Heiligenbild wird er auch in synonymer Bedeutung von Leitbild, Idol, Musterschüler oder Mythos gebraucht.“ In den Medien erscheine er derzeit häufig im Sinne von Idol etwa im Sport, der Mode- oder der Unterhaltungsbranche würden Personen, die von vielen Menschen als Vorbild bewundert werden als Ikone bezeichnet. „Was also mitschwingt ist die übergroße Wertschätzung, die Verehrung und – sieht man das nicht so positiv – als eine Art medialer Götzendienst an der Person.“ Womit man wieder bei der ursprünglichen Bedeutung von Bild, Abbild oder Urbild ankomme.
Maier freute sich, die beiden Künstler Pfarrer i. R. Otto Schmid und Amtsrätin i. R. Hannelore Schwarz, die beide in Kisslegg leben, persönlich begrüßen zu können, welche die rund 30 Ikonen, die jetzt ausgestellt werden, im Laufe der letzten 30 Jahre geschaffen haben.
Pfarrer Schmid stammt aus Unterschwarzach und wurde 1955 zum Priester geweiht. 11 Jahre wirkte er als Kaplan in Kisslegg ehe er 1969 die Pfarrei in Wolfegg bis zu seinem Ruhestand 2001 übernahm. Diesen verbrachte er in Bad Wurzach wo dann dann die Idee zu der Ausstellung reifte, nachdem er 1988 auf einer Reise zu den orthodoxen Klöstern rund um Moskau seine Begeisterung für Ikonen entdeckt hatte und er im Kloster Einsiedeln ab 1991 die Kunst des Ikonenschreibens erlernt hatte. Übrigens gemeinsam mit Hannelore Schwarz, die inzwischen 30 Kurse in Einsiedeln besucht hat. Gemeinsam mit dem Pfarrer hat sie die Orthodoxen Heiligenbilder geschaffen, die nun ausgestellt werden.
Großen Anteil an der Organisation der Ausstellung hatte auch Diakon Berndt Rosenthal, der in seinem Beitrag einiges zum Zustandekommen der Ausstellung beitragen konnte. Und schließlich durfte er auch Pater Stephan Horn begrüßen, der den Gästen – u.a Pfarrer Patrick Meschenmoser und die evangelische Pfarrerin Silke Kuczera – die Kunst der Ikonenmalerei bzw. des Ikonenschreibens aus theologischer und geschichtlicher Sicht nahebrachte.
Berndt Rosenthal ging in seinem Redebeitrag darauf ein wie er nach seiner Sieger Köder Ausstellung im Pius-Scheel-Haus vor 11 Jahren rasch der Gedanke aufkam das Thema Ikonen einmal für eine Ausstellung aufzugreifen, nicht zuletzt nachdem ihm Pfarrer Schmid von seinen Urlaubsaktivitäten, den Kursen in Ikonenschreiberei in Einsiedeln erzählt hatte. Nach Sichtung des Bestandes kam Auch die Idee für den „Ausstellungskatalog“ , ein kleines Büchlein mit den Abbildungen der nun ausgestellten Werke. „Ikonen zu schreiben, wie auch die Betrachtung, empfinde ich als einen ganz persönlichen Gottesdienst.“ Die Ausstellung ist gegliedert in sechs Teile: Die Fürbitte von Maria und Johannes der Täufer an Christus Pantokrator, die Verkündigung, das öffentliche Leben Jesu, Leiden und Sterben, die Auferstehung und Verherrlichung und die Heiligen.
Pater Stephan Horn SDS ging in seinem Vortrag auf diese „andere Welt“ derjenigen der Orthodoxie. Eine Welt, die gleichzeitig fremd aber auch anziehend erscheint und die er bereits als Kind während seiner Schulzeit am Salvatorkolleg kennen lernen durfte. „Diese Welt, die wir im Osten lokalisieren war im ersten Jahrtausend noch die Gleiche wie im Westen. Noch beim letzten ökumenischen Konzil in Nicäa 787 waren Ost und West noch vereint im Ringen um die rechte Art der Verehrung der Bilder gegen eine Bewegung von Bilderstürmern.“ Die Frage damals lautete, ob es nicht möglich sei, das alttestamentarische Verbot – sich von Gott ein Bild zu machen – auch noch für die Kirche Geltung habe.
Hätte man sich durch den Verzicht auf die Bilder nicht den Juden und den Muslimen annähern können? Die Antwort fiel anders aus: Durch die Menschwerdung des Sohnes Gottes kann dieser im Bild verehrt werden, nicht jedoch in der Weise der Anbetung, diese ist dem Herrn vorbehalten, aber in der Weise der Verehrung.
Damit gehöre die Welt der Ikonen nicht allein der Orthodoxie, sondern bis auf wenige Ausnahmen, der ganzen Christenheit. Die unterschiedlichen Ansichten über das Christusbild führten schließlich zum auseinanderdriften von Ost und West: Im Osten zeigt das Bild den Auferstandenen der zur Rechten Gottes sitzt, während im Westen sich seit dem Mittelalter die Ansicht von Bernhard von Clairvaux durchsetzte, das Bild des Gekreuzigten mit der mitleidenden Liebe Gottes zu zeigen.
Der Hauptgrund aber ist, dass im Osten das Malen und Schreiben Ikonen weniger von künstlerischer Eingebung als vielmehr von Tradition geprägt ist. Zugleich ist es ein geistliches Geschehen, das von Gebet und Fasten getragen werden muss, setzt also eine innere Haltung der Meditation und Verehrung gegenüber den Bildern Christi und der Heiligen voraus. „Dies lässt uns die Schönheit und geistliche Fruchtbarkeit des Malers einer Ikone erahnen, aber auch die innere Haltung, durch die sie uns bereichern kann.“
Nach einem weiteren Musikstück durch Martin Schad wurden rasch die Stühle entfernt und die zahlreichen Besucher nutzten die Möglichkeiten zur inneren Einkehr bei der Betrachtung der Ikonen, aber auch zum Gespräch mit den Künstlern und Organisatoren der Ausstellung.
Die weiteren Termine sind: Sonntag 11./18./25.09.2022, jeweils von 14-17:00
Uhr.
Bericht und Bilder Ulrich Gresser

