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Bad Wurzach - Die Stiftung der Stadt Bad Wurzach verlieh dem österreichischen Schriftsteller Arno Geiger den mit 10.000 Euro dotierten Friedrich-Schiedel-Literaturpreis für dessen 2018 erschienenen geschichtlichen Roman „Unter der Drachenwand“. Geiger ist der 20. Preisträger des bedeutendsten Literaturpreises in der Region.

Mit einem Jahr Verspätung konnte Bürgermeisterin Alexandra Scherer die Verleihungsurkunde in einem feierlichen Rahmen, von der Stadtkapelle Bad Wurzach musikalisch begleitet, an den glücklichen und gerührten Preisträger Arno Geiger übergeben. In ihrer einleitenden Rede ging sie auch auf die Beweggründe des Stifters Senator Friedrich Schiedel, dessen Witwe und Tochter der Preisverleihung beiwohnten ein, diesen Preis für seine Heimatstadt zu stiften. „Geschichte ist nicht, was geschehen ist, sondern was uns Historiker erzählen.“

Diese Erkenntnis des herausragenden englischen Autors historischer Darstellungen, Julian Barnes, dürfte auch dem Stifter bei seiner Initiative zu diesem Preis zugrunde gelegen haben. Nach seinem Willen sollten „schriftstellerische Werke ausgezeichnet werden sollen, welche die Geschichte des deutschen Sprachraums in den letzten 300 Jahren in „literarisch wertvoller Form“, „sei es als Sachbuch oder als historischer Roman“, darstellen. „Und bei seiner Affinität zu Österreich hätte Friedrich Schiedel, dem es ein Anliegen war, auch österreichische Autoren zu berücksichtigen, die Wahl des Vorarlbergers Arno Geiger besonders begrüßt.“

Preisträger Arno Geiger ging in seiner Dankesansprache zunächst auf die mit der damaligen Zeit vergleichbaren Situation ein: „Wie Sie wissen, wurde die heutige Preisverleihung um ein Jahr verschoben, ein Jahr ist lang, kein Kriegsjahr, aber ein Epidemiejahr. Die einen sind mittlerweile tot, die andern froh, noch am Leben zu sein, und die Toten sind außerstande, sich zu beklagen, ihr Schweigen spielt denjenigen, die das Sterben so vieler verharmlosen, in die Karten.“ „Der Krieg hat mehr zerstört als Häuser und Körper, er hat soziale Beziehungen zerstört, hat alles auseinandergerissen, Familien, Freundschaften, Liebespaare. Über viele Jahre hinweg war für Millionen von Menschen das Schreiben die beste und oft beinahe einzige Möglichkeit, den Kontakt zu halten zu den Angehörigen, zu den Geliebten, zu sich selbst.“

„Unter der Drachenwand ist ein fiktiver Roman , ein Kunstwerk, die Handlung erfunden, alle Charaktere von mir erschaffen.“ „Das wollte ich beim Schreiben fühlen, wie es ist wenn einem die besten Jahre des Lebens gestohlen werden. Man wartet auf das Ende des Tunnels, aber es kommt nicht.“ Auch die Perspektive des erwachsenen Soldaten war in der Literatur bisher ein „weisser Fleck“. Dass die Geliebte von Veit aus Darmstadt kommt hat zweierlei Gründe: Es war eine der wenigen Städte, die in dieser Zeit im Herbst 1944 in schutt und Asche gelegt wurden, aber ganz besonders wichtig war Geiger die mit dem Datum verbundene geschichtliche Symbolik: der 11. September , 9/11 ist auch den jüngeren Generationen noch ein Begriff.

Arno Geiger macht der jetzt an ihn verliehene Friedrich-Schiedel-Literaturpreis glücklich: Zum einen wegen seiner in Deutschland einmaligen Zielsetzung, die genau in die Schnittstelle zwischen Literatur und Geschichte zielt, zum anderen weil er auch Anerkennung ist für die 12 Jahre Arbeit, die in dem Werk stecken. Überrascht hat ihn, dass der Tabubruch, quasi authentisch über den Alltag eines erwachsenen Wehrmachts Soldaten in jener Zeit zu berichten, in Österreich wie in Deutschland so positiv aufgenommen wurde. In beiden Ländern stürmte das Werk an die Spitze der Bestenlisten.

Als Preisträger des seit 1983 verliehenen Friedrich-Schiedel-Literaturpreises tritt er in eine Reihe mit Persönlichkeiten wie Günter de Bruyn, Golo Mann, Helmut Schmidt oder dem zuletzt ausgezeichneten Wolfgang Brenner. Zum Abschluss der Verleihungszeremonie durfte er sich daher auch noch in das Goldene Buch der Stadt mit einem Eintrag verewigen.

 

Bericht und Bilder Ulrich Gresser

 

Rede Scherer

Rede Niess

Rede Geiger

 

 

 

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