Bad Wurzach - Es war ein Herzenswunsch von Robert Häusle, zum Andenken an seinen im vergangenen Jahr verstorbenen Orgellehrer und Freund Pater Paulus Blum ein Orgelkonzert auf der Orgel in der Schlosskapelle zu geben, also auf jener Orgel die ihre Existenz dem großen Engagement seines Mentors zu verdanken hat.
Superior Pater Konrad Werder, freute sich zu dem Konzert rund 40 Besucher begrüßen zu können. Der 29. Juni sei für Pater Paulus sein Leben lang ein besonderer Tag gewesen: Geburtstag, Namenstag und Tag seiner Priesterweihe. „Daher ist dieser Tag in unmittelbarer Nähe zu Peter und Paul sehr gut gewählt.“
Die Spendeneinnahmen für das Konzert gingen an drei Kindergartenprojekte der Salvatorianerinnen in Tansania. Robert Häusle eröffnete das Konzert mit dem „Präludium und Fuge e-moll“ von des einer Schleswig-Holsteiner Musikerfamilie entstammenden Nicolaus Bruhns: Bruhns, der mit nur 31 Jahren 1697 in Husum verstarb, hinterließ trotz seiner weniger Lebensjahre ein großes Werk für Orgel.
Das Präludium e-moll ist zweifellos Bruhns´ eigenwilligstes Werk und besticht mit einer enormen Vielfältigkeit, die dem jungen Orgelschüler Robert Häusle damals bei dem privaten Orgelabend in Bad Schussenried noch nicht so bewusst war. Pater Paulus sorgte dann dafür, dass sein Meisterschüler diese durch intensive Beschäftigung mit Bruhns´ Werk erkennen konnte.
Ehe Robert Häusle sein Konzert fortsetzte mi Girolamo Frescobaldi´s „Aria detta la Frescobalda“ fortsetzte, eilte die Treppe von der Orgel hinunter in den Chorraum, um den Konzertbesuchern die Stückauswahl und ihre besondere Beziehung und Geschichte zu Pater Paulus zu erläutern. Das Frescobaldi Stück aus dem Frühbarock hatte Häusle bei einem Konzert des Kirchenchores auf dem Konzertflügel gespielt. Nun erfüllte er posthum den Wunsch von Paulus: „Das nächste mal spielst du es auf der Orgel!“ Das nächste Mal war nun an diesem 01.Juli 2022....
Paulus besuchte in den Sommerferien immer Sommerkurse zur Weiterbildung. Bei einem dieser Sommerkurse entflammte Pater Paulus auch für den Franzosen Louis-Nicolas Clerambault. „Suite de deuxieme Ton“ von Louis-Nicolas Clerambault gehört für Häusle weil die Orgel der Schlosskapelle so von Paulus so entworfen worden war, um französische und süddeutsche Meister darauf spielen zu können. Die „Toccata unadecima“ von Georg Muffat, eben einer dieser Meister gehört auch deswegen in dieses Konzert, weil Pater Paulus bereits in den 60er und 70er Jahren diese Meister der Barockzeit spielte, als deren Werke noch in tiefer Vergessenheit schlummerten.
Nicht fehlen durfte bei diesem Konzert ein Werk des wohl weltweit berühmtesten Komponisten für Orgelmusik. Mit dem „Präludium und Fuge es-Dur“ von Johann Sebastian Bach hat Häusle ein Stück ausgewählt, zu dem Paulus, der das Werk selbst oft, aber völlig anders als die anderen Organisten interpretiert hat, dem Komponisten im Himmel einige Fragen zu stellen gedachte.
Die Zugabe bei diesem Konzert, die Kantate „Ich steh´mit einem Fuß im Grabe“ war das wichtigste Musikstück, das sich Paulus für sein eigenes Requiem gewünscht hatte.
Bericht und Bilder Ulrich Gresser

