Bad Waldsee - Die Umgestaltung der Bleichestraße ist ein fester Bestandteil des Projektes „Altstadt für Alle“. Die Leser der Bildschirmzeitung erinnern sich sicher an die Diskussion vor allem über die wegfallenden Haltebuchten für Busse und das deshalb befürchtete Verkehrschaos in der Stadt. Die Bauarbeiten müssen bis im nächsten Jahr abgeschlossen sein, also ist ziemlich Druck im Kessel.
Vor Beginn der Bauarbeiten sind aber noch einige verwaltungstechnische Aufgaben zu lösen. Zunächst ist die Bleichestraße als L 275 in Eigentum und Zuständigkeit des Landes. Im Zuge eines „Umstufungspaketes“ kommt die Bleichestraße in das Eigentum der Stadt. Zum Paket gehören weiterhin die Biberacher Straße, die ebenfalls von der Landes- in eine Ortsstraße umgestuft wird.
Im Gegenzug wird die Bahnhofstraße, die Schützenstraße bis zur Wurzacherstraße, die Wurzacherstraße bis zur Muschgaystraße, die Muschgaystraße, die Friedhofstraße bis zur Frauenbergstraße und die Frauenbergstraße zur Landestraße umgestuft. Die ganze Spange ist notwendig, da eine Landesstraße nicht von einer Ortstraße unterbrochen werden darf.
Im Untergrund der Bleichestraße lauern auch noch etliche Unbekannte. So ist zum Beispiel die Bleichestraße von der Ölmühle bis zur Biberacher Straße auf einer „Moorbrücke“ gegründet. Diese ist mittlerweile 30 Jahre alt. Der Zustand lässt sich deshalb schwer abschätzen. Zwischen Ölmühle und Stadthalle ist die Straße auf einer sogenannten „Bodenverbesserung“ aufgebaut. Seit Fertigstellung, das wissen alle Bad Waldseer, hat sich die Straße beträchtlich abgesenkt. Aus der Übergabe an die Stadt können sich erhebliche Folgeaufwendungen ergeben, die in der Anlagenbewertung berücksichtigt werden müssen.
Die Umstufung der Bleichestraße in eine Ortsstraße gibt der Stadt aber auch Gestaltungsfreiräume. So kann die Stadt dann selbst über den Umgang mit Geschwindigkeiten und Schwerlastverkehr, über Querungshilfen, Fußgängerüberwege usw. entscheiden.
Gleich zu Beginn seiner Präsentation nahm Jürgen Bucher dem Gemeinderat die schlimmsten Befürchtungen: „Bevor wir mit den Umbaumaßnahmen an der Bleichestraße beginnen, muss sichergestellt sein, dass alle wegfallenden Parkplätze ersetzt werden.“ Dazu ist ein provisorischer Parkplatz auf dem Fischzuchtgelände vorgesehen.

Während der Baumaßnahmen muss die Bleichestraße vollständig gesperrt werden. Die Umleitung erfolgt auf eine Behelfsstraße über den jetzigen Parkplatz. Die Ausleitung aus Richtung Biberach erfolgt an der Ölmühle, aus Richtung Ravensburg an der Stadthalle. Die Umleitungsstrecke nutzt die schon vorhandenen geteerten Flächen auf der Bleiche. Für die Busse werden extra Haltestellen, in beide Fahrtrichtungen, eingerichtet.
Auf der neuen Bleichestraße treffen, wie schon bisher, alle Verkehrsteilnehmer aufeinander: LKW, PKW, Busse, Fahrräder, Fußgänger.
Um vor allem für die Fußgänger den Zugang zur Stadt sicher zu machen, werden die Verkehrsströme gelenkt. Es wird nicht mehr möglich sein, die Parkreihen zu queren, sondern die Fußgänger werden durch die Wegführung veranlasst, entweder auf Höhe der jetzigen Fußgängerampel oder auf Höhe des Stadteingangs zum Hirschhof die Straße zu queren.
Hier teilt eine Querungshilfe die Fahrbahn in zwei Teile, so dass Fußgänger einfach und sicher über die Straße kommen. Fahrräder bekommen ihren Radstreifen, der laut Planungsskizze nicht mehr an der Ampel aufhört, sondern über die ganze Bleichestraße durchgeführt wird. Da die Busse jeweils vor der Querungshilfe anhalten und nicht überholt werden können, geben haltende Busse den Fußgängern eine zusätzliche Sicherheit. PKW und kleine Lieferwägen können aus dem Hirschhof ausfahren und dabei sowohl nach rechts, Richtung Biberach, als auch nach links Richtung Stadthalle abbiegen.
Aus den Reihen der Gemeinderäte konnte man den Seufzer der Erleichterung richtig heraushören: Mit einem Provisorium kann man die neue Bleichestraße quasi mal ausprobieren. Wenn in der Umleitung Platz für Bushaltestellen sind, sind vielleicht ja auch welche möglich, wenn’s mit dem Halten der Busse nicht so klappt, wie im Gutachten vorgesehen. Und manche Provisorien halten ja auch recht lange. Und wer weiß, wie der Verkehr in 10 Jahren aussieht und ob man dann immer noch so viele Parkplätze braucht oder sich doch Raum anbietet für „Urban Gardening“ .
Aber darüber kann ja nach den Sommerferien wieder diskutiert werden. Siehe unser Artikel: Bleiche neu gedacht?
Sitzungsunterlagen Bleichestraße
Baustellenverkehr - Umgehungsstraße
Sitzungsunterlagen kpl. zum Download (2,78 MB)
Text Erwin Linder
Pläne und Skizzen Stadt Bad Waldsee

