Bad Waldsee - Am Donnerstagnachmittag versammelten sich ca. 50 bis 60 Senioren und Seniorinnen am üblichen Seniorenspaziergangstreffpunkt an der Stadthalle. Helmut Brecht musste bei seiner Begrüßung die Gemüter beruhigen, denn etliche hatten den OB schon an der Stadthalle erwartet, gab es zur Umgestaltung des Grabenmühlplatzes doch viele Fragen und auch Unmut. „Jeder Häuslebauer wird angehalten, seine Flächen nicht zu versiegeln, und der Grabenmühlplatz wird zu einer einzigen Pflasterwüste“, so die Kritik.
Am Spital wurden die Spaziergänger vom OB mit Getränken und Eis empfangen. Matthias Henne beantwortete dort und im weiteren Verlauf des Spazierganges alle Fragen routiniert. Wo es Detailwissen benötigte, verwies er auf seine Fachleute und Anregungen kamen ins Protokoll.
Umgestaltung Grabenmühle
Die Planungen für das Mega-Projekt „Altstadt für Alle“ sind sind schon lange abgeschlossen und die Umgestaltung der Grabenmühle ist das letzte Teilstück. Das ganze Projekt unterliegt einem strengen Zeitplan und wenn der nicht eingehalten wird, verliert die Stadt ca. 4,5 Millionen Euro an Zuschüssen. Zu bedenken ist auch, dass die umgestaltete Grabenmühle auch Platz für den Wochenmarkt bieten muss und andere Veranstaltungen denkbar sind.
Das Gelände wird mit einem Bachlauf und mit Bäumen aufgewertet.
Die Arbeiten am Parkplatz, der nicht zum Projekt „Altstadt für Alle“ gehört, sind zunächst eingestellt. Hier gehen die Planungen weiter.
Bemängelt wurden auch die verschiedenen Höhen der Absenkungen bei den Querungen. Hier kam anscheinend schon ein Fußgänger zu Sturz und brach sich dabei zwei Rippen.
Mobi-Band und Radfahrer
Radfahrer sehen im Mobi-Band einen wunderbaren Radweg. Auswärtige Besucher hört man sagen, so einen tollen Radweg durch die ganze Stadt hätten sie noch nie gesehen. Das Mobi-Band soll mit Piktogrammen versehen werden, die eindeutig hinweisen, dass es kein Radweg ist. Ebenfalls sollen die 7 km/h-Hinweise für Radler deutlicher gemacht werden
Tempo 30 und Schwerlastverkehr
Städte könne nicht selbst entscheiden, wie schnell innerhalb der Stadt gefahren werden darf. Die Straßenverkehrsordnung sieht 50 km/h innerorts vor. Gemeinden könne nur über den Umweg eines Lärmaktionsplanes Einfluss auf die örtlichen Geschwindigkeiten nehmen. Sobald pro Tag über 8200 Fahrzeuge gezählt werden, kann der Lärmaktionsplan greifen und die Stadt kann 30 km/h verfügen.
Die Stadt Bad Waldsee ist der Initiative Tempo 30 beigetreten, die fordert, dass Städte selbst über das Tempo in ihren Grenzen entscheiden können.
Der Schwerlastverkehr hängt mit der Anbindung der L 316 Richtung Wolfegg und der L 300 Richtung Haisterkirch zusammen. Wenn diese Landesstraßen an die B 30 angeschlossen würden, wäre viel Verkehr aus der Stadt raus. Das Problem der Landesstraßen-Anschlüsse wird seit 60 Jahren diskutiert. Aber man will ja auch nicht den Nachbarn mehr Verkehr zumuten und so sucht man noch Lösungen.
Das neue Rathaus
Die Stadtverwaltung war auf sieben Standorte verteilt. Lange Wege waren das Ergebnis. Mehr Effizienz zeigt sich schon jetzt bei nur noch zwei Standorten: Dem historischen Rathaus und dem Verwaltungsgebäude im ehemaligen Finanzamt.
Das Gebäude war ursprünglich ein Franziskaner-Kloster und wurde 1984 umgebaut. Die Renovierungsarbeitern, die jetzt noch am historischen Gebäude laufen, sollen bis in einem Jahr abgeschlossen sein. Die Gestaltung des Innenhofes ist noch offen – vielleicht darf man wieder auf ein „Mäuerle“ hoffen.
