Bad Wurzach (Leserbrief) - Diese Überschrift ist ein Schlag ins Gesicht für jeden gläubigen Christen. Man könnte den Eindruck gewinnen, der Verfasser begrüßt diese Entwicklung. 70 % der über 65-Jähringen wurden nach eigenen Angaben religiös erzogen. Selbst in die Elternrolle gekommen, haben sie ihre Kinder nur noch zu weniger als 30 % im christlichen Glauben erzogen. Es bedarf keiner großen Untersuchungen, um zu erkennen, dass die nachfolgende Generation, trotz Religionsunterricht an den Schulen, fern vom Christentum erzogen wird. Ein Blick in die vorderen Bänke in den Kirchen während der Gottesdienste vor „Corona“ bestätigte dies.
70 Jahre Kommunismus in der Ukraine und in Russland konnten, ungeachtet aller Zwangsmaßnahmen, dort das Christentum nicht auslöschen. Bei einer Fahrt durch die Waldkarpaten war ich von den vielen gusseisernen orthodoxen Kreuzen auf den Friedhöfen und den vielen christlichen Symbolen in den Häusern überrascht. Wie Menschen trotz Nazi-Indoktrination Halt im Glauben suchten, erlebte ich in den Luftschutzkellern der Stadt Dessau, wenn in einer Bombennacht Tausende starben und ganze Stadtbezirke als rauchende Trümmer übrig blieben.
Mein Vater war mir ein Beispiel, dass sich die Treue zur Kirche lohnen kann. Er sollte in den Wolchow-Sümpfen östlich von Leningrad einen Spähtrupp führen. Kurz vor dem Start dieses Unternehmens kam der Befehl aus Berlin, er hätte sich sofort nach Berlin zu begeben, um seinen Kirchenaustritt zu unterschreiben. Mein Vater verweigerte diese Unterschrift. Sein kommandierender General hatte ihn zum Widerstand ermuntert: „Schodlok, bleiben Sie standhaft und lassen Sie sich von diesen Idioten nicht kleinkriegen. Wir werden den lieben Gott noch dringend brauchen.“ Von diesem Spähtrupp, den ein anderer führen musste, kam kein Mann zurück.
Ich hoffe, es muss erst kein Krieg oder Bürgerkrieg und keine furchtbare Notzeit über unser Volk hereinbrechen, bis unser Volk begreift, wo unsere kulturellen und religiösen Wurzeln sind und an wen wir uns in aller Bedrängnis wenden können.
Hans-Joachim Schodlok
Bad Wurzach

