Bad Wurzach - Die Ausstellung die seit dem 27. Juli im Gewölbegang von Maria Rosengarten zu sehen ist, gehört in die Kategorie „Etwas ganz besonderes“, dieser Meinung war auch Bürgermeisterin Alexandra Scherer, die seitens der Stadt die Begrüßung der rund 40 Besucher bei der Vernissage der Ausstellung von Objekten und Skulpturen aus Flusssteinen von Dr. Dietmar Hawran, übernahm.
Dr. Siegfried Roth, der Leiter des Naturschutzzentrums und seit gut einem Jahr Nachfolger von Horst Weisser, erklärte bei seinen einführenden Worten, dass die Ausstellung genau in sein Fachgebiet falle, denn er habe bei seiner früheren Tätigkeit auf der Schwäbischen Alb „viel mit Steinen“ zu tun gehabt. Als Horst Weisser die Ausstellung Dr. Hawrans 2020 in Eriskirch gesehen habe, war er begeistert und habe er sofort gesagt: „Die wollen wir auch nach Bad Wurzach holen!“
Scherer wiederum sagte, „die 2. Welle“ zeige viele neue Ansichten von Steinen. Durch die Kombination von Steinen mit Metallschrott schaffe Dr. Hawran „Nachhaltigkeit in Reinform.“
Dr. Hawran sammelt seit den 1980er Jahren, als er als begeisterter Wildwasserfahrer wohlgeformte, kugelige Flusssteine aus vielen europäischen Flüssen sammelte, um damit seinen kleinen Altstadtgarten in Ravensburg zu dekorieren. Erst 2010 bearbeitete er erstmals – ohne Grundkenntnisse der Steinbildhauerei – mit einem völlig ungeeigneten Werkzeug einen dieser Steine. Was gründlich daneben ging: „Es entstand eine zirkuläre Bruchkerbe, die ich dann mit Blattgold versah.“ Dennoch war es für ihn buchstäblich ein Aufbruch in eine neue Welt. 2011 nahm er an mehreren Steinbildhauerkursen teil und schuf dabei seine ersten Skulpturen.
In der Ausstellung in Bad Wurzach lassen sich einzelne Schritte seines Schaffens ablesen: Die dekorativen mit gold- und Silberlinien verzierten Steine aus der Anfangszeit. Danach die bildhauerischen bearbeiteten „echten Skulpturen“ , dann die umgearbeiteten Flusssteine und schließlich die Kombinatsobjekte aus Metall und Stein.
„Zunächst hatte ich beim Sammeln der Flusssteine mit der perfekten Form Kugel bzw. Eiform begonnen. Der Titel der Ausstellung geht auf die Migration der Steine z.B. in einem Alpenfluss zurück. Aber auch in den von Gletschern geschaffenen Kiesvorräten in Oberschwaben finden sich viele solcher „Migranten“.
Beim Bearbeiten kam dann zunächst der Riss, danach die dekorative Umgestaltung mit ästhetischer Linienführung. Nach Dem Riss kam dann die Naht: Zuerst perfekt mit Kreuzstich, dann wild und mit alten Nägeln geklammert. Zuletzt auch aufgeschnitten und mit Reißverschlüssen versehen.
Dass in der Ausstellung auch inhaltliche Bezüge zur menschlichen Migration hergestellt werden liegt nahe: Die Geschichte der menschlichen Evolution ist eine Geschichte der Migration, wie etwa bei den Völkerwanderungen. „Seit es Menschen gibt, sind sie unterwegs. Die ausgestellten „Köpfe “ . Sie sind als Eckpfeiler der menschlichen Evolution gedacht. Homo calcis, homo senilis et fragilis, ein Clown, ein Zyklop, ein Bärenkopf und ein Kaspar. „Nicht zuletzt „der Schrei“ – ein Aufschrei über die Entwicklung unserer Erde.
Im Zentrum der Ausstellung stehen die Objekte, die sich mit den aktuellen Fragen der Menschen auseinandersetzen: Globalisierung und ihre Folgen, Artensterben und Klimawandel, denn aus diesen entstehen weitere Migrationsbewegungen, verursacht durch Versteppung und fortschreitende Wüsten wird es vermehrt Hungersnöte und Verarmung geben. Die Skulptur „Darf es ein bisschen weniger sein“ ist ein Aufruf zu mehr Bescheidenheit und überzeugt durch seine Ästhetik gleichermaßen wie durch seine klare Aussage, dass vegetarische Kost durchaus zur Bekämpfung des Klimawandels und von Migration beitragen kann.
Hawran selbst wird mit dieser Ausstellung, die 54 Objekte zählt, von denen rund 30 seit der Ausstellung von Eriskirch neu dazugekommen sind, seinen Teil beitragen: 20% der Erlöse der Verkäufe spendet er je zur Hälfte an Sea-Watch, die Organisation, die Flüchtlinge aus dem Mittelmeer rettet und an die Deutsche Umwelthilfe, „jenem trotzigen Homo sapiens, der uns immer wieder den Spiegel vor Augen hält.“
Für den beeindruckenden musikalischen Rahmen der Ausstellung sorgte der Multiinstrumentalist Andie Merk aus Kisslegg. Bei Valeska Ulmer und Sabrina Schiller den beiden Mitarbeitern des Naturschutzzentrums, die sich so stark engaiert hatten, die Ausstellung nach Bad Wurzach zu holen bedankte er sich mit einem Glas Honig aus seiner eigenen „Altstadtimkerei“.
Die Ausstellung kann zu den üblichen Öffnungszeiten von Moorextrem bis zum 03. Oktober besucht werden.
Bericht und Bilder Ulrich Gresser

