Bad Wurzach - Es war eine denkwürdige Jahreshauptversammlung der Gesamtfeuerwehr Bad Wurzach in der Friedrich Schiedel Halle in Dietmanns: So gut wie Jeder der anwesenden Feuerwehrmänner aller Abteilungen war als Neuaufnahme, Beförderung, Ehrung oder Verabschiedung mindestens einmal vor dem Podium um die Glückwünsche von Kommandant Rolf Butscher, Bürgermeisterin Alexandra Scherer, dem stellvertretenden Kreisbrandmeister Norbert Fesseler und Michael Otto, dem Kreisverbandsvorsitzenden in Empfang zu nehmen.
Der Grund dafür: Weil wegen Corona die letzte Versammlung 2019 stattfand, gab es in allen Bereichen viel nachzuholen. Da Dietmanns bereits 2020 Gastgeber der Versammlung hätte sein sollen, habe man beschlossen den Rhythmus bei zubehalten, sagte Kommanndant Rolf Butscher, der sich auch sehr freute, das die Musikkapelle Dietmanns für einen angenehmen musikalischen Rahmen sorgte.
Um die Versammlung einigermaßen im zeitlichen Rahmen zu halten, hielt Rolf Butscher die Berichte aller Abteilungen sowie der Jugendfeuerwehr in geraffter Form selbst, galt es doch die Ereignisse der Jahre 2019 bis 2021 aufzuarbeiten.
Das Jahr 2019 begann mit einem Stromausfall bei der EDV der Stadt, wegen des vielen Schnees gab es viel Schneebruch zu beseitigen, zwei Gebäudeeinstürze wegen der hohen Schneelast, Dächer mussten abgeräumt werden, Schneelastmessungen durchgeführt werden. Im Sommer waren wegen Starkregens viele Keller vollgelaufen. Vom brennenden Mishaufen über den Brand eines Geräteschuppens, von der Tierrettung über die Personenrettung mit der Drehleiter, bis hin zum schweren Verkehrsunfall reichte die Qualität der 212 Einsätze die alle Abteilungen in diesem Jahr erledigten. Das Rüstzeug holten sich die Feuerwehrleute dabei bei 131 Proben und 25 Sonderproben.
Auch das Jahr 2020 begann wie das Vorjahr mit viel Schneebruch, durch den alle Abteilungen gefordert wurden, sogar ein umgeknickter 10 KV Strommast musste gesichert werden. Viele Brände, zum Teil Großbrände und ausgelöste Brandmeldeanlagen beschäftigten die Feuerwehren im ersten Coronajahr, aber auch mehrere Tier- und Personenrettungen. Besonders im Juni und Juli kam es zu mehreren Starkregeneinsätzen, bei denen in verschiedenen Ortschaften Keller überflutet wurden. Erschwert wurde die Arbeit der Wehren, die in diesem Jahr 187 Einsätze verzeichneten, weil wegen der Pandemie und der dadurch bedingeten Regelungen nur insgesamt 38 Proben abgehalten werden konnten.
Im Jahr 2021 musste die Feuerwehr im Januar einige Male wegen Schneebruch ausrücken, der Gefahrgutzug Allgäu, an dem Bad Wurzach beteiligt ist, wurde wegen reagierender Chemikalien in Kisslegg ebenso im März in Isny wegen einer ausgelaufenen Chemikalie eingreifen. Neben diversen Bränden – vom kleinen brennenden Reisighaufen bis zum Großbrand des ehemaligen Kioskes beim Freibad Bad Wurzach – und Personenrettungen bei Verkehrsunfällen, war das Starkregenereignis in Truilz, Unterschwarzach, Eggmannsried. Hauerz und Willis im Juni, der Einsatz des Jahres mit 34 Einsatzstellen in einer Nacht. Diesen Einsätzen fielen drei Fahrzeuge zum Opfer. Auch viele Ölspuren beschäftigten die Wehren in dem zweiten Pandemie Jahr. Im November fielen dann (fast) bundesweit auch noch die Notrufnummern 110 und 112 aus.
Insgesamt verzeichneten die 10 Abteilungen in diesem Jahr 191 Einsätze. Insgesamt gab es 164 Feuerwehrproben. Allerdings konnte anfangs nur in Kleingruppen mit 10 Personen, später mit 18 Personen geprobt werden.
Rolf Butscher ging in seiner Berichterstattung auch personelle und technische Veränderungen in den Abteilungen ein. 2019 wurde Florian Buck zum Arnacher Kommandant gewählt, Jens Weder zu dem in Seibranz. Im Mai wurde in Gospoldshofen das neue Fahrzeug der Gospoldshofener Wehr geweiht. Neben diverser Aus- und Weiterbildungen gab es auch Orientierungsfahrt, Zeltlager und Volleyballturnier für die Jugendfeuerwehr, und diverse kameradschaftliche Veranstaltungen.
Das Jahr 2020 brachte wegen Corona einige organisatorische Veränderungen: Die Fahrzeugbesatzungen wurden reduziert und eine Hygienekonzept erarbeitet.
Das neue Fahrzeug von Dietmanns wurde Ende Juni in Dienst gestellt, die Weihe fand im Oktober im kleinen Rahmen statt. Die Fortschreibung des Feuerwehrbedarfsplanes wurde im September begonnen.
