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Bad Waldsee - Die Fasnet ist in Bad Waldsee tief verwurzelt, ihre Ursprünge liegen weit zurück. Zur närrischen Tradition gehört auch der sogenannte Wächsebrauch, der vermutlich erstmals 1878 stattgefunden hat. Eine Umfrage der Narrenzunft zeigte jüngst, dass den Kindern der Brauch besonders am Herzen liegt. Aber auch dieses Ereignis muss in seiner gewohnten Form in diesem Jahr ausfallen.

Um den Kindergarten- und Schulkindern dennoch eine Freude zu machen und ihnen diese sehr reduzierte Fasnetszeit ein wenig zu versüßen, hat die Narrenzunft die Idee des „alternativen Wächsebrauchs“ mit einer „Fasnets-Schoki“ entwickelt. Da das Sammlervölkle nicht zum Spendensammeln unterwegs sein kann, springt die Fränkel-Stiftung ein. Sie spendete mehr als 20.000 Mini-Schokoladen für rund 4000 Kinder und Jugendliche. Die Zunft zählte die Täfelchen ab (pro Kind fünf Stück) und verpackte sie in rund 150 Tüten, die an Kindergärten und Schulen geliefert wurden.

Bürgermeister Matthias Henne bedankte sich bei der Narrenzunft für die tolle Idee und Initiative sowie bei Peter O. Buck, Vorstand der Fränkel-Stiftung, für die süße Spende. „Gerade in dieser Zeit ist diese gemeinsame Aktion ein wichtiges Signal für ein gutes Miteinander und zeigt den großen Zusammenhalt, wenn es darum geht, Kindern eine Freude zu machen“, sagte Matthias Henne.

Peter O. Buck berichtete dem Bürgermeister über Karl Fränkel, den bereits verstorbenen Gründer der Stiftung: Der Geschäftsmann wurde in Waldsee geboren und wuchs hier auf. Trotz seines Wegzugs nach Friedrichshafen habe er sich immer mit seiner Heimatstadt und den Vereinen verbunden gefühlt und – aus Dankbarkeit – immer wieder großzügig gezeigt, sagte Buck. Diese Tradition wolle er gemeinsam mit seiner Tochter Jaqueline Egger-Buck gerne fortführen. „Wir vergessen nicht, wo wir herkommen.“

 

Der Wächsebrauch

Der Wächsebrauch war anfangs eine reine Privatsache des Wachsziehers Alois Albrecht, der mit übergroßen Köpfen, den sogenannten „Wächse-“ oder „Schwellköpfen“, in den Fenstern seines Hauses erschien, herauswinkte und den Kindern, die in großen Massen aus dem gegenüberliegenden Schulhaus herbeigelockt wurden, Wurst, Wecken, Äpfel oder Süßigkeiten zuwarf – zum ersten Mal vermutlich 1878, wie ein historischer Zeitungsartikel besagt. Die Schuljugend veranlasste ihn dann mit immer lauterem Rufen von Narrensprüchen zu weiteren Gaben.

Dieser Brauch wurde auch nach seinem Tod weitergepflegt und so beteiligten sich um die Jahrhundertwende „opferbereite Herren in drolliger Maskerade“ (Zeitungsbericht von 1895) und später Mitglieder des Narrenvereins mit Musik bei der Befreiung der Kinder und anschließenden Beschenkung. Für diesen Brauch musste ab einer gewissen Kinderzahl gesammelt werden. Daraus entstand später das Sammlervölkle. (nzw)

 

Fasnet Tueten bearbeitet 1

Im Bild ist Peter O.  Buck gemeinsam mit Christoph Mayer (Vize-Zunftmeister und Ideengeber der Aktion) vor den Geschenktüten zu sehen. Nicht abgebildet ist Zunftrat Nico Hauff, der ebenfalls mitgearbeitet und mitorganisiert hat.

 

Fasnet Roland 3 bearbeitet 1

„Wir vergessen nicht, wo wir herkommen“, sagt Peter O. Buck, Vorstand der Fränkel-Stiftung mit Blick auf die mehr als 20.000 gespendeten Schokolade-Täfelchen für Bad Waldseer Kinder. Im Bild ist er zusammen mit Zunftmeister Roland Haag vor dem Albrecht‘schen Haus, dem Ort des Wächsebrauchs, zu sehen.

 

Text / Fotos: Brigitte Göppel

 

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