Bad Wurzach - Mit Evelyn Lang vom Polizeipräsidium Ravensburg konnte Klaus Schütt, der Sprecher des Leitungsteams Stadtseniorenrates bei dieser ersten Veranstaltung des neuformierten Gremiums, eine erfahrene Referentin den rund 70 Veranstaltungsbesuchern im Sitzungssaal von Maria Rosengarten – für ein leider nach wie vor höchstaktuelles Thema – vorstellen.
Die Veranstaltung war bereits für 2020 geplant gewesen. Gerne habe der neuformierte Stadtseniorenrat die Idee von Heinrich Stauß aufgenommen, sagte Klaus Schütt in seiner Begrüßung.
Die Referentin Evelyn Lang, die im Oktober 2020 vom Kriminaldienst in die Prävention gewechselt war, hatte in ihrer aktiven Zeit viele Erfahrungen in diesem Bereich gesammelt und teilweise bei den Verfahren mitbekommen, wie stark die Betroffenen Senioren traumatisiert waren. „Es ist für mich daher ein Herzenswunsch, aufzuklären, bevor Verbrechen geschehen können.“
Sie ging in ihrem Vortrag auf die Gefahren an der eigenen Haustüre, am Telefon, am PC und unterwegs in der Öffentlichkeit, ein. Beim Öffnen der Haustüre sollte man darauf achten, niemals Fremden Zutritt zu gewähren. Lang empfiehlt den Senioren, einen Sperrriegel mit Kette an der Türe anbringen zu lassen, so dass durch den Spalt Dokumente gereicht werden können. Wobei die Polizistin gleich mehrere Tipps parat hatte, anhand derer man deutlich erkennen kann, um wen es sich bei den Besuchern handelt: Versorgungsunternehmen rufen vorher an, ebenso Behörden etc.. „Seriöse Handwerker gehen nicht von Haus zu Haus, die haben genug zu tun.“
Falsche Feuerwehrleute, die angeben die Rauchmelder überprüfen zu wollen, sollten ebenfalls nicht ins Haus gelassen werden, denn dies sei Aufgabe des Hausbesitzers bzw. Vermieters. Sich auf jeden Fall den Ausweis zeigen lassen und diesen in Ruhe zu prüfen, notfalls zur Prüfung bei der Institution anrufen.
Ganz wichtig: Ruhe bewahren und keinen Stress aufkommen lassen, „denn mit Stress wird amn leichter zum Opfer.“
Lang empfiehlt den Senioren auch, sich eine Liste mit den wichtigsten Telefonnummern zu schreiben und bereit zu legen. Auch für Nachbarn nichts annehmen, unterschreiben, sofern dies nicht von diesen vorher angekündigt wurde.
Bei Betrügern sehr beliebt sind der Glas Wasser-Trick, wenn es dem Gegenüber angeblich übel geworden sei, der Papier und Stift Trick oder den Geschenk-Trick um sich Zutritt zur Wohnung zu verschaffen. Hier lieber den Notarzt rufen oder zum eigenen Schutz auch mal unhöflich sein, denn die schauspielerischen Qualitäten von Betrügern seien zum Teil sehr groß.
Die Bandbreite der Tricks am Telefon sei ebenfalls sehr groß: Deshalb sei es wichtig sich am Telefon nur mit Hallo zu melden, um zu verhindern, dass die Betrüger nähere Einzelheiten zur Person bekommen, oder sogar zu irgendwelchen Vertragsabschlüssen kommen. Lang wies auch auf den Widerspruch hin, bei Gewinnspielen, bei denen man nicht teilgenommen hatte, für die Gewinnausschüttung Geld bezahlen zu müssen. Sehr verwerflich sind auch der berüchtigte Enkeltrick, bei dem durch Zeitdruck versucht wird, Stress aufzubauen.
Hier wie bei den anderen gilt: Hörer auflegen, durchatmen und in ruhe die weiteren Schritte angehen. Etwa den betroffenen Verwandten oder jemanden ihm Nahestehenden anrufen, um sich zu vergewissern und auf sein Bauchgefühl hören. „Bitte scheuen sie sich nicht, den Betrugsversuch zur Anzeige zu bringen.“ „Die Polizei wird niemals Geld oder Wertsachen in Verwahrung nehmen,“ sagte Evelyn Lang zu dem zu trauriger Berühmtheit gelangten „Falsche Polizisten-Trick“.
Mit einem Fall, bei dem sich der Schaden auf eine Million Euro belief, schockte die Polizistin das Auditorium: Eine wohlhabende Frau hatte – unter Druck gesetzt und in Panik geraten – falschen Polizisten an einem Seil vom Balkon herab Geld und Wertsachen übergeben. „Wichtig: immer klar denken und sich nicht in Stress versetzen lassen.
Wenn auf dem Telefon die 110 erscheint, gar nicht erst dran gehen: Dies ist die Notrufnummer, die immer frei bleiben muss.“ Mit den sogenannten „Schockanrufen“, versuchen Betrüger als Rettungsdienst, Polizei oder Krankenhaus die Senioren derartig unter Druck zu setzen, dass diese geschockt sind und zu keinem klaren Gedanken fähig sind. Hier gilt ebenfalls: Niemals Geld an Unbekannte überweisen. Und vor allem, sich nicht scheuen – etwa aus falschem Schamgefühl heraus – den Betrug(sversuch) anzuzeigen.
Die Statistik für 2021 des Polizeipräsidiums Ravensburg, die Lang den Zuhörern präsentierte, zeigte, dass zwar viele Delikte zur Anzeige gebracht werden, dennoch eine große Dunkelziffer besteht. „Es kann keine Entwarnung geben werden!“
Zugenommen haben in den letzten Jahren – auch weil immer mehr Senioren sich an den Umgang mit dem PC herantrauen – auch die Delikte im Internet. In Tradingplattformen wird Anlagenbetrug im großen Stil betrieben. Oder Inkasso-Unternehmen versuchen Druck aufzubauen. Daher gilt: e–mails unbekannter Absender geschlossen lassen und löschen.
Ebenfalls ein sehr bekanntes Beispiel: „der falsche Microsoft-Mitarbeiter.“ Wenn sich dieser meldet: Computer nicht einschalten, auf keinen Fall eine Fernwartungssoftware installieren lassen und dem „Mitarbeiter“ Zugang zum PC gewähren.
Evelyn Lang beendete ihren Vortrag mit den Verhaltensregeln in der Öffentlichkeit: Am Bankautomat möglichst zu Geschäftszeiten im Innenraum Geldabheben, dieses nicht offen nachzählen. Sollte jemand am Automat zu dicht an einen herantreten, diesen energisch auf den die Diskretion gebietenden Abstand hinweisen. Auch wichtig: Körperkontakt vermeiden. Geldbörse nicht in der Gesäßtasche aufbewahren. Sollte diese doch geklaut werden, sofort unter 116 116 die Karten sperren lassen.
Zur Abschreckung von potentiellen Tätern, die meistens feige sind, empfiehlt die erfahrene Polizistin sich einen Schrillalarm zu zulegen.
Bericht und Bild Ulrich Gresser

