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Bad Waldsee - „Da machen wir mit“ sagte meine Frau, „der Müll stört uns doch schon die ganze Zeit“ und meint einen leeren und einen halbvollen Farbeimer, die an unserem Lieblingsspazierweg seit jeher am Waldesrand vor sich hin gammeln. Und wenn meine Frau das sagt, dann wird das auch durchgezogen.

 

Vom Markteinkauf brachte sie zwei Paar gelbe Handschuhe, zwei blaue Müllsäcke und zwei miniquadratische Schokotäfelchen mit. „Die haben das ganz praktisch gelöst. Keine lange Schlange, einfach durchs Fenster gegeben beim Bürgerbüro und fertig“

Jetzt steht unserem Mülleinsatz bei der Stadtputzete nix mehr im Weg.

„Zum Stadtputz im Walde wir ziehn’ fallera
es warten die Felder und der Wald fallera
wir sammeln ohne Sorgen, singen für’s saubre Morgen
noch ehe wir wieder zum Kaffetrinken gehen“

Mit diesem fröhlichen Liedchen auf den Lippen erreichten wir den von uns ausgesuchten Sammelplatz. Meine Frau streifte die nigelnagelneuen gelben Handschuhe über und entfaltete die genauso nigelnagelneuen Müllsäcke und schritt zur Tat. Derweilen bändigte ich unseren Hund, für den wilde Müllablagerungen gern erschnupperte Abenteuerspielplätze sind, in denen er nach Hundeherzenslust herumstöbert und allerhand Unappetitliches zum Fressen gerne findet. Weil Hund bändigen doch eine kräftezehrende Aufgabe ist, delektierte ich mich an einer der quadratisch, praktischen Tafeln und unterstützte meine Frau mit guten Ratschlägen.

„Schau doch, hier hat dein Hund noch ein altes Vesperbrot und ne leere Bierflasche gefunden“. Meine Frau strich sich die Haare aus der verschwitzten Stirn und kam meinem Hinweis gerne nach.

 

Die Strecke, wie der Waidmann sagen würde, in unseren Müllsäcken umfasste nach ein paar Minuten einen halb- und einen ganz leeren Farbeimer, diverse leere Flaschen, ein Einweckglas, zwei Einmalrasierer (die brachten mich zum Grübeln, was hat der oder die am Waldesrand wohl rasiert), eine zerstörte Hinweistafel sowie ein ansehnliche Ansammlung Plastikmüll. Beide Säcke waren wohlgefüllt, wir verstauten sie im Auto und brachen zum Spaziergang auf, denn wir wollten schließlich die gesunde Luft genießen und für den nächsten Rekord auf meinem Schrittzähler arbeiten.

„Gleich auf die Bleiche?“ fragte ich meine Gattin, als ich das Automobil über Waldsees Stadtgrenze lenkte. „Nein, ich glaube da kann man erst ab drei Uhr abgeben“.

Auch recht, dann trinken wir erst noch Kaffee. Der Espresso dampfte in seinen Tässchen, als meine Frau dann doch noch ihr Handy zu Rate zog und auf der Website der Stadt nachschaute. „Ohgottohgott, die machen um drei zu, nicht auf“.

Während Hund und ich uns zum wohlverdienten Mittagsschlaf niederließen, schließlich haben wir Müll gesammelt und einen großen Spaziergang gemacht, brach die Ehefrau hurtig zum städtischen Bauhof auf.

Von dort brachte sie einen Hinweis für uns und die Leser der Bildschirmzeitung mit: Wilde Müllablagerungen kann man immer bei der Stadt melden. Dann kommen die fleißigen Bauhofmitarbeiter und sammeln ihn ein. Oder aber man kann den Müll gleich selbst einpacken und beim Bauhof zu den üblichen Arbeitszeiten kostenlos abgeben.

 

Text und Bild: Erwin Linder

 

 

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halloRV

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