Haisterkirch - Wer derzeit die Kapelle St. Sebastian aufsucht, kann sich über etliche Besonderheiten freuen, vor allem dann, wenn der Weg von Haisterkirch hinauf zur Kapelle genommen wird. Denn schon bald nach Beginn der Waldzone entdeckt man auf der rechten Seite des Stationenweges zwei nette, weihnachtlich geschmückte Fichtenbäumchen.
Am vergangenen Samstagnachmittag hatte sich hier ein Trio (eine Oma mit Enkel und dessen Tante) eingefunden und die Bäumchen mit bunten Kugeln geschmückt. Die drei bekundeten, dass sie damit anderen Menschen eine Freude bereiten wollen.
Geht man den stets ansteigenden Weg weiter, so entdeckt man insgesamt weitere sieben mit unterschiedlichstem Schmuck versehene Bäumchen. Da hängen auch beschriftete Sterne daran mit wertvollen, Mut machenden Impulsen für den Alltag. Auf der linken Seite (beim Hinaufgehen) wurde gleich eine ganze Gruppe von fünf Bäumchen weihnachtlich dekoriert. Die anonymen Bäumchenverzierer verbindet eines, sie wollen eben anderen Menschen Freude bereiten.
Betritt man dann die Kapelle, kommen die Besucher nicht mehr aus dem Staunen heraus. Gleich nach dem Eingang auf der linken Seite weisen Plakate auf die Aktion der Landfrauen Haisterkirch-Mittelurbach hin. Die Landfrauen hatten bekanntlich in allen sieben geöffneten Kleinkirchen und Kapellen des Haistergaus (für die 8. Kleinkirche in Osterhofen besteht bekanntlich Zutrittsverbot) zu einem „Adventsweg“ der besonderen Art und zum Mitmachen eingeladen.
Die Geschichte vom Hirten Simon wurde wöchentlich ergänzt und konnte auf den ausgelegten Blättern zum Mitnehmen verfolgt werden. „Gedanken für jeden Tag“ regten zum Wiederkommen in die Kapellen und zum Meditieren an. Erst an Weihnachten werden die Erlebnisse des Hirten Simon dann vollständig dargestellt werden. Besonders auf St. Sebastian fand dieser „ Adventsweg“ der Landfrauen größte Beachtung und Anerkennung, denn hier oben kann man Menschen aus der ganzen Region antreffen. St. Sebastian ist schon immer ein beliebtes Ziel für Pilger, Wanderer, Radfahrer, Spaziergänger, auch Reiter. Corona-Pandemie bewirkt Rekordbesuch.
In diesem Jahr kommt noch dazu, dass viele Menschen hier oben eintreffen, weil sie sich große Sorgen wegen der Corona-Pandemie machen. Darüber wissen Bernd und Rosmarie Schmid, die den Mesnerdienst hier oben ehrenamtlich übernommen haben, bestens Bescheid. Die Mesnerfamilie aus Hittelkofen ist gefragt wie noch nie. Nahezu täglich müssen Kerzen nachgelegt werden.
„St. Sebastian ist für mich zu einem wichtigen Anlaufpunkt in meinem Leben geworden“, berichtete erst neulich eine Frau aus Zussdorf dem Mesner. Ähnliche Kommentare sind den Eheleuten Schmid längst bekannt. Bernd Schmid hat inzwischen 4000 Kerzen nachbestellt. Werden im Jahr normalerweise um die 12000 bis 13000 Opferkerzen angezündet, so werden es in diesem Jahr wohl um die 19000 sein, ein Zuwachs von rund 50 Prozent auf das Jahr bezogen, meinte der Mesner. „ Das hängt eindeutig mit der Corona-Pandemie zusammen.“
Viel Lob von allen Seiten gab es auch wegen des angebrachten vorweihnachtlichen Schmucks im Altarraum hinter der Gitterabtrennung. Hier hatte Johanna Groß aus Osterhofen eine bewundernswerte Krippenwelt zusammengestellt mit selbst hergestellten, kreativ gestalteten Egli-Figuren auf heimat-und waldbezogenem Umfeld. Maria sitzt noch auf einem Hocker und Josef leuchtet schon mit einer Laterne auf den noch leeren Krippenplatz, der an Heiligabend mit dem Jesuskind belegt sein wird.
Auch der Lichterkranz am Gitterwerk sorgt für festliche, weihnachtliche Stimmung. Wenn das Wetter über die Feiertage mitmacht, werden wieder viele Menschen zu diesem sakralen Kleinod streben, um zu beten, Verstorbener zu gedenken, Opferkerzen anzuzünden und den Heiligen Sebastian als Fürbitter bei Gott anzuflehen oder ihm auch zu danken.
Beredtes Zeugnis dafür liefert das Pilgerbuch, das vorzeitig anfangs November 2020 vom Mesner neu aufgelegt wurde, weil das Vorgängerbuch, das in der Regel weit über ein Jahr hinaus zum Beschreiben für Aufzeichnungen und Fürbitten ausreicht, schon voll beschrieben war.
Exemplarisch sei eine der Aufzeichnungen aus dem neuen Buch angefügt. Diese lautet: „ Hl. Sebastian, wie immer, wenn wir hier sind ein unwahrscheinlicher Kraftort. Bitte hilf uns in und durch diese schwierige Zeit und schenke uns Kraft und Zuversicht. Schütz uns weiter und hab Dank“. Berührend ist auch der Eintrag eines Kindes: „ Sehr geehrter Herr Jesus…und noch was bitte ich. Lass meine Oma am Leben, weil ich sie brauche und sie freut sich auf mein Geschwisterchen….“
Aufgefallen ist dem Mesnerpaar auch, dass sich die hier Ankommenden sehr diszipliniert verhalten und die coronabedingten Regeln einhalten. Die Kapelle ist übrigens täglich geöffnet, jedenfalls bis 19.00 Uhr.
Text und Fotos Rudi Martin

