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Haistergau - Es war im Jahr 2004 als der Fotojournalist Roland Rasemann in der Schwäbischen Zeitung ein Foto veröffentlichte, das die so genannte „Spitze Kapelle“ oder auch „spitzige Kapelle“ in einem damals desolaten äußeren Zustand zeigte.

Bei den Einheimischen ist ein weiterer Name für die im „Haisterkircher Feld“ liegende Kapelle gebräuchlich. Sie nennen die markante Kapelle auch „Gott-Vater-Kapelle“, denn in dem Rundbau mit dem pyramidenförmigen Dachaufbau befindet sich hinter Gittern gesichert ein geschnitztes Altarbild, das Gott Vater mit Zepter und Weltkugel in den Händen zeigt. Vor allem am Dreifaltigkeitssontag pilgern viele Familien zur Kapelle.

Die Kapelle, die schon 1511 in einer Beschreibung des „Haistergauer Forsts“ erwähnt wird, dürfte schon viel älter sein. Vor rund 500 Jahren wurde die Kapelle, an damals markanter Stelle gelegen, als „Heisterkircher Cappel“ bezeichnet. Die Kapelle (siehe Kartenausschnitt aus dem Jahr 1600 vom Fürstlichen Archiv in Wolfegg) lag damals direkt an der Straße von Waldsee - vorbei an Hopfenweiler - und führte nach Osterhofen.

Zu einem späteren Zeitpunkt findet sich auch die Bezeichnung „Haisterkircher Cappel“, als aus Heisterkirch dann Haisterkirch geworden war. Die Straße von Waldsee nach Haisterkirch (heute L 300) gab es damals noch nicht.

Ende des letzten Jahrhunderts war die Gott-Vater-Kapelle unter anderem nach einer mutwilligen Beschädigung mehrfach restauriert worden. Die Kosten dafür hatten die Gebrüder Dr. Bock aus Bad Waldsee übernommen. Eigentümerin der Kapelle ist seit langer Zeit die Kirchengemeinde Haisterkirch Rechtzeitig zur 1200-Jahr-Feier der Gemeinde Haisterkirch im Jahr 2005 hatten auf ehrenamtlicher Basis die damaligen Kirchengemeinderäte Herbert Eisele, Willy Krug und Hans-Peter Waibel eine neue Putzschicht aufgetragen und die notwendigen Malerarbeiten übernommen.

Zwei neue Sitzbänke für den Außenbereich der Kapelle wurden damals vom Waldfacharbeiter Karl Sproll angefertigt und gestiftet. Die Rasenpflege im Bereich der Kapelle hatte Herbert Eisele zusätzlich übernommen. Bei der Sanierung halfen auch die Firmlinge (2005/2006) kräftig mit, um eine notwendige Kiesrollierung rund um die Kapelle anzubringen und die Außenwand mit neuem Farbanstrich zu versehen.

Seither erstrahlt die Kapelle weithin sichtbar wieder in strahlendem Weiß. Davon ist jetzt im Spätsommer 2020 nichts zu sehen, denn die Kapelle ist total eingeschlossen von inzwischen ca. drei Meter hohen Maispflanzen. Nur die Spitze des Turmdaches ragt noch etwas heraus.

Maisanpflanzung ist derzeit zum landwirtschaftlichen Hauptanbau im Haistergau geworden. Wobei der Mais nicht nur für Biogasanlagen gebraucht wird, sondern vielfach auch benötigt wird als Futtermittel für die Rinderhaltung. Ein Schild, aufgestellt westlich vom Sportplatz, weist darauf hin dass hier Silomais (also Futtermais) angepflanzt und zudem eine Ackerrandbepflanzung mit Sonnenblumen vorgenommen wurde.

Wer nun glaubt, dass die versteckte Kapelle jetzt wenig aufgesucht wird, täuscht sich. Denn die Menschen in der Region kennen ja die Feldwege, die zur Kapelle führen und suchen die sakrale Stätte sogar vermehrt auf, wie man an den brennenden Kerzenlichtern feststellen kann.

Vermutlich hängt der häufigere Besuch wie auch auf St. Sebastian mit der Corona-Pandemie zusammen. Aufgefallen ist auch, dass sich in und um die Kapelle alles in sehr gepflegtem Zustand befindet. Um das Kapelleninnere kümmert sich seit etlichen Jahren ehrenamtlich Irmgard Nüsslein (Bad Waldsee), die für die Sauberhaltung, den Schmuck und auch für den Nachschub an Opferkerzen besorgt ist. Inzwischen ist auch ein kleines Kässchen für eine freundliche Kerzenspende angebracht worden.

Die Rasenpflege hat Franz Brauchle (Haisterkirch) in Nachfolge von Herbert Eisele übernommen. Der Kirchengemeinderat ist dankbar und voll des Lobs über dieses ehrenamtliche Engagement der beiden Kümmerer um diese Kapelle, die übrigens auch schon als „Wahrzeichen des Haistergaus“ bezeichnet wurde.

 

Fotos und Text: Rudi Martin

 

 

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halloRV

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