Bad Wurzach - Seit 250 Jahren wird die Heiligblutreliquie auf dem Gottesberg verehrt. Stadtpfarrer Stefan Maier nahm seine Festpredigt bei der diesjährigen Lichterprozession, die seit 1933 jeweils den Auftakt für das Heiligblutfest bildet, zum Anlass, das Erlebnis „Gottesberg und Heiligblutreliquie“ aus der Sichtweise eines Nicht -Einheimischen zu betrachten
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Nach nunmehr vier Jahren – zweimal war sie wegen schlechten Wetters in die Kirche verlegt worden und danach war Corona gekommen – konnten die Gläubigen erstmals wieder eine richtige Lichterprozession hinauf zum Gottesberg und zurück in die Stadt feiern, die damit einen schönen Auftakt in die Festwoche des Heilig-Blut-Festes bildete. „Schön war´s“ resümierte denn auch Pfarrer Stefan Maier kurz und knackig das jedes Jahr die Herzen höherschlagen lassende Erlebnis.
Soviele Gläubige wie seit vielen Jahren nicht mehr folgten am Sonnntagabend der Stadtkapelle und dem Kirchenchor hinauf zum Gottesberg, wo sich Pater Superior in seiner Begrüßung über den großen Zuspruch freute. „Es liegt etwas Leichtes über diesem Abend.“
Stefan Maier begann seine Predigt mit einer puzzleartigen Rückschau: Wie er vor 13 Jahren erstmals die Gottesbergkapelle betreten habe, das habe ihm den Atem genommen. Den kleinen Gottesdienstraum mit seiner großen übermächtigen Kreuzigungsgruppe über dem Altar. Dann die Namen: „Gottesberg“ ein Wallfahrtsort mitten in der Stadt, durch die ein kleines Flüsschen namens Jordan fliesst. In der Stadtpfarrkirche St. Verena steht die Bundeslade. „Wurzach ist eine Stadt mit Geschichte und Traditionen, die einem allenthalben entgegen kommen.“
Das Herausragendste sei jedoch die Heilig-Blut-Reliquie, die seit 1764 hier aufbewahrt wird. Dabei dürfe man nicht an der ansprechenden und wertvollen Reliquienmonstranz hängenbleiben oder beim Betrachten eines kleinen Stückchens blutgetränkten Stoffes. „Nur wenn ich hinter dieses Vordergründige, Gegenständliche blicken kann, wenn ich dahinter im Glauben die Liebe Gottes und das Geschenk unserer Erlösung erkennen kann, werde ich erahnen wie bedeutsam diese Reliquie ist: auf dieser Ebene, die so viel mit mir zu tun hat.
Diese Reliquie ist wie ein Kristallisationspunkt. Wie ein Diamant, der in allen Farben des Lebens funkelt und strahlt. Sie bricht das Licht unseres Lebens, unseres Alltags, unserer Sorgen und Krankheiten und lässt uns darin einen tiefen Sinn erahnen, eine Heimat und ein Angenommen-Sein. Eine Begegnung mit der Liebe Gottes, die soweit geht, am Kreuz für uns zu sterben. „Durch seine Wunden sind wir geheilt.“ „Seien wir dankbar für diesen wertvollen und besonderen Ort in unserer Stadt – der Gottesberg ist eine Stätte der Gnade.
Seien wir dankbar und verlernen wir nicht das Staunen darüber, dass wir bei uns eine Reliquie des kostbaren Blutes Jesu Christi aufbewahren dürfen, die uns einlädt immer wieder hierher zu kommen, sich in die Gegenwart des Herrn zustellen und bei ihm Trost, Ruhe und Frieden zu finden.“ Maier beendete seine Predigt mit einigen berührenden Zitaten einer Frau, welche mit dem wachen Blick aus der Ferne und dem wachen Blick des Glaubens und des Herzens ihre Eindrücke zu Lichterprozession und Heilig-Blut-Fest schilderte.
Nachdem Pfarrer Maier die Gläubigen zum ersten mal an diesem Abend mit der Reliquienmonstranz gesegnet hatte und diese ihre Kerzen entzündet hatten, trug er die Reliquie an der Spitze in einer wegen der großen Zahl an gläubigen beeindruckenden Prozession in die Stadt hinab. Am Marienbrunnen spendete Pfarrer Patrick Meschenmoser, der danach die Reliquie zurück in die St. Verena Kirche trug, den Segen. Für eine kurzen Augenblick verwandelten beim Aufbruch der Prozession die vielen Kerzenlichter den Platz um den Brunnen in ein Lichtermeer.
Zum Abschluss in St. Verena spielte die Stadtkapelle nach dem Schluss Segen und dem feierlichen „Großer Gott“ noch zwei weitere Stücke: Den irischen Segenswunsch „Möge die Straße uns zusammenführen“ und „Guten Abend, gute Nacht“ mit der Folge, dass die Kirche bis zum Verklingen des letzten Tones noch vollbesetzt blieb.
Bericht und Bilder Ulrich Gresser

