Bad Wurzach - Am Freitagvormittag war es soweit, die Mooreichen-Skulpur „Großer Moorpylon mit dem Quadrat“ aus dem Jahr 2019 des Künstlers Reiner Anwander wurde auf dem Klosterplatz vor dem Ausstellungsort in Moor-Extrem angeliefert.
Um das 2,30 Meter hohe Kunstwerk , das schon an vielen Orten ausgestellt wurde – etwa bei den Classic Cars in Baden-Baden oder im Rathausfoyer von Allshausen – an seinen Bestimmungsort in der Ausstellung Moor-Extrem des Naturschutzzentrum Wurzacher Ried wurde Franz Merk aus Gospoldshofen mit seinem Frontlader Traktor einiges an Feingefühl abverlangt, um die rund 600 kg schwere Skulptur vom Transportanhänger abzuladen und auf das Rollbrett zu setzen.
Der gebürtige Backnanger Reiner Anwander studierte an der Freien Kunstschule Stuttgart, von 1978 bis 1984 an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, ist seit 1988 als freischaffender Künstler tätig. Er lebt seit 2003 in Oberschwaben, seit 2021 in Altshausen und in Aulla bei Carrara in Italien.
Von seiner Kreativität zeugen zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen in ganz Baden-Württemberg – vor allem aber in Oberschwaben – während der letzten 25 Jahre. Seine Werke stehen z.T. im öffentlichen Raum, z.T. sind sie bereits Teil diverser Kunstsammlungen in Deutschland, aber auch in seiner Wahlheimat Italien.
Das Kunstwerk „Großer Moorpylon mit dem Quadrat“, das bisher im Glasfoyer des Rathauses in Altshausen zu sehen war und auf Vermittlung von Dr. Maximilian Eiden, Kulturamtsleiter des Landkreises Ravensburg, nun als Leihgabe in der Ausstellung Moor-Extrem des Naturschutzzentrums Wurzacher Ried zu sehen ist, zeigt beispielhaft, wie ein Stück Mooreiche zu einem Kunstwerk transformiert wurde.
Das Werk entstand 2019. Das Materialstück, aus dem der Künstler das Werk „geformt“ hat, hatte ein Landwirt in Altshausen-Stuben beim Pflügen aus seinem Acker gezogen und an Anwander verkauft. „Die vom Material vorgegebene Form ist ein Segment aus dem äußeren Teil eines mächtigen Stammes, der Rest ist im Moor verloren gegangen,“ erklärt Anwander zu seinem Werkstück, dessen Alter unbekannt ist, da es nicht dendrochronologisch untersucht wurde. „Die vom Wasser in der Reaktion mit der Gerbsäure des Holzes bewirkte natürliche Schwärzung gefällt mir sehr. Mooreiche ist ein sehr besonderes Material, Symbol für Vergänglichkeit und gleichzeitig Dauerhaftigkeit, es zeigt den Kreislauf der Natur.
Eine Mooreichenskulptur muss im Innenraum aufgestellt werden, im Freien würde die Oberfläche anwittern und grau werden, “ erklärt Anwander, warum die Skulptur in der Ausstellung und nicht z.B. auf dem Klosterplatz aufgestellt wird.
Es reiche natürlich nicht, das gereinigte Materialstück einfach so aufzustellen, erst durch die Transformation des gestalterischen Eingreifens werde es zum Kunstwerk. Der Schwung der mit dem Quadrat noch gesteigerten „Energiebahn“ gebe der Skulptur die Spannung. „Die von unten nach oben durchlaufende „Energiebahn“ ist ein Symbol des Fließens. Das Quadrat (Zitat nach Malewitsch) bezeichnet ein Zentrum und dient als Blickfang.“
Da Anwander in letzter Zeit gerne mit Mooreiche arbeitet, können sich er und der Leiter des Naturschutzzentrums, Dr. Siegfried Roth, sehr gut vorstellen dass es demnächst im Gewölbekeller, dem Ausstellungsraum für die Wechselausstellungen des Naturschutzzentrums eine größere Werkschau des Künstlers geben könnte.
Die Skulpur „Großer Moorpylon mit dem Quadrat“ ist als Vorgeschmack darauf zu den üblichen Öffnungszeiten der Moor-Extrem Ausstellung zu sehen.
Bericht und Bilder Ulrich Gresser

