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Bad Wurzach - Bei der Veranstaltung „Bürgerbeteiligung am Verkehrskonzept für die Innenstadt von Bad Wurzach“ machten sich rund 30 Bürger – vom Abiturienten bis zum Rentner – Gedanken, wie man den Verkehr in der Innenstadt besser steuern kann.

Au der Basis einer Verkehrsuntersuchung aus dem Jahre 2018 erstellt die Stadt derzeit gemeinsam mit dem Büro Rapp Trans AG aus Freiburg ein Verkehrskonzept für die Innenstadt von Bad Wurzach. Anlass dafür ist der stetig zunehmende Auto- und Radlerverkehr, aber geänderte Erwartungen und Anforderungen, die vor allem Fußgänger an die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt stellen.

Wolfgang Wahl von der Rapp Trans AG stellte an diesem Nachmittag im Kursaal zunächst die Ziele des Konzeptes vor: Beseitigung bzw. Minimierung der Nutzungskonflikte, Erhöhung der städtebaulichen Attraktltvität, die Förderung neuer Mobilitätsformen und vor allem die räumliche Verlagerung von Durchgangs- und Zielverkehr.

Das Problem sei sehr vielschichtig, sagte Bürgermeisterin Alexandra Scherer in ihrer Begrüßung. Ein Verbesserungsbedarf sei auf jeden Fall vorhanden. „Wir möchten, dass die Verbesserungen von den Bürgern mitgetragen werden.“

Die Studie von 2018 hatte ergeben, dass von den 14.500 Fahrzeugkilometern 69% auf den Eigenverkehr und 31% auf den Durchgangsverkehr entfielen, dabei waren die Biberacher Straße mit 4.000 Fahrzeugen und die Marktstraße mit 3.200 Fahrzeugen pro Tag die am meisten befahrenen Straßen sind. Hierzu stellte Rapp Trans fest, dass Verlagerungspotentiale auf die Umgehungsstraßen vorhanden sind. Als positiven Faktor sieht das Büro an, Dass es dabei kaum zu Leistungsfähigkeitsdefiziten (=Stau´s) kam, außer im direkten Innenstadtbereich.

Mit den entsprechenden Maßnahmen könnte einiges auf die Umgehungsstraße B465 verlagert werden. Nach derzeitigen Berechnungen für das Jahr 2030 muss z.B. die Bundesstraße im Bereich Ravensburger Straße dann mit 12.000 Fahrzeuge am Tag stark befahren sein wird, herrscht zwischen der Einmündung Biberacher Straße und dem Kreisverkehr bei Verallia mit 2.500 Fahrzeugen vergleichsweise „Tote Hose“, sofern nichts geändert.

„Ich kenne keine Bundestraße, die wie die B465 auf der Harry-Wiegand-Straße so wenig befahren ist,“ kommentierte Wahl die Angewohnheit vieler Autofahrer – oft vom Navi geleitet – über die Biberacher Straße den Weg durch die Innenstadt zu nehmen.

Beim Erstellen des Verkehrskonzeptes wird zunächst eine Schwachstellenanalyse des Straßennetzes sowie eine Mängelanalyse des Rad- und Fußverkehrs gemacht. In Phase zwei werden die Ziele definiert, eine Straßennetzkonzeption und ein Konzept für den Rad- und Fußverkehr erstellt.

Ein wichtiger Punkt, der auch in der sich anschließenden Diskussion angesprochen wurde: Laut Analyse von Rapp Trans sind z.B. 50 km/h teilweise zu hoch, bei Kindergärten, Schulen und Heimen, empfiehlt Wahl Tempo 30, was im Falle der Grundschule bereits umgesetzt wurde. In diesem Zusammenhang auch wichtig: Die regelmäßigen Tempokontrollen.

Beim Fuß- und Radverkehr vermisst die Studie fehlende Querungshilfen, bemängelt zu schmale Gehwegbreiten und die mangelnde Barrierefreiheit. Im Radwegenetz der Innenstadt fehlen häufig Markierungen, oder die Anlagen sind zu schmal. Ein Mobilitätsmanagement sei nur sporadisch vorhanden.

Bei der Erarbeitung von Konzepten unterscheidet Rapp Trans zwischen fließendem und ruhendem Verkehr (das getrennt von dem jetzt zur Debatte stehenden Konzept erarbeitet werden soll). Zunächst sollen die Grundlagen für die Maßnahmen für den Straßenverkehr, den ÖPNV, den Radverkehr und den Aufenthalt bzw. Fußverkehr erarbeitet werden. Dabei sollen sichere, direktere und komfortablere Routen entstehen.

Anhand von drei Varianten zeigte Wolfgang Wahl die Möglichkeiten auf. Bei Variante eins zum Netzkonzept bliebe der Bestand erhalten, durch Verkehrsberuhigungsmaßnahmen es würden gäbe es Verlagerungen der Verkehrsschwerpunkte: Von der Ravensburger in die Leutkircher Straße, von der Memminger in die Vorstadtstraße. Es würde dabei keine Entlastung vom Durchgangsverkehr ergeben. Es wären weitere Maßnahmen erforderlich.

Anders bei Variante zwei: Durch Verkehrsberuhigung auf den örtlichen Einfahrtsstraßen und im Bereich der Herren- und Gartenstraße und Tempo 30 auf der Kirchbühl-, der Vorstadtstraße und dem Klosterweg könnte der Durchgangsverkehr zurückgedrängt und rund 2.500 Fahrzeuge auf die B465 verlagert werden.

