Reute-Gaisbeuren - Morgens um sieben Uhr wirft Tanja Heckenberger ihr Tablet an. Sie loggt sich bei den umliegenden Impfzentren ein. Friedrichshafen, Ravensburg, Ummendorf, Ulm, Hohentengen und Ehingen, die wichtigsten in unserer Gegend. Sie sucht freie Impftermine. Oft bis weit nach Mitternacht. Nicht für sich macht sich die 43-jährige Mutter zweier Söhne im Alter von elf und acht Jahren seit Monaten diese Mühe. Sie hilft damit den Impfberechtigten der Prio-Gruppen eins und zwei, zu einem Impftermin zu kommen.
Wer für sich selbst schon einen Impftermin buchen wollte oder noch will, weiß, wie mühselig es ist. Immer wieder die Website aufrufen, die Daten eingeben, die Abfrage starten um dann tausendundeinmal die gleiche Antwort zu erhalten: Im Moment sind keine Impftermine frei.
„Gerade für die Prio-Gruppe der über 80-Jährigen ist es oft schwierig, sich mit der Technik auseinander zu setzen, deshalb haben wir uns entschlossen, hier zu helfen“ bringt es Simone-Miriam Strobel, die zweite im Bunde, auf den Punkt. „Als Frau des Ortsvorstehers habe ich viele Kontakte in die Gemeinde und kenne die Leute die Hilfe brauchen. So kann ich Tanja die Daten der Impfberechtigten geben, für die Tanja dann in aufwendiger, tage- und nächtelanger Recherche Vermittlungscodes sucht. Am besten sind die Chancen vormittags gegen 10.00 Uhr“, so Simone-Miriam Strobel weiter, „dann bekommen die Impfzentren die täglichen Dosen angeliefert und können neue Termine vergeben.“
„Man muss doch die Impfkampagne vorantreiben“ ist die Meinung der rührigen Ortsvorstehersgattin, „sonst bekommen wir doch nie eine Normalität zurück“.
Zusammen mit der unermüdlichen Tanja Heckenberger konnten sie schon fast 200 Impfberechtigen einen Termin vermitteln. Hut ab, vor so viel nachbarschaftlichen Engagement. Und vielen Dank an Karl Weber, der die Bildschirmzeitung auf die beiden „Engel“ aufmerksam machte.
Text: Erwin Linder

