Bad Waldsee - Das Museum im Kornhaus zögert wegen der derzeitigen Auflagen noch mit der Wiedereröffnung. Sobald diese möglich ist, möchte der Museums- und Heimatverein die Neuzugänge der letzten Zeit, zu denen auch diese historischen Porträts gehören, der interessierten Bevölkerung in einer Ausstellung vorstellen.
Die im letzten Jahr verstorbene Mariotte Glocker entstammte einer alten Waldseer Familie. Fünf Porträts ihrer Vorfahren hat sie der Stadt testamentarisch vermacht mit der Auflage, sie dem „Heimatmuseum“ [so bezeichnet im Testament] zur Verfügung zu stellen.
Dargestellt sind:
- ihr Ur-Urgroßvater, der Färbermeister Christian Glocker,
- ihre Urgroßeltern, der Seifensieder Carl Glocker und seine Ehefrau Marianne
- und ihre Großeltern mütterlicherseits Lorenz und Ida Singer.
Das ältestes der fünf Porträts ist ein kleinformatiges Ölbild um 1850, das einen ernstblickenden Mann mittleren Alters zeigt, der den Kopf ein wenig nach rechts wendet. Im Testament heißt es, das Bild stamme „wohl von einem Bad Waldseer Maler mit Namen Lang“. Infrage kommt hier nur Johann Nepomuk (1820 – 1894), der jüngere Bruder des in Amerika erfolgreichen Alois „Louis“ Lang.
Das „Stammhaus“ Glocker ist das an die Stadtmauer angebaute Gebäude in der Wurzacher Vorstadt neben dem Torturm, dem „Hafendeckel“ und seinem Torhaus, heute Stadtgraben 5. Seit 1872 betrieb dort Christians Sohn Carl eine Seifensiederei.
Die Fasnet spielte für den Mann mit den roten Haaren eine große Rolle, in ihr lebt er bis heute weiter unter seinem Spottnamen “Glockenroth, d‘r Soifanille“.
Das große ovale Porträt von 1887 zeigt ihn in der damals neuen Technik der künstlerisch nachbearbeiteten Fotographie. Ein Porträt seiner Frau Marianne entstand in gleicher Art zwei Jahre später.
Familie Glocker bezog 1930 das neu erbaute Wohnhaus in der Maximilianstraße 1. Im Jahr 1932 heiratete Carls Enkel Philipp Malwine Singer, die nun das im Stammhaus eingerichtete Ladengeschäft für Haushaltsreiniger, Silberputzmittel u.ä. führte.
Malwines Vater Lorenz Singer, Stationskommandant a. D. und seine Frau Ida ließen sich um 1910 ebenfalls porträtieren, die retuschierten Großfotographien sind in ihren vergoldeten Jugendstilrahmen mit einer Höhe von 70 cm genauso groß wie die Porträts von Claus und Marianne Glocker.
Die im letzten Jahr verstorbene Mariotte, die Tochter von Philipp und Malwine, arbeite mehr als 40 Jahre lang als Sozialarbeiterin im ZfP (Zentrum für Psychiatrie) in Bad Schussenried. Posthum wurde ihr dort eine außergewöhnliche Ehrung zuteil: das neu errichtete Fachpflegeheim trägt seit Februar 2021 den Namen „Mariotte-Glocker-Haus“.

Christian Glocker, Färbermeister

Carl Glocker, Seifensieder
Pressemitteilung des Museums- und Heimatverein Bad Waldsee, B. Hecht-Lang