2021 erhielt die Feuerwehr als Spende von Verallia einen Hygieneanhänger. Die Abteilung Ziegelbach baute im Dorfstadel in Ziegelbach ein Impfzentrum auf. Michael Merk wurde zum Kommandant der Abteilung Gospoldshofen gewählt, Alfons Riether als Kommandant in Eintürnen bestätigt, Helmut Wirth in Dietmanns und Klaus Schwarzkopf in Unterschwarzach. Am 12. August fand die Wahl zum Feuerwehrkommandanten unter strengen Hygienevorschriften statt. Rolf Butscher wurde in seinem Amt bestätigt, Frank Weishaupt (Komm. Hauerz) wurde zu seinem Stellvertreter gewählt.
Der Personalstand bei der Jugendfeuerwehr liegt seit 2019 bei konstant 50, davon jeweils 40 Jungs und 10 (plusminus 1) Mädchen. 2019 konnten die Jugendlichen noch am Kreiszeltlager teilnehmen und ihre Entenrennen am Stadtfest durchführen, erst 2021 dann beim Aktionstag in Tripsdrill wieder aktiv teilnehmen.
Zwischenzeitlich 2020 fanden online-Proben statt, 2021 dann wieder unter geltenden Hygienevorschriften in Präsenz. Dafür sprach Rolf Butscher für ihren Einsatz den Betreuern um Pascal Schmehl seinen ausdrücklichen Dank aus.
Kassier Martin Walter konnte der Versammlung wegen der beiden Corona-Jahre – insbesondere für die Kasse der Jugendfeuerwehr natürlich keine positiven Zahlen vermelden. Dennoch wurde er, nachdem Kassenprüfer Jürgen Hartmann ihm eine einwandfreie Kassenführung bescheinigt hatte, per einstimmiger Akklamation der anwesenden Feuerwehrfrauen und -männer entlastet.
Bürgermeisterin Alexandra Scherer sagte in ihrem Grußwort: „Der Schutz des Lebens, der Gesundheit und des Besitzes der Bürger ist eine Pflichtaufgabe. wir wissen ihren Einsatz dafür sehr zu schätzen.“ Die Feuerwehrmänner und -frauen seien dazu Tag und Nacht bereit. Und waren dies auch unter Corona-Bedingungen. Als sichtbares Zeichen dieser Wertschätzung nannte das Stadtoberhaupt, dass die Stadt dafür die Ausrüstung „auf Stand“ erhält, denn die Einsätze „hätten es in sich.“ „Lassen sie immer Vorsicht walten, um immer gesund von ihren Einsätzen zurück zu kommen.“
Michael Otto, der Kreisverbandsvorsitzende des Landkreises Ravensburg, sagte in seinem Grußwort, er habe vieles, in kurzweiliger Form Vorgebrachtes gehört. Das Beispiel Tierrettung zeige, dass von den Feuerwehrleuten immer alles menschenmögliche getan werde. „Da werde einem bewusst, was von den Frauen und Männern immer geleistet wird.“. Die Corona Zeit war und ist nach wie vor schwierig, weil es immer wieder größere Infektionen gibt. „Alle haben immer die Sicherheit aufrechterhalten. Sie mussten dafür Opfer bringen, sich auch im Privatleben zurückhalten.“ Die Feuerwehr brauche den kameradschaftlichen Teil, der in letzten Jahren nicht möglich war, um das Vertrauen ineinander zu erhalten.
Aus dem aktiven Dienst verabschiedet wurden von Kommandant Rolf Butscher und Bürgermeisterin Scherer Paul Mohr und Franz Netzer von der Abteilung Stadt, Andreas Bührer und Josef Kling von der Abteilung Arnach, Wolfgang Volk von der Abteilung Dietmanns, Josef Buchbinder aus Eintürnen, Karl Harscher und Karl Riedle von der Abteilung Gospoldshofen, aus Haidgau Paul Frick. Aus der Abteilung Hauerz Tobias Pletziger und Lisa Schiedel und aus Ziegelbach Löschmeister und Ortsvorsteher Alfons Reichle.
Eine besondere Verabschiedung wurde diejenige vom langjährigen stellvertretenden Kommandanten Wilfried Vonier, die wegen der corona-bedingten Ausfälle der Hauptversammlungen mit zwei Jahren Verspätung erfolgte.
Markus Erfurth, der seinen Posten als Gerätewart, den er viele Jahre ausgeübt hatte, zur Verfügung stellte, erhielt für seine Verdienste um die Instandhaltung der Ausrüstung einen Geschenkkorb.
Aufgrund ihrer besonderen Verdienste wurden Gerd Sonnenmoser aus der Abteilung Stadt und Hubert Völkel von der Abteilung Arnach zu Ehrenmitglieder ernann. Diesen Ernennungen hatte der Gemeinderat in nichtöffentlicher Sitzung zugestimmt.
Über die Neuaufnahmen, Beförderungen und Ehrungen durch den Verband (Ehrennadeln in Bronze, Silber und Gold) folgt ein zweiter Bericht.
Dicke Tüten mit legeren Polo-Hemden für Einsätze z.B. bei Bewirtungen, wie an diesem Abend in Dietmanns, wurden zum Abschluss an die Kommandanten zur Verteilung an ihre Leute übergeben.
Nachdenkliche Töne schlug Rolf Butscher zum Abschluss an: „Mein Dank geht an die Arbeitgeber unserer Feuerwehrleute. Wenn diese einmal nicht mehr mitmachen, wird es schwierig.“
Mit dem obligatorischen: „Gott zur Ehr – dem Nächsten zur Wehr!“ beendete der Kommandant den offiziellen Teil der diesjährigen Hauptversammlung der Gesamtfeuerwehr.
Bericht und Bilder Uli Gresser

