Bad Wurzach - Nach zweieinhalb Jahren konnte die Blutreitergruppe endlich im Rahmen eines Festgottesdienstes in der Pfarrkirche St. Ulrich und Margaretha seine neue Standarte vom Superior des Gottesberges, Pater Konrad Werder weihen lassen.
„Die Neuanschaffung der Standarte war notwendig geworden, weil die alte, die genauso alt wie die Blutreitergruppe selbst war – die 1933 gegründet wurde – nicht mehr restauriert werden konnte,“ erzählte Klaus Brauchle, der seit 31 Jahren Gruppenführer und Vorstand der rund 50 Dietmannser Blutreiter ist, kurz vor dem Gottesdienst. „Es ist ja bekannt, dass die Blutreiter-Vereine nicht eben reich sind.“ Finanziert hatten die Blutreiter das Prachtstück aus den Einnahmen, die der Verein in den letzten 15 Jahren beim „Metzelsupp´- Essen“ in der Friedrich-Schiedel Halle erzielt hatte. Dass dann Pater Konrad gerne zugesagt hatte, die Weihe zu übernehmen, das hat Waibel besonders gefreut, denn „Standarte und Gottesberg gehören einfach zusammen.“
Ein solches Fest feiert man nicht alleine und so boten die Gruppen aus Altmannshofen, Bad Wurzach, Diepoldshofen, Ellwangen, Hauerz und Unterschwarzach gemeinsam mit der Fahne der Musikkapelle und der des Soldaten - und Kriegervereins beim feierlichen Einzug in die Kirche ein imposantes Bild. Extra für diesen Anlass (und dem des Heiligblutfest im Juli) hatten sich die Dietmannser Reitergruppe mit Frack und Zylinder eingekleidet.
Dieser Ansicht war auch Pater Konrad in seiner Begrüßung, nach dem zum Einzug das Heiligblutlied gesungen worden war: „Es ehrt mich und es ist ein Ereignis nicht nur für den Verein, sondern für die ganze Gemeinde. Ein Fest, an diesem Dreifaltigkeits-Sonntag, das in die Zukunft blickt.“
Auch in seiner Predigt, in der er zunächst auf die Dreifaltigkeitsbotschaft einging. „Die Botschaft von der Dreifaltigkeit Gottes ist die Botschaft davon, dass Gott die Liebe ist.“ Aber dass das, die Liebe Gottes nicht das Selbstverständlichste in unserem Glauben sei, zeigten die vielen menschlichen Katastrophen, wo dann unwillkürlich , die Frage auftaucht: „Wo ist Gott? Wie ist das möglich, wenn Gott allmächtig ist, wenn er die Liebe ist?“ Was bleibt uns?
Es bleibt uns das Bild des Gekreuzigten. Das ist das Bild des Scheiterns, der absoluten Katastrophe, und doch: Gerade hier ist Gott nicht fern, gerade hier ist er da. Nicht Sünde und Tod haben das letzte Wort, sondern die Liebe und das Leben.“
Das sei das Bekenntnis, mit dem wir am Heilig-Blut-Fest uns gegenseitig bestärken und die Welt inspirieren. „Es ist die Hoffnung und die Zuversicht, die jemand mal in das schöne Wort gefasst hat: „Am Ende wird alles gut und solange nicht alles gut ist, ist es nicht das Ende.“ Dafür stehen wir Christen, dafür stehen wir am Heilig-Blut-Fest.“ Und an die Blutreitergruppe gewandt: „Dafür stehen Sie.
Wenn wir heute Ihre neue Standarte weihen, dann übergeben wir sie ihrer Bestimmung, dann wird sie zum Zeichen, zum Zeichen Ihres Glaubens als Blutreiterinnen und Blutreiter.“ Eine Standartenweihe sei ein mutiges Ereignis und die Standarte ein Zeichen der Identität und der Zusammengehörigkeit. Fast von Anfang an ein Teil des Wurzacher Blutfreitags seien die Blutreiter aus Dietmanns, worauf sie stolz sein durften. Und sie hat auch einen Aufforderungscharakter, nämlich diese Tradition in die Zukunft weiter zu tragen.“
Blutreiter Vorstand freute sich vor der eigentlichen Weihe der Standarte, dass so viele andere Gruppen gekommen waren um diese Weihe so feierlich zu gestalten.
Endlich könne die Weihe stattfinden, nachdem Corona immer wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte. Er dankte besonders Pater Konrad für die Bereitschaft die Weihe vorzunehmen. Sein Dank ging auch an den Kirchenchor unter der Leitung von Maria Luise Doll für die wunderbare musikalische Gestaltung des Gottesdienstes.
Dass es den Verein seit fast 90 Jahren gibt, sei eine stolze Tradition. „Dass jetzt eine neue Standarte angeschafft wurde, zeigt, dass der Verein lebt, “ sagte Pater Konrad bei der eigentlichen Weihe. Das wird allein schon dadurch sichtbar, dass der Verein das nötige Kleingeld für so eine kunstvolle und aufwendig hergestellte Standarte hatte. Das jährliche Vereinsfest machte es möglich und das lebt vom Engagement der Mitglieder und der Teilnahme der Gemeinde. So steht diese Standarte auch für das gute Miteinander in Verein und Gemeinde.“
Das „gute Miteinander“ wurde dann im Anschluss an Gottesdienst beim und im Gemeindehaus mit einem kleinen Imbiss und Getränken gepflegt.
Bericht und Bilder Ulrich Gresser

