Bad Wurzach - Am Freitag, 1. Juli, spielt der Meisterschüler von Pater Paulus Blum ab 19.00 Uhr ein besonderes Orgelkonzert zu Ehren seines vor gut einem Jahr verstorbenen Mentors, Kollegen und Freundes mit Werken, die eine besondere Beziehung zu diesem haben.
Robert Häusle, studierter Musiker, langjähriger Schulleiter der Gymnasien in Bad Wurzach und Bad Waldsee und derzeit Leiter des Kirchenchores von St. Verena lernte sein musikalisches Handwerk an der Orgel bei eben jenem Musikerpater von 1971 bis 1977 am Salvatorkolleg. Häusle verbindet zu allen Stücken für das Konzert eine besondere Beziehung zu Pater Paulus.
Schon den Termin des Konzertes hat er mit Bedacht ausgewählt: In unmittelbarer Nähe zu Peter und Paul am 29. Juni, gleichzeitig Geburtstag von Pater Paulus und Namenstag des Apostels, dessen Werk und Wirken er sich neben der Musik er sich lebenslang verbunden fühlte. Und auch seine Priesterweihe fand am 29. Juni 1965 an Peter und Paul statt.
Das erste Stück das Häusle bei seinem Konzert spielen wird, hat einen besonderen Hintergrund. Pater Paulus war zu einem privaten Orgelkonzert mit einem damals sehr bekannten Organisten aus Stuttgart in Bad Schussenried eingeladen und hatte ganz keck einfach seinen Orgelschüler Robert Häusle mitgenommen.
Bei der anschließenden Fragerunde, welches der gespielten Stücke am besten gefallen habe, hatte Häusle nicht wie die meisten Gäste dieses Stück „Präludium und Fuge e-moll“ von Bruhns genannt, mit entsprechenden Folgen: „In der Folge durfte ich mir die gesammelten Werke von Nicolaus Bruhns zulegen und fleißig rauf und runter üben.“ Und siehe da, bei näherer Beschäftigung mit dem Werk des Komponisten Bruhns habe er festgestellt, dass an ebenjenem Stück doch etwas Besonderes dran war.
Pater Paulus war ein besonderer Lehrer: Wenn andere in den Urlaub fuhren, besuchte er zur musikalischen Weiterbildung Sommerkurse unter anderem auch über Girolamo Frescobaldi. Allerdings fand er selbst im Spiel keinen richtigen Zugang zu dem italienischen Meister. Erst als Robert Häusle vor einigen Jahren bei einem Konzert mit dem Kirchenchor die „Aria detta la Frescobalda“ auf dem Konzertflügel gespielt hatte, äußerte der bereits betagte Pater Paulus seinen Wunsch: „Beim nächsten Konzert spielst Du es auf der Orgel!“
Bei einem dieser Sommerkurse entflammte Pater Paulus auch für den Franzosen Louis-Nicolas Clerambault. Auch zu diesem Stück „Suite de deuxieme Ton“ hat Häusle eine Geschichte parat. Nachdem die alte Schlosskirche mit seiner großen Orgel abgerissen worden war, setzte Paulus sich intensiv für eine neue Orgel in der dafür entstandenen Schlosskapelle ein, einer Orgel auf der neben den süddeutschen auch die französischen Meister wie Clerambault gespielt werden konnten.
Einer dieser süddeutschen Meister ist Georg Muffat und dessen „Toccata unadecima“ aus der Barockzeit, die Paulus bereits in den 60er und 70er Jahre schon spielte als diese in der Konzertwelt noch völlig unbekannt bzw. in Vergessenheit geraten waren. Das Stück ist auf die neue Orgel gemünzt, und auch Pater Paulus selbst habe es in seinen letzten Lebensjahren häufig gespielt.
Weil Robert Häusle in seiner Schülerzeit viel Bach spielte, durfte auch ein Bachstück „Präludium und Fuge es-Dur“ nicht fehlen. „Und auch Paulus hatte dieses Stück oft in seinem Konzertprogramm, aber er spielte es völlig anders als alle anderen Organisten,“ sagt Robert Häusle zu dem „ganz zentralen Stück im Werk von Johann Sebastian Bach.“
In seinen letzten Lebensjahren hat Pater Paulus ihm auch verraten: „Sollte ich in den Himmel kommen, habe ich da einige Fragen zum „Es-Dur“ an Herrn Bach.“ „Die Frage ist da eher ob der Protestant Bach ebenfalls dort angekommen ist, “ lacht Robert Häusle über das Bonmot von Pater Paulus. Als er das Stück beim Gottesdienst zum 80.Geburtstag von Paulus zum Auszug gespielt hatte, kam von diesem leise Kritik: Er habe es nicht bis zum Schluss hören können, weil er ja mit ausgezogen war. „Das will ich dann beim nächsten Konzert ganz hören.“ Das nächste Konzert wird das am 01. Juli sein....
Viele hochwertige Konzertreihen wie die Residenzkonzerte gingen auf seine Initiative zurück. Ebenso die Anschaffungen der Schlosskapellenorgel, auf der Robert Häusle konzertieren wird, und die neue Orgel auf dem Gottesberg. Und zu deren Finanzierung kam die Idee zu Orgelwochen und Orgelspaziergängen von Pater Paulus Blum.
Mit einem riesigen Aufwand hatte er auch die „Fiori musicali“ Konzerte quasi aus dem Boden gestampft, an deren Neuauflage sich seitdem niemand herangetraut hat.
Bericht und Bild Ulrich Gresser

