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Bad Waldsee - Es gibt im Leben von Rudolf Rihm besondere Momente, an die er sich noch gut erinnern kann. Dazu gehört eine Zugfahrt im Frühjahr 1972 nach Erlangen. Vor 50 Jahren also, durfte der Anästhesiepfleger Rudolf Rihm den damaligen Chefarzt für Chirurgie am Bad Waldseer Kreiskrankenhaus Dr. Franz Skowronski und die leitende OP-Schwester Innocentia vom Kloster Reute im Rahmen eines achttägigen Informationsbesuchs im Uni-Klinikum Erlangen begleiten .

 

„Im dortigen chirurgischen OP-Bereich durften wir drei hospitieren und verschiedensten Hüftoperationen beiwohnen. Sogar das Instrumentieren wurde uns angeboten“, weiß Rudolf Rihm, der vielen älteren Waldseern als Rudi Rihm bekannt sein dürfte, zu berichten.

Schon zwei bis drei Wochen nach diesem Besuch in Erlangen, so seine Erinnerung, kam ein Oberarzt der Chirurgie des Erlanger Uni-Klinikums ins KKH Bad Waldsee. Unter dessen Anleitung wurden die ersten Hüft-Operationen hier durchgeführt. Anfänglich operierte der Oberarzt aus Erlangen, wobei unser Chefarzt Dr. Franz Skowronski assistierte. Dann aber wurden die Rollen gewechselt. „Bei diesem Start der Endoprothetik im Bad Waldseer Krankenhaus gehörte Schwester Innocentia und ich zum OP-Team“, berichtet Rudi Rihm durchaus stolz. Bis 1982 assistierte er bei über 1000 Hüft-Operationen.

Die Uni-Klinik in Erlangen gehörte damals in der BRD zu den ersten Klinken, die Hüft-Operationen durchführten. Das Erlanger Klinikum hatte sich einen exzellenten Ruf erworben gerade auch hinsichtlich von Hüft-Operationen.

„Bad Waldsee war damals in Oberschwaben das einzige Krankenhaus, in dem man Hüft-OPs durchgeführt hat“, merkt Rudi Rihm heute an.

 

Durch den Neubau am Bad Waldseer Krankenhaus wurde die OP-Abteilung damals recht gut ausgestattet. Die Patienten mit ihren neuen Hüften verblieben etwa drei Wochen in unserem Krankenhaus. Die Prothesen wurden damals mit einem speziellen Zement fixiert. Schon am ersten Tag nach der Operation mussten die Patienten auf die Beine stehen, um einer Embolie-Gefahr zu begegnen. Für die Nachbehandlung wurde Krankengymnastik und Physiotherapie im Krankenhaus angeboten. Dazu war hier im Bad Waldseer KKH eine gut passende Nachbehandlungsinfrastruktur mit Bewegungsbad, großem Gymnastikraum und entsprechenden Geräten geschaffen worden. Patienten wurden erst entlassen, wenn die Mobilisierung Erfolg hatte.

Im Laufe der Jahre wurde die Operationstechnik stets verfeinert und moderne Verfahren wie die minimalinvasive Operationsweise eingeführt. Auch neuartiges Hüftprothesenmaterial wurde eingepflanzt. Die Aufenthaltsdauer im Krankenhaus wurde merklich verkürzt. Schon nach einer Woche wurden die Patienten überwiegend an hiesige Reha-Kliniken übergeben. Das funktionierte alles reibungslos.

Für Rudolf Rihm ist es unerklärlich, dass ein so gut funktionierendes Krankenhaus wie das Bad Waldseer aufgegeben werden soll.

„Hier war ja die Wiege der Endoprothetik für ganz Oberschwaben und die Patienten kamen zum Teil von weit her. Im Laufe der letzten fünf Jahrzehnte wurde das Waldseer Krankenhaus zu einem gefragten Zentrum für Hüft-Knie- und Fuß-Operationen. Warum soll das alles aufgegeben werden, zumal ja Bad Waldsee mit seinen Reha-Kliniken ein idealer Standort für die Nachbehandlung ist.

„Für mich ist das ein Rätsel“, argumentiert Rudolf Rihm.

Bis 1990 arbeitete der heute 78-jährige Rudolf Rihm in der Pflegedienstleitung am Bad Waldseer Krankenhaus. Danach wechselte er dann als Pflegedienstleiter ans Krankenhaus in Bad Saulgau, wo er 2006 in den verdienten Ruhestand ging.

Seine guten Kontakte nach Bad Waldsee hat Rudi Rihm bis heute aufrechterhalten. Sportlich engagierte er sich als Fußballer beim FV Bad Waldsee und als Tennisspieler bei der TA SV Haisterkirch. Mit seiner Familie wohnt er auf einem Bauernhof im südlichen Kreis Biberach.

Über die „Schwäbische Zeitung“, als Bezieher der Bad Waldseer Ausgabe, informiert er sich über Geschehnisse in und um Bad Waldsee. Nahezu wöchentlich trifft er sich im Raum Haisterkirch mit ehemaligen Sportkameraden. Diese informierte er jetzt über die Erfolgsgeschichte des Bad Waldseer Krankenhauses insbesondere auch hinsichtlich der Endoprothetik.

 

Fototext: Rudi Martin

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halloRV

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