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Region - Zur Zeit können Spaziergänger an frisch gemähten Wiesen einen grausigen Fund machen: Abgeschnittene, noch blutige Beinstümpfe von Rehen. Wie kommt das denn?

Im Mai beginnt die Setzzeit der Rehe. Rehe setzen ihre Kitze gerne in Wiesen rund um Wälder ab. Da sind sie prima versteckt. Die kleinen Bambis ducken sich ins hohe Gras. Ihre Fressfeinde wie der Fuchs können sie nicht wittern. Ihre Mütter kommen alle paar Stunden vorbei und säugen sie mit Muttermilch. So ging das über tausende von Jahren gut.

Bis der Scheibenmäher kam. An einen großen Schlepper können drei Scheibenmäher montiert werden. Die Mähbreite liegt dann bei rund 10 Metern. Die maximale Fahrgeschwindigkeit bei 15 km/h.

Tief duckt sich das Bambi ins Gras. Ist nicht zu sehen. Und hat keine Chance. Die Scheiben schneiden sich in das kleine Reh wie in einen Grashalm. Beine, Hals, Kopf, der Maschine ist es egal. Wenn der Scheibenmäher weiterdonnert, bleibt ein verstümmeltes Kitz zurück. Es hat keine Chance zum Weiterleben. Nur einen grausamen Tod. Verwundet, verstümmelt, blutend und zuckend bleibt es liegen. Bis es vom Tod gnädig erlöst wird und den Aasfressern als Futter dient.

Weil sich das Tierfreunde nicht länger mit ansehen konnten, gründeten sie die Wildtierrettung Bad Waldsee e.V. Zur Setzzeit fliegen die Wildtierretter mit drei Drohnen, ausgestattet mit Wärmebildkameras, die Wiesen ab. Zu jeder gehört eine ganze Rettungsmannschaft. Einer, der die Drohne fliegt, einer, der den Monitor beobachtet und drei, vier Helfer, die mit Körben ausgerüstet sind.

Der Beobachter lenkt seine Helfermannschaft mit dem Funkgerät genau an die Stelle, an der ein Kitz von der Wärmebildkamera entdeckt wurde. Die Helfer setzen das Kitz in einen Korb, tragen es zum Waldrand.

Ist die Wiese frei von Kitzen, beginnt der Landwirt mit dem Mähen. Nach dem Mähen wird das Kitz wieder zurückgesetzt, denn seine Mutter soll es zum Säugen wieder finden.

Die Rettungsaktion wird immer mit dem Landwirt abgestimmt. Der Landwirt ist gesetzlich verpflichtet, seine Wiesen vor dem Mähen vom Jagdberechtigten nach Kitzen absuchen zu lassen. Weil die Kitze so gut versteckt sind und von Hunden nicht gewittert werden, ist die beste, sicherste und schnellste Methode das Abfliegen der Wiese mit der Wärmebildkamera. Gerade jetzt, wo das Gras nach den feuchten Tagen rasch gewachsen ist und eingebracht werden muss, ist schnelles und effizientes Absuchen wichtig.

Der Einsatz der Wildtierretter ist für den Landwirt völlig kostenlos. Die Bestellung ist einfach und unbürokratisch: unter www.wildtierrettung-bw.de ist eine Schaltfläche, die direkt mit dem Mobiltelefon der Wildtierrettung verbindet. So können Landwirte ganz einfach und schnell einen Termin vereinbaren und die in ihrer Wiese versteckten Kitze vor einem grausamen Tod retten.

Text: Erwin Linder Fotos/Video: www.wildtierrettung-bw.de

 

abgetrennter Lauf

Ein abgetrennter Lauf Bild Erwin Linder

 

 

 

 

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halloRV

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