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Bad Wurzach - +++ Partnerschaftsaktivitäten steht in diesem Jahr im Zeichen der Internierung vor 80 Jahren +++ Gemeinwesensarbeiterin Susanne Baur berichtet von vielfältigen Aktionen von Herz und Gemüt und angeboten der Lebensräume+++

TOP 1: Bericht der Bürgemeisterin

Bürgermeisterin Alexandra Scherer berichtete, sie habe sich sehr gefreut , dass der Luxeuiler Bürgermeister Frederic Burghard den Blutritt besucht hatte.

Des weiteren berichtete sie davon, dass die Landesverbände den Städten und Gemeinden empfehlen die Gebührenordnung für Betreuungsangebote anzugleichen. Damit werden diese für das kommende Kindergartenjahr 2022/23 um 3,9% steigen. Die Eltern würden darüber informiert.

TOP 2: Genehmigung des Protokolls der letzten öffentlichen Sitzung

Es wurden keine Einwände erhoben

TOP 3: Partnerschaftsverein Bad Wurzach – Bericht über die Aktivitäten des Vereines

Ulrika Stützle, die Vorsitzende des Vereines, erläuterte zunächst die Struktur des Vereines, der rund 200 Mitglieder zählt. Die Arbeit werde in die jeweiligen Kommitees nach Partnerstädten aufgeteilt. Die Verträge wurden zwischen den Städten geschlossen, die Beziehungen zwischen den Partnern werden von den Mitgliedern, die dafür oft viel Zeit aufwenden, gepflegt. Aktivitäten des Vereines sind z.B. die Organisation von Schüleraustauschen, aber auch die Renovation der auf die Partnerschaften hinweisenden Ortseingangstafeln. Dabei unterstützt werde der Verein vertrauensvoll von der Stadt unterstützt.

Die älteste Partnerschaft ist die 1988 mit Luxeuil-les-bains in Frankreich geschlossene Partnerschaft. Die Stadt weist viele Parallelen zu Bad Wurzach auf: Sie ist ebenfalls eine Kurstadt mit Thermalquelle, die in Luxeuil sogar auf die Römer zurückgeht. Derzeit wird in dort ebenfalls ein Schwimmbad gebaut.
In diesem Jahr gab es und gibt es bereits mehrere Aktivtäten. Im Mai war ein Jugendfußballturnier in Luxeuil, zum Heiligblutfest besuchte der Luxeuiler Bürgermeister Bad Wurzach. Am 14. Juli, dem französischen Nationalfeiertag wird es wieder auf dem Klosterplatz zu Ehren der frz. Freunde ein Picknick in Weiß geben. Das Salvatorkolleg machte bis 2019 regelmäßig Schüleraustauche, die wegen Corona in den letzten beiden Jahren nicht stattfinden konnten.

Im Jahre 2000 wurde die Partnerschaft mit der englischen Stadt Wallingford geschlossen, die 1155 die Stadtrechte erhalten hatte. Diese hatte schon zuvor eine Städtepartnerschaft mit Luxeuil geschlossen. Damit wurde durch die gemeinsamen Partnerstädte eine Ringpartnerschaft der drei. Bis Corona gab es in jedem Jahr sehr gute Schüleraustausche, die auf Bad Wurzacher Seite vom Salvatorkolleg forciert wurden. In diesem Jahr soll erstmals nach Corona wieder ein Austausch stattfinden.

Die Partnerschaft mit Popielow in Polen, die ebenfalls im Jahre 2000 geschlossen wurde, wurde und wird vor allem aus Feuerwehrkontakten aber inzwischen auch über die Wandervereine beider Städte gespeist. Die Stadt hat mit vielen Ortschaften und Wohnplätzen eine ähnliche Struktur wie Bad Wurzach, auch flächenmäßig ist sie mit ihren rund 170 Quadratkilometern fast gleichgroß. Die Realschule Bad Wurzach unterhielt mit einer Gemeinschaftsschule regelmäßige Schüleraustausche. Ebenfalls bekommt der Partnerschaftsverein regelmäßig Einladungen, zum Erntedankfest.  Da die Partnerstadt nicht weit von der Grenze zur nördlichen Ukraine liegt, kamen dort kurz nach Ausbruch des Krieges viele Flüchtlinge, vor allem Frauen und Kinder, an. Das zugunsten dieser Flüchtlinge in Popielow eingerichtete Spendenkonto erbrachte durch kleinere und größere Aktionen Spenden in einer Höhe von 47.000 €.

Die Kommiteevorsitzende Gisela Rothenhäusler berichtete von der Partnerschaft mit St. Helier auf Jersey: „Es ist zwar unsere jüngste Partnerschaft aber diejenige mit der längsten Geschichte und damit etwas ganz Besonderes.“ Von 1942 bis 1945 waren im Wurzacher Schloss mehr als 600 Menschen interniert, die von der Kanalinsel Jersey willkürlich und auf persönlichen Befehl Hitlers hin deportiert worden waren. Am 28.April 1945 wurden sie durch französche Truppen befreit. seit dem Ende des Krieges kümmerte sich die Stadt um die Kreigsgräber und damit auch um die Gräber der Internierten, die hier verstorben sind, darunter mehrer Kinder. „Und die Gräber werden bis heute gut gepflegt, dafür ein großes Kompliment an den Bauhof.“ Es waren ehemalige Internierte, die in den ersten Jahrzehnten nach dem Krieg zurückkamen, diese Gräber besuchten und ihren Familien zeigten, wo sie interniert waren. Diese ehemaligen Internierten waren es auch die dann an alten Kontakte anknüpften, so dass es in den 70er Jahren schon erste Anregungen zu einer Städtepartnerschaft gab, zu der man in Wurzach durchaus bereit gewesen wäre. Jersey jedoch noch nicht: ein erster Antrag in der Gemeindeversammlung von St. Helier wurde 1973 zurückgezogen, um eine aufgeregte Debatte zu vermeiden. Die deutsche Wehrmacht hatte die Kanalinseln fünf Jahre besetzt, die Menschen auf Jersey hatten in dieser Zeit gänzlich andere Erfahrungen mit „den Deutschen“ gemacht als die ehemaligen Internierten in Wurzach, die hier viel Freundlichkeit und Menschlichkeit von den Wurzachern erfuhren. Immer wieder wurden diese Versuche auf Jersey abgeblockt, so dass sich Kontakte über Jahrzehnte nur auf die informelle Ebene beschränkten. Ausnahme: Einzelkämpfer Hermann Bilgeri, der viele Jahre Schülersaustausche organisierte. Der Durchbruch kam 2002 als der damalige Bailiff Sir Philip Bailhache den damaligen Bürgermeister Morczinietz und seine Frau eingeladen hatte und bei den Feierlichkeiten zum Liberation Day am 9. Mai den Wurzacher Bürgermeister auf Deutsch begrüßte. damalige Bailiff Sir Philip Bailhache Herr Morczinietz und Frau eingeladen hatte und bei den Feierlichkeiten zum Liberation Day am 9. Mai den Wurzacher Bürgermeister auf Deutsch begrüßte. Das schlug tatsächlich hohe Wellen und war ein hochpolitischer Schritt, aber der Stein kam ins Rollen, so dass Ende Juli 2002 der neugewählte Bürgermeister Bürkle die Partnerschaftsurkunde unterzeichnen konnte. Als großes Problem für die Kontakte stellte sich die Entfernung – 1150 km bis St. Malo mit dem Auto – danach mit der Fähre (1xmal am Tag) auf die Insel. Direktflüge gibt es nur im Sommer, ansonsten München-London, von dort nach Jersey, also sehr umständlich, bei einer Reise dorthin sind es alleine zwei Reisetage. „Dies schreckt damit leider viele Interessierte ab und macht uns die Arbeit im Komitee schwer, verursacht natürlich auch private Kosten. „Momentan hat die Partnerschaft zwei wesentliche Standbeine: die ehemaligen Internierten und der Rückblick auf den Krieg und das Jugendtheater des Jersey Arts Centre unter der Leitung von Daniel Austin.“ Vor allem zu den runden Geburtstagen des Kriegsendes kamen große Besuchergruppen aus Jersey, mit großer Medienbegleitung. Zum 60. Jahrestag 2005 war, in Anwesenheit von Queen und Prince Philipp, war eine Delegation aus Bad Wurzach mit einer Gruppe Schüler angereist, die zusammen mit ehemaligen Internierten bei der Hauptfeierlichkeit mit der Königin ein Sprechtheater über das Internierungslager im Wurzacher Schloss aufführten.  Corona machte 2020 den Besuch einer Gruppe zum Jahrestag der Befreiung des Lagers am 28. April unmöglich, ebenso wie den Besuch junger Musiker aus Seibranz zur Battle of flowers auf der Insel oder den des Youththeatre in Bad Wurzach. Dennoch gab es ein großes Medienecho, weil das Jersey-Kommitee mit einer Rosenzeremonie an den Gräbern den Internierten gedachte. Im Juni diesen Jahres konnte Bürgermeisterin Scherer erstmals Jersey besuchen, Anlass war das 70jährige Thronjubiläum der Queen. Die Bürgermeisterin legte an dem Ort einen Kranz nieder, von dem aus im September 1942 1.200 Menschen aus Jersey deportiert wurden und auf Schiffe verladen wurden. Im Rahmen dieser Feierlichkeit hatte Scherer die Gelegenheit, von ehemaligen Internierten zu erfahren, wie sie als Kinder diese Vorgänge erlebt hatten. Im September wird es wieder Besuch von der Insel geben: der 80. Jahrestag der Deportation steht an. Begleitend zum Besuchsprogramm mit Gedenkveranstaltung auf dem Friedhof– am Spätnachmittag des 15. September– wird es auch in Maria Rosengarten eine Ausstellung mit Bildern geben, die Internierte in der Zeit ihrer Gefangenschaft gemalt und gezeichnet haben. Bürgermeisterin Scherer berichtete im Anschluss von ihren sehr berührenden Begegnungen mit Internierten, die willkürlich ausgesucht wurden. Etwa das 8monate alte Kind, das weil es ihre Eltern nicht zurücklassen wollten, seine ersten Lebensjahre in Bad Wurzach verbrachte.

TOP 5: Jahresrückblick 2021 der "Aktion Herz und Gemüt" und der "Lebensräume für Jung und Alt"

Susanne Baur begann ihren Jahresbericht zur „Aktion Herz und Gemüt“ mit einem statistischen Überblick: Im 12. Jahr hat die Aktion mit Arnach und Dietmanns 87 Ehrenamtliche, gemeinsam mit den Netzwerkpartners sind es 120 Personen, die für die Aktion fleissig tätig sind. 2021 wurde trotz der vielen Einschränkungen vieles angestoßen: Osterbriefaktion, Weihnachtsbriefaktion, aber auch praktische Hilfe wie „Helft mir, ich komme mit der Impfanmeldung nicht klar!“ Alt und Jung vereint wurden beim Briefpatenschaftprojekt an dem sich 25 Schüler beteiligten und das beim MitmachAward des Diakonischen Werkes Baden-Württemberg mit dem 3.Preis ausgezeichnet wurde. „Ganz spannend war es, als sich bei einem gemeinsamen Fest die Schüler mit ihren Paten erstmals persönlich treffen konnten,“ berichtete Susanne Baur. Neben Fasnetsbeutelaktion und Nikolausaktion, welche die liebgewonnenen Begegnungsnachmittage und Besuchskontakte ersetzten. Zwischen Frühsommer und Oktober konnten dann doch noch vier Ausflüge und 13 Begegnungsnachmittage durchführen. In acht Austausch- und Planungstreffen konnten die Ehrenamtlichen die Organisation der Aktionen besprechen. Beim Neubürgerempfang war Herz und Gemüt selbstverständlich auch präsent um über ehrenamtliches Engagement und Vereinsarbeit zu informieren.

Am Ende ihres Berichtes dankte sie den Ortsvorsteherinnen und Ortsvorsteher für die gute Zusammenarbeit.

Auch ihren zweiten Bericht über die Gemeinwesensarbeit in den Lebensräumen für Jung und Alt begann sie mit Statistischen Informationen. Das Durchschnittsalter der Bewohner beträgt 64 Jahre, die Altersschwerpunkte liegen zwischen 70- 79 und 80-89 Jahre, die Mehrzahl der Bewohner im Alter sind weiblich. 2021 gab es vier Neuvermietungen, weiche, weil die Interessenten gut ins Wohnkonzept passten, nahtlos vonstatten gingen. Das interne Wohnanlagensystem mit Gemeinwesensarbeit, Nachbarschaftshilfe, sorgsamer Nachbarschaft und vielem mehr funktionierte sehr gut. Die Angebote und Arbeit der externen Gemeinwesensarbeit sind vielfältig und werden ehrenamtlich von Bewohnern und solchen aus der Stadt getragen und ebenso von Bewohnern und Menschen aus der Stadt genutzt. Dazu zählen Mittagstisch, Begegnungscafe, Sitzgymnastik, kreative Hohstube, „Fröhlicher Nachmittag“ das Entlastungsangebot für pflegende Angehörige und viele andere. Dies sind offene Angebote, die auch so genutzt werden. Des weiteren gab es im vergangenen Jahr Impfpatenschaften, der Weihnachtswunschbaum, Teilhabeprojekte mit St. Hedwig, das Osterprojekt mit der Kurseelsorge. Die Zusammenarbeit mit dem Stadtseniorenrat war sehr eng, in diesem Jahr war dort die Neubesetzung und -ausrichtung das große Thema. Der wiedereröffnete Seniorentreff im Wachhäusle war erfolgreich gestartet, die Ehrenamtlichen dort suchen noch Verstärkung. Mit der Nachbarschaftshilfe „Miteinander -Füreinander“ arbeitet Susanne Baur eng zusammen, ebenso wie mit den Kirchengemeinden und dem Pflegestützpunkt des Landkreises mit Sandra Göttel. Mit einem Einblick in die Themen die in Fachkreisen diskutiert werden: Wohnen im Alter bzw. Älter werden in der Gemeinde, Quartiersarbeit, der Wandel im Ehrenamt, Kommunikation, Digitalisierung in der Arbeit mit Senioren, beendete sie ihren Bericht. Aber nicht ohne all denen zu danken, welche die Arbeit und Projekte mitttragen und unterstützen, den Ehrenamtlichen. Und nicht zuletzt Bürgermeisterin Scherer, der Stadtverwaltung den Gemeinderäten sowie den Trägern Stiftung Liebenau und Friedrich Schiedel Stiftung. Sibylle Allgaier war froh, dass Sie Frau Baur so viele Ideen und soviel Freude an die Ehrenamtlichen herantragen. Susanne Baur antwortet: „Soziale Arbeit lebt vom Austausch.“ Dazu lud sie die Gemeinderätinen und Gemeinderäte herzlich ein.

 

Bericht Ulrich Gresser

 

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halloRV

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