Bad Wurzach - Mehrmals im Jahr zieht die evangelische Kirchengemeinde Bad Wurzach zum Gottesdient in die Teilgemeinden der Stadt und feiert „Gottesdienst im Land“. Dafür hat sie zweierlei Gründe: zum einen möchte sie ihren Gemeindegliedern, die nicht so mobil sind, entgegen kommen; zum anderen lädt sie immer auch alle Bewohner des jeweiligen Ortes ein, egal welcher Konfession.
So geschehen wieder vergangenen Sonntag in Haidgau in der gut gefüllten St. Nikolaus-Kirche. Und es war ein besonderer Gottesdienst; zum einen, weil er musikalisch vom Posaunenchor der evangelischen Kirche unter der Leitung von Johannes Wirth gestaltet wurde - auch aufgrund der herrlichen Akustik der Kirche eine große Bereicherung -; zum anderen, weil wieder einmal im Gottesdienst getanzt wurde. Ganz und gar besonders war aber auch die Predigt von Pfarrerin Silke Kuczera, die eine Art Dialog mit Prädikantin Astrid Greshake führte, die in zeitgemäßer Sprache und mit schauspielerischem Talent Jona bei seinem zweiten Auftrag von Gott (Jona 3,1-10) verkörperte.
Dieser bestand darin, den Bewohnern von Ninive mitzuteilen, dass die Stadt aufgrund der unmoralischen Lebensweise in 40 Tagen zerstört werden würde. Jona war erstaunt, als sich daraufhin alle Menschen, auch der König, in Sack und Asche begaben, Buße taten, gar hungerten, weil sie hofften, dass Gott ihnen vergeben würde. Sie vertrauten auf Gottes Gnade und Barmherzigkeit – zurecht, denn Gott verschonte Ninive. Jona wiederum empfand dies als inkonsequent, dass Gott Reue zeigte. Aber, so Kuczera, „Gott ist nicht inkonsequent. Im Gegenteil: Gott ist konsequent in seiner Liebe für uns.“
Nach dem Gottesdienst, an dessen Ende sich Kuczera bei Mesnerin Heidi Steinhauser sowie beim Posaunenchor herzlich bedankte, gab es bei herrlichem Sonnenschein einen Sektempfang, bei dem die Tradition des Geburtstagsständchens wieder aufgenommen wurde: jeder, dessen Wiegenfest in die letzten Monate gefallen war, durfte sich vom Posaunenchor ein Lied aus dem Gesangbuch wünschen. Das Angebot wurde ausgiebig angenommen, egal welcher Konfession derjenige war. Gelebte Ökumene!
Patricia Gragnato

