Bad Wurzach - Es wird vermutlich das letzte Sommerfest des Vereins landwirtschftlicher Fachbildung Bad Waldsee (kurz VLF Bad Waldsee) sein, das der Verein uter diesem Namen im Kurhaus Bad Wurzach durchführte, denn demnächst steht die Verschmelzung mit dem VLF Ravensburg an.
Ein wenig Wehmut schwang dann auch bei allen Beteiligten mit, standen doch die Verabschiedung einiger wichtiger Personen an, die den VLF lange geprägt haben.
Der VLF Bad Waldsee wurde im Jahre 1923 als Verein der ehemaligen Landwirtschaftsschüler der Landwirtschaftsschule Bad Waldsee gegründet. Wichtigste Aufgabe war und ist bis heute die berufsbezogene Erwachsenenbildung.
So werden eigenständig, zusammen mit anderen landwirtschaftlichen Organisationen und Vereinen oder dem Landwirtschaftsamt Vortragsveranstaltungen, Seminare und Bildungsfahrten, aber auch unterhaltende, kulturelle Veranstaltungen durchgeführt, um neben der beruflichen Weiterbildung auch das gemeinsame Erleben und das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Landwirtschaft zu fördern.
Bedingt durch den Strukturwandel (einzig verbliebene Fachschule im Landkreis ist die in Ravensburg) und um für die Herausforderungen der Zukunft gewappnet zu sein wird der VLF Bad Waldsee demnächst mit dem VLF Ravensburg und dem Meisterverband Ravensburg zum VLF Ravensburg-Waldsee fusionieren.
Auftakt des Festes bildete der Wortgottesdienst mit dem Bad Wurzacher Pastoralreferenten Michael Maier, der von einer Abordnung des Musikverein Ziegelbach musikalisch begleitet wurde, während vor dem Kurhaus mächtige Schlepper vorfuhren, um im rahmen des Festes das neueste landwirtschaftliche Gerät zu präsentieren.
Nach einer kurzen Umbaupause nahm dann die Bauernkapelle Oberschwaben unter der Leitung von Eugen Maucher auf der Bühne Platz. Die beiden Vorständinnen Conny Branz und Christine Dorn-Bohner begrüßten nach deren erstem Stück die Ehrengäste, wie etwa die Bad Wurzacher Bürgermeisterin Alexandra Scherer, in vertretung des Landrates den Leiter des Landwirtschaftamtes und Fachschulleiter Albrecht Siegel, den Vorsitzenden des Kreisbauernverbandes Franz Schönberger, den langjährigen Vorstand des VLF Leutkirch, Franz Krug oder Stefan Käppeler, den Vorsitzenden des Landesbezirksverbandes.
Auch ein gekröntes Haupt war unter den Gästen: Tamara Sauter, seit diesem März die Baden-Württembergische Erdbeerkönigin war gleich in mehrfacher Funktion dabei: Als Musikerin nahm sie auf der Bühne Platz und spielte bei der Bauernkapelle Querflöte, als Königin der süßen Früchte verteilte sie selbige an die Ehrengäste. Und nicht zu vergessen: Moderator und Entertainer Barny Bitterwolf, der sich gleich prächtig einführte: Der Schwäbische Gruß, „Grüß Gott ihr liaben Leit“ sei allumfassender als jedes Gendersternchen und schon immer seiner Zeit voraus gewesen und machte gleich klar, wie der Tag laufen sollte:„Freide heit, susch hosch morga a uagnehms geschdern!“
Bürgermeisterin Scherer eröffnete den Reigen der Grußworte. Sie stellte den Gästen die Stadt und ihre Struktur und Wirtschaft vor. Bad Wurzach sei aber nicht nur ein Wirtschaftstandort mit stabiler Wirtschaftskraft, sondern daneben ein Schul- und Gesundheitsstandort mit Deutschlands modernstem Moorbad.
Albrecht Siegel richtete die Grüße des Landrates aus und berichtete wie es zu der nun bald vollzogenen Fusion der Vereine von Ravensburg und Bad Waldsee kam.
Der Strukturwandel hatte die Beteiligten gezwungen sich Gedanken zu machen, von ehemals vier Schulen im Landkreis blieb am Ende eine übrig, und das obwohl im Landkreis 10% aller Baden Württembergischen Bauern leben und arbeiten.
Von ehemals 6 VVLF werden nach der Reform noch 2 übrig bleiben. Er bat darum, auch dem fusionierten Verein die Treue zu halten und Mitglied in dem neuen Verein VLF Ravensburg Bad Waldsee zu werden und dort eine neue Heimat zu finden.
Kreisobmann Franz Schönberger, der übrigens seine landwirtschaftlichen Grundkenntnisse sich als Azubi bei Hans Frick, dem langjährigen VLF Bad Waldsee Vorsitzenden aneignete, kritisierte die Rede von Ministerpräsident Kretschmann anlässlich des Festaktes zur Feier des Prädikates „Große Kreisstadt Bad Waldsee.“ der MP habe zwar viel über die oberschwäbische Landschaft geredet, aber die Landwirte als Landschaftspfleger mit keinem Wort erwähnt.
„Die Lebensmittelerzeuger stehen derzeit im Fokus.“ Wegen der Preissteigerungen, dem Preisdruck auch ausgelöst durch den Ukraine Krieg, seien die wirtschaftlichen Abhängigkeiten immer mehr offenbar geworden. „Die Landwirtschaft muss mehr in die Mitte der Gesellschaft rücken.“
Mit einem Trick – alle Grußwortredner blieben auf der Bühne – überrumpelte Bitterwolf diese und so machte er sie gleich zu einem Teil der Bühnenshow: Mit diversen Kuhglocken spielten sie nach seinem Dirigat die Melodie von Amazing Grace – und das nicht schlecht.
Branz und Dorn-Bohner nutzen das Sommerfest auch dazu, die langjährigen Geschäftsführer Walter Müllerschön (1983-2008) und Thomas Eib zu ehren und zu verabschieden.
Wenn Barny Bitterwolf nach Wurzach kommt, hat er stets seinen Piffel dabei und so war es auch beim VLF-Sommerfest. Ganz sicher klingt das Hirteninstrument, das er einst auf dem Deckengemälde der St. Verenakirche entdeckte und sofort nachbauen ließ bei ihm schöner als es in den Händen der Hirten jemals geklungen haben mag.
Stefan Käppeler, Vorsitzender des Landesbezirksverbandes hatte die große Ehre, Hans Frick für seine Verdienste um den VLF mit der goldenen Ehrennadel des Verbandes auszuzeichnen. In seiner Laudatio lobte er Frick, der bei den Sommerfesten immer etwas besonders gemacht habe und für jeden ein offenes Ohr gehabt habe.
Und auch Franz Schönberger konnte sich nur lobend über Frick äußern: „Er war ein super Ausbilder.“ Gerne erinnerte er sich auch an die familiäre Atmosphäre auf dem Frick-Hof“ zurück. Und weil Hans Frick noch immer ein leidenschaftlicher Musiker ist, durfte er sich einen Titel von der Bauerkapelle wünschen und mit seinem Tenorhorn selbst mitspielen.
Nach all den Ehrungen war dann zum Abschluss Entspannen angesagt: Mittagessen, Kaffee und Kuchen und dazu die musikalische Unterhaltung durch die Bauernkapelle. Und für die Kleinen stand eine Kinderbetreuung parat, so dass alle Beteiligten das Bad Wurzacher Fest in guter Erinnerung behalten können.
Bericht und Bilder Ulrich Gresser

