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Bad Waldsee (Leserbrief) - Die erneute Absage der Präsenzveranstaltungen zur Fasnet (die aufgrund der Omikron-Entwicklung natürlich begründbar ist, von der es aber andererseits „übers Jahr“ immer geheißen hat dass es sie nicht nochmals geben würde) ist für die Narrenhochburg Bad Waldsee und die engagierten Mitglieder der Narrenzunft ein harter Schlag.

Es ist jetzt müßig darüber zu diskutieren ob es nicht vielleicht doch mehr Mut zu wenigstens kleinen Freiluftveranstaltungen gebraucht hätte. Die Situation wirft allerdings ein Schlaglicht auf eine ganz grundsätzliche Problematik. Die zahlreichen Vereine, aber auch vergleichbare Organisationen wie Kirchen, Verbände, Gewerkschaften und das Engagement deren Mitglieder waren viele Jahre lang ein wichtiges Rückgrat unserer Gesellschaft – man denke beispielswiese nur an das Altstadt- und Seenachtsfest in Bad Waldsee, das wesentlich von den Vereinen getragen wird.

Aber bei den meisten Vereinen, nicht nur bei den Narrenzünften, vor allem auch bei Musikvereinen, Chören, Kirchengemeinden und unzähligen anderen ist ein geregeltes Vereins- oder Gemeindeleben seit mittlerweile fast zwei Jahren kaum noch möglich. Die Bindekraft von Vereinen und Kirchen hatte schon vor der Coronazeit spürbar nachgelassen – wie viele Berichte musste man in der SZ schon über drohende Vereinsauflösungen lesen? Die Pandemie dürfte diese Tendenz noch verstärken.

Wie viele Menschen mögen sich wohl bereits daran gewöhnt haben, dass es doch auch ohne ehrenamtliches Engagement geht – und ob sich solches überhaupt noch lohnt, wenn dann sowieso doch wieder alles abgesagt wird? Aber sollte in unserer Gesellschaft das Idealbild einer Bürgerin oder eines Bürgers tatsächlich das eines komplett individualisierten Menschen sein, der tagsüber vom Homeoffice aus mittels Videokonferenzen seinen Beruf ausübt und seine Freizeit allenfalls noch mit Netflix und Co. verbringt?

Wenn wir das nicht möchten und von unserem Brauchtum und von unseren Traditionen retten wollen was noch zu retten ist – und diese nicht auf dem Altar des Gesundheitsschutzes opfern wollen - sollte die Politik so schnell wie möglich den Vereinen wieder ein normales Leben ermöglichen und noch mehr Anreize für ehrenamtliches Engagement setzen.

 

Matthias Moser, Eberhardzell

 

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halloRV

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