Reute - So voll war die Wallfahrtskirche St. Peter und Paul in Reute schon lange nicht mehr. Trotz weiterer Bestuhlung mussten viele Besucher den zweieinhalbstündigen Gottesdienst stehend mitfeiern. Das Kloster Reute feierte 175-jähriges Bestehen. Die Wurzeln liegen in Ehingen. In Reute sind die Franziskanerinnen seit 1870 ansässig.
Auch die beiden Emporen waren gefüllt, insgesamt haben mehr als 500 Gläubige das Jubiläum in der Kirche mitgefeiert. Unter den vielen Gästen sah man auch Bad Waldsees Altbürgermeister Rudolf Forcher, den Landtagsabgeordneten Raimund Haser und neben OB Matthias Henne auch Bürgermeisterin Monika Ludy, Kreissparkassenchef Heinz Pumpmeier, Reute-Gaisbeurens Ortsvorsteher Achim Strobel und Dr. Konstantin Eisele von der Solidarischen Gemeinde.
„Gott in der leidenden Menschheit dienen“ lautete die Mission, unter der sich fünf Klosterfrauen in Ehingen im Jahre 1848 auf den Weg machten. Seit 1870 ist das Kloster Reute Sitz der Franziskanerinnen von Reute. 1940 erlebte die Klostergemeinschaft mit 1786 Schwestern in 276 Filialen den Höchststand ihrer Geschichte.
In Indonesien und Brasilien vertreten
Im Jahre 1964 entsandte Generaloberin Maria Coletta die ersten fünf Schwestern ins indonesische Sumatra. 28 Jahre später wurde unter schwierigen Verhältnissen in Brasilien eine Missionsstation gegründet. Heute haben die Franziskanerinnen das Großprojekt "Klosterberg" im Blick; damit wollen sie den Anforderungen dieser Zeit gerecht werden.
Mit großer Freude und berechtigtem Stolz eröffnete Generaloberin Schwester Maria Hanna das Fest „175-Jahre-Zukunft“. Gekommen waren Repräsentanten aus Kirche und Politik, Vereinen und Organisationen. Der Musikverein Marbach gab dem Gottesdienst ein besonders festliches Gepräge, Schwester Birgitta hat somit ihre Heimat-Musikkapelle mit ins Boot genommen. Die Geschwister Magdalena und Johanna Renner, als Kinder schon bei Familien-Gottesdiensten mit dabei, spielten Geige und Cello. Schwester Franziska glänzte als Kantorin.
Ehingens OB: Wir sind stolz auf die Ursprünge
Ehinges Oberbürgermeister Alexander Baumann überbrachte die Grüße der Stadt Ehingen: „Wir sind stolz, dass es Frauen aus Ehingen waren, welche zunächst von ihren Elternhäusern aus arme und verlassene Menschen pflegten. Sie überbrückten familiäre Notlagen, indem sie für erkrankte Mütter einsprangen, Haushalt und Kinder versorgten.
Vier Zelebranten
Den Festgottesdienst feierte Domkapitular Thomas Weißhaar in Konzelebration mit den Pfarrern Thomas Bucher, Ulrich Steck und Martin Sayer. Seine kurze prägnante Predigt endete Weißhaar mit dem Satz: „Das Leitwort ‚Gott in der leidenden Menschheit zu dienen‘ erfordert jeden Tag neue Zivilcourage.“
Ministerin Razavi würdigte das Projekt "Klosterberg"
Ministerin Nicole Razavi hatte im April 2022 den Franziskanerinnen von Reute den Roten Punkt für das Großvorhaben "Klosterberg“ überbringen können. „Unsere Landesregierung sowie auch das Denkmalamt erkennen diese Alleinstellung für dieses Zukunftsobjekt. Wir fördern großzügig die geplanten Bauvorhaben, hiervon sollen besonders auch Familien profitieren. Ich glaube an Ihre Erfolgsgeschichte, es führt eben kein Weg an Gott vorbei.“
OB Henne dankte und sprach ein großes Lob aus
„Bezahlbaren Wohnraum schaffen ist heute das Gebot der Stunde.“ Oberbürgermeister Matthias Henne war des Lobes voll über die Planungen in Reute. Er dankte aber auch für den langjährigen Einsatz der Schwestern im Bad Waldseer Krankenhaus. Großes Lob sprach er der Klosterleitung für die Aufnahme von 70 Ukraine-Flüchtlingen im letzten Jahr zu.
Landrat Sievers erinnert an das EK der Franziskanerinnen
Landrat Harald Sievers erinnerte an das Jahr 1885, als die Reutener Schwestern in Ravensburg das Josefshaus gründeten, aus dem 1901 das Elisabethenkrankenhaus hervorging.. Im Jahr 1958 folgte die Kinderklinik St. Nikolaus. Zukunftsträchtig war die Gründung der St.-Elisabeth-Stiftung im Jahre 1999. „Vergelt's Gott allen Franziskanerinnen, welche in den vielen Jahren oft über das normale Maß für uns gearbeitet haben.“
Heike Engelhardt: Mutig und voller Beharrungsvermögen
"Im vergangenen Jahr traf ich in Berlin Schwester Maria Hanna bei der Bundesversammlung zur Wahl des Bundespräsidenten." Weiter sagte Heike Engelhardt, Mitglied des Deutschen Bundestags in ihrem Grußwort: „Ich bewundere ihren Mut und ihr Beharrungsvermögen.“
Weihbischof Karrer: "Den Menschen zugewandt"
Weihbischof Matthäus Karrer sagte: „Das Kloster Reute hat in der Vergangenheit unsere Diözese maßgeblich mitgeprägt. Nach der Umgestaltung werden sich die Franziskanerinnen noch weiter für die Menschen öffnen. Ich wünsche allen Verantwortlichen einen langen Atem und Durchhaltevermögen.“
Mit Musik zum Mittagstisch
Mit der Musikkapelle Marbach voran ging es um 13.00 Uhr den Klosterberg hinunter zum gemeinsamen Mittagsmenü. Dieses servierten die Reutener Landfrauen zusammen mit dem Obst- und Gartenbauverein den jetzt noch in größerer Anzahl gekommenen Gästen im Zelt und Obstgarten.
Am Nachmittag gab es Führungen in der Pfarrkirche und dem Kräutergarten. Besonders gefragt waren die Kloster- und Baustellenführungen. Ein liturgischer Abschluss im Festzelt beendete die Feierlichkeiten.
Bericht und Bilder: Rudi Heilig



