Das komplette Ensemble mit Bürgerbüro, Anbau zum See und Renovierung kostet ca. 12,5 Millionen Euro, dazu bekommt die Stadt einen Zuschuss von 3,6 Millionen Euro.
Nach dem Gang an den Seeweg erklärte der OB, dass die Gestaltung des Neubaus ganz entschieden von der Denkmalpflege beeinflusst sei. Diese wollte keinen historisierenden Anbau. Neue und alte Baustile sollten zu sehen sein. Auch dass der Anbau rechtwinklig vom historischen Gebäude zum See angeordnet ist, war eine Forderung der Denkmalpflege. Es sollte der Blick auf das Historische nicht verstellt werden.
Grünpflege am Stadtsee
Warum wird der Schilfgürtel nicht niedriger gehalten und überall ein ungehinderter Blick zu See gewährleistet, war die Frage. Grün und Wasser spielen zukünftig bei der zu erwartenden Erwärmung des Klimas eine große Rolle in der Stadt. Deshalb wird zum Beispiel der Grüngürtel um den See anders gepflegt als noch vor Jahren
Auch am Seeweg waren die Radler ein großes Thema. Denn mit den E-Bikes sind immer mehr Leute auf dem Rad unterwegs und nutzen den autofreien Seeweg als sicheren Radweg. Laut Straßenverkehrsordnung dürfen Kinder bis 10 Jahren und ihre begleitenden Eltern auf Gehwegen radeln. Sonst niemand. Auch auf dem Seeweg sollen Piktogramme klar machen: das ist ein Geh- und kein Radweg.
Freibad
Beim Stopp am Freibad wies das Stadtoberhaupt auf die schwierige personelle Situation hin, in der sich nicht nur die Stadt befindet. Da die Baby-Boomer-Jahrgänge jetzt in Rente gingen, schlägt der demografische Wandel voll durch. „Dieses Jahr können wir unser Freibad noch die komplette Saison offen halten, aber nächstes Jahr?“ Es gibt immer weniger Leute, die bereit sind, auch an Wochenenden zu arbeiten. Und die bewachte Fläche zu verkleinern, also am See keine Badeaufsicht mehr zu stellen, komme nicht in Betracht. Da die Gestaltung des Badebereiches mit dem Beobachtungsposten und den Flößen suggeriere, hier sei bewacht, kämen haftungsrechtliche Fragen ins Spiel.
Krankenhaus
OB Henne bedauerte die Schließung, bedankte sich explizit nochmals bei der Krankenhaus-Initiative. Im Moment ist im Krankenhaus das MVZ der OSK und die Urologische Praxis angesiedelt. Das MVZ bekam zum Chirurgen mittlerweile eine halbe internistische Stelle. Über weitere Stellen entscheidet die Kassenärztliche Vereinigung. Über den weiteren Ausbau des MVZ und des Primärversorgungszentrum berichtete die Bildschirmzeitung schon mehrfach. Neues gibt es im Moment dazu nicht zu vermelden.
Jugendpark am Seeweg
Die Einrichtungen werden ganz toll angenommen. Pumptrack, Bolzplatz, die Geräte. Jetzt kommt noch eine Kletterwand, ein Trinkbrunnen und ein Unterstand gegen Hitze und Regen dazu. Der Spielplatz auf der gegenüberliegenden Seite soll zu einem Wasserspielplatz umgestaltet werden. Die Geräte kommen dann auf die Seite des Bolzplatzes.
Unterhalb der Bahnhofstreppe war der Spaziergang der Seniorinnen und Senioren mit dem Oberbürgermeister zu Ende. Gärtnerei-Mitarbeiter pflegten gerade die Rabatten und bekamen ob ihrer Arbeit viel Beifall und Lob von allen Anwesenden.
Helmut Brecht bedankte sich beim OB für den aufschlussreichen Nachmittag.
Text und Fotos: Erwin Linder
Helmut Brecht (Stadtseniorenrat) konnte über 50 Senioren und Seniorinnen begrüßen.
Die Stadt spendierte Getränke und Eis.
Der Seeweg und das neue Rathaus (im Hintergrund) waren Themen.
Am ehemaligen Krankenhaus.
Hier ist ein neuer Wasserspielplatz projektiert.
Bekamen viel Beifall: Mitarbeiter der Städtischen Abteilung Grünflächen beim Unkrautjäten.

