Aulendorf/Bad Waldsee - Mit mehr als 400 Demonstrationen deutschlandweit will die Bewegung Fridays for Future in Deutschland und weltweit an ihre Forderung erinnern, mehr Tempo im Kampf gegen die Klimakrise zu entwickeln. Der Klimaprotesttag will dabei die Hygienekonzepte unter Corona strikt beachten. Zum Beispiel ist eine Mahnwache am Brandenburger Tor sehr weiträumig geplant, um selbst bei 10.000 Teilnehmern die Abstände wahren zu können. Auch in Aulendorf und Bad Waldsee gibt es Gelegenheit, für Klimaschutz und die Einhaltung des 1,5 Grad Ziels zu demonstrieren.
„Kein Grad weiter“, heißt die Forderung, die auf der Raddemo mit 20 TeilnehmerInnen von der Eugen-Bolz-Schule durch die Stadt zur Grabenmühle lauthals vorgetragen wurde. Zuvor am Bahnhof in Aulendorf ging es noch um zwei Dinge. Erstens die Schränke am Steegersee sind mit 25 Euro Jahresgebühr im Vergleich zu anderen Bädern viel zu teuer. „Fünf Euro Nutzungsgebühr wäre angemessen“, so der ehemalige Gemeinderat der Grünen Joachim Feßler. Prof. Dr. Ernst Deuer, Mitglied im Regionalverband Bodensee-Oberschwaben und stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD sprach sich für den Erhalt der Minigolfanlage im Stadtzentrum von Aulendorf aus und hatte eine Unterschriftenliste mitgebracht.
Die Kundgebung in Bad Waldsee begann mit Beiträgen von Fridays for Future Vertreterinnen. Der Klimaprozess bzw. die Erwärmung vollziehe sich in Kipppunkten und beschleunige sich dadurch unaufhaltsam und ohne Umkehrmöglichkeit. Ein Beispiel dafür sei die Gletscherschmelze. Ein anderes Beispiel sei bei der Korallenbleiche im Great Barrier Reef 2016 zu beobachten. Die Korallenbleiche, eine Vorstufe des Korallensterbens, setzt CO2 frei und damit eine weitere Erwärmung. Als drittes Beispiel werden die Waldbrände angeführt, zu 85% von Menschen verursacht. Derzeit brennen in Bolivien 1,8 Mio. Hektar Wald und wieder wird Kohlenstoff freigesetzt, statt gebunden.
Nach Anna Schmid, Patrycja Kukielka, Nele Kirn und Ana Urban, erklärt Vanessa Thomas, was man persönlich dagegen machen kann. Zum Beispiel Fahrrad fahren, denn 69 Prozent fahren mit dem Auto zur Arbeit. Nur 11 Prozent benutzen Bus und Bahn, 9 Prozent fahren Fahrrad und 8 Prozent gehen zu Fuß. Jeder kann etwas tun und klein anfangen, fordert sie. Die grüne Bundestagsabgeordnete Agnieszka Brugger lässt sich mit einem Grußwort entschuldigen. Sie hatte auf einer Veranstaltung Kontakt mit einer vermutlich infizierten Person. Da das Ergebnis noch nicht vorliegt, bleibt sie zur Vorsicht in Berlin. „Vielen tausend Dank für das Engagement vor Ort und lasst nicht nach.“, schickt sie an die rund 50 bis 60 versammelten Mitstreiter, bis jedes Kohlekraftwerk durch erneuerbare Energie ersetzt sei und dreckige Spritschlucker keine Zukunft mehr haben.
Die Sprecherin im Ortsverband Die Grünen Bad Waldsee, Margarete Bareis, berichtet davon, was sie jetzt ab ihrem 60. Lebensjahr anders machen werde. Auf Flugreisen und übermäßigem Konsum werde sie verzichten, denn auch eine Fahrradtour ab der Haustür genüge zur Erholung. An die Adresse des neuen Bürgermeisters Matthias Henne und allen Fraktionen im Gemeinderat gerichtet, fordert sie zu neuen Mobilitätskonzepten auf, möchte Fahrradzonen und Fahrradstraßen verwirklicht sehen, sowie auch an die Adresse des HGV mehr Mut zu weniger Ressourcenverbrauch. Mit ein paar gemeinsam gerufenen Parolen wie „Klima-Schutz, während sie noch konsumieren, gehen wir demonstrieren, Fahrrad ist nicht nur Hobby, runter mit der Autolobby“, wird zum Schluss nochmals Stimmung gemacht. Nach insgesamt einstündiger Aktion ist die Kundgebung beendet.
Text und Bilder: Gerhard Maucher