Bei Variante drei, der sogenannten „shared space“ Variante könnte z.B. in der Herrenstraße mit Tempo 10 erreicht werden, dass alle Verkehrsteilnehmer annähernd die gleichen Möglichkeiten haben. Voraussetzungen dafür sind Verkehrsberuhigung auf den örtlichen Einfahrtsstraßen und Tempo 30 auf der Kirchbühl-, der Vorstadtstraße und dem Klosterweg.

In der Wirkungsanalyse ergäbe sich zwar eine maximale Entlastung der Herrenstraße, dafür eine Mehrbelastung für Gartenstraße, Neue Straße und Leutkircher Straße, der Effekt der Verlagerung des Durchgangsverkehres auf die Umgehungsstraßen wären gering.

Beim Rad-und Fußverkehrskonzept formulierte Rapp Trans als Ziele: Jeder zweite weg selbstaktiv zu Fuß oder mit dem Rad zu machen, dafür erforderlich sind sichere und komfortable Wegeführungen und eine hohe Aufenthaltsqualität in der Innenstadt. Als Maßnahmen schlägt Das Konzept vor: zusätzliche Querungshilfen, Erneuerung der Markierungen, Lückenschluss bei Netzlücken, beidseitige Schutzstreifen auf Biberacher, Leutkircher und Memminger Straße sowie Tempo 30 auf den genannten Einfallsstraßen.

An den Schautafeln konnten die Bürger dann ihre Ideen und Vorschläge kundtun, die von Rapp Trans und der Verwaltung gesammelt und aufbereitet werden, um sie später dem Gemeinderat zur Beratung vorzulegen.

Bei der sich anschließenden etwa einstündigen Diskussion wurde von den Bürgern Vorschläge zu verschiedensten Themen gemacht. Bürgermeisterin Scherer wies daraufhin, dass diese Vorschläge kommentarlos gesammelt und dokumentiert und analysiert würden, um sie dann in die Konzeption mit einzubinden.

Von Reinhold Mall kamen Vorschläge etwa zum Lückenschluss bei den Radwegen etwa an Kirchbühlstraße bei Hallenbad und Kurhaus. Aber auch, dass man eine Fußgängerzone vermisst. Den Vorschlag, zur effektiven Verkehrsberuhigung Schweller einzubauen, hält Wolfgang Wahl aus Lärmschutz-Gründen für problematisch.

Die Verlegung des zentralen Busbahnhofes vom Salvatorkolleg ins Schulzentrum hält Busunternehmer Stefan Ehrmann für nicht zielführend, da er damit zu sehr aus dem Ortskern herausgelöst werde, was für ältere Passagiere nicht zumutbar sei. Ebenso verteidigte er die Andienung der Haltestellen durch die Stadt, weil manche nur so angefahren werden können.

Der Unternehmer Richard Volk bemängelte die mangelnde Tempo-Kontrolle: „Nach Feierabend (der Polizei) ist den Rasern das Tempolimit egal!“  Iris Metzler, wohnt in der Bürgerstraße, die ebenfalls bereits viel Verkehr aufweist, plädiert für die Einrichtung einer Fußgängerzone: „Während des Flohmarktes vor ein paar Wochen herrschte eine sehr schöne Atmosphäre.“

Die HGV-Vorsitzende Christiane Vincon-Westermayer sieht die angebotenen Variationen bei den Navis „die kürzeste Route“ oder „die schnellste Route“ als problematisch an. Klaus Michelberger bat bei den Diskussionen um Fußgängerzonen und Verkehrsberuhigung darum, auch die Interessen des Handels im Blick zu behalten. Klaus Schütt sieht bei einer Fußgängerzone das Problem, „dass die Leute dann überall durchfahren.“

Constantin Wegmann sprach die Stoßzeiten der Elterntaxis an, während denen es kaum möglich sei die Straße zu überqueren. Gisela Brodd, die lange Jahre als Elternbeiratsvorsitzende in vielen Gemeinderatssitzungen das Problem angesprochen hatte. Durch entsprechende Maßnahmen könnten die Elterntaxis überflüssig werden, wenn Wege und Radwege mehr Sicherheit auf den Schulweg bringen würden.

Norbert Fesseler bemängelte die Parkmoral vor allem am Wochenende im Bereich der Bäckerei Schumacher: „Die Brunnengasse ist eine öffentlicher Straße die da regelmäßig zugeparkt wird.“

Angesprochen wurden ebenfalls fehlende Radwege, die eine nahtlose Durchquerung der Stadt von Ost nach West erlaubten, Schülerradwege die Abseits der Hauptstraßen verliefen. Auch die Schaffung von Radparkplätzen sei im Zuge eines neuen Mobilitätskonzeptes erforderlich. Im Innenstadtbereich wurden die fehlenden Querungshilfen bzw. Zebrastreifen für den Fußgängerverkehr bemängelt: „Senioren mit Rollator und Kinder haben da kaum eine Chance – trotz Tempo 20 – über die Straße zu kommen.

Die Bürgermeisterin kommentierte diese Forderung so: „Um Querungshilfen einzurichten, müssen rechtliche Bedingungen etwa eine bestimmte Anzahl Fußgängerbewegung pro Stunde erfüllt sein.“ Ein weiteres Ärgernis sind die Engstellen der Gehwege bei Geschäften und Gastronomie.

Nun liegt es an der Verwaltung und dem Büro Rapp Trans aus den Vorschlägen der Bürger und Interessensgruppen für das Verkehrskonzept die richtigen Schlüsse zu ziehen. Erste Vorschläge sollen nach der Sommerpause dem Gemeinderat vorgelegt werden.

 

Bericht und Bilder Ulrich Gresser

 

 

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halloRV

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